„Jede Kunst, die der Mensch beherrscht, kommt von Prometheus“

Dieser Artikel basiert auf einem Vortrag, den Jason Ross vom LaRouche-Basementteam am 15. Januar 2014 auf der wöchentlichen Internetshow von LaRouchePAC „ein neues Paradigma für die Menschheit” gehalten hat.


Ich möchte mit einem Zitat beginnen. Vielleicht kann jemand erraten, woher es kommt und wer es gesagt haben könnte:

„Was uns am häufigsten ins Auge fällt (und zu Beschwerden Anlaß gibt), ist unsere wimmelnde Bevölkerung: Unsere Zahlen sind eine Belastung für die Welt, die uns aus ihren Naturelementen kaum versorgen kann; unsere Bedürfnisse wachsen immer stärker und unsere Klagen immer bitterer in aller Munde, während die Natur uns ihre übliche Ernährung verweigert. Wahrlich muß man Seuchen, Hunger und Kriege und Erdbeben als Abhilfe für die Länder betrachten, als Mittel, um die Üppigkeit der Menschheit zu beschneiden…”

Wer mag das gesagt haben? Prinz Philip oder vielleicht Al Gore? Nein, tatsächlich war es ein Bewohner Karthagos um etwa 150 v. Chr., zu einer Zeit, als nur etwa 200 Mio. Menschen auf der Erde lebten. Die Vorstellung, die Welt sei überbevölkert, ist also nicht unbedingt neu, denn diesen Glauben teilen alle, die die Menschen nicht mögen. Das Zitat stammt aus dem Atrahasis-Epos, einer Geschichte aus Babylon zur Zeit des 19. Jahrhunderts v. Chr., in der es um den damaligen Gott Enlil geht:

„Das Land (der Menschen) brüllte wie ein Stier,
und durch ihren Lärm fühlte sich der Gott belästigt.
Enlil hörte ihr Geschrei
und sprach zu den großen Göttern:
Das Geschrei der Menschen ist mir lästig.
Durch ihren Lärm finde ich keinen Schlaf.
Laßt eine Seuche entstehen, (die sie zum Schweigen bringt)!”

Das war vor 4000 Jahren. Hier ist ein weiteres Zitat aus jüngerer Zeit, das aber fast genauso klingt. Es ist von Paul Ehrlich, dem Autor der Bevölkerungsbombe. Er sagte:

„Ich verstehe die Bevölkerungsexplosion intellektuell schon seit langem. Emotional habe ich sie eines stickigen heißen Abends vor einigen Jahren in Delhi verstanden. Meine Frau und meine Tochter und ich fuhren in einem Uralttaxi zurück zu unserem Hotel. Die Sitze waren voller Flöhe. Der einzige Gang, der funktionierte, war der dritte. [Armer Paul Ehrlich!] Als wir so durch die Stadt schlichen, kamen wir auch durch ein vollgestopftes Slumgebiet. Es war wohl über 38 Grad warm, und in der Luft hing ein Dunst von Staub und Rauch. Die Straßen wimmelten von Menschen. Menschen aßen, Menschen wuschen, Menschen schliefen. Menschen trafen sich, stritten sich und lärmten. Menschen streckten die Hände durch das Taxifenster, um zu betteln. Menschen verrichteten ihre Notdurft. Menschen hingen an den Bussen. Menschen trieben Tiere zusammen. Menschen, Menschen, Menschen, Menschen. Wie wir uns so langsam unseren Weg durch die Menge bahnten, gaben die Hupen, der Staub, der Lärm, die Hitze und die Feuerstellen eine höllenartige Szene ab. Würden wir je unser Hotel erreichen?”

Ich frage mich, ob Paul Ehrlich genauso reden würde, wenn er durch die Straßen von Manhattan führe: „All die Leute, die hier einkaufen oder mit Aktien handeln – wie schlimm!”

Es ist ziemlich offensichtlich, was alle diese Äußerungen gemein haben: Eine Abneigung gegen Menschen.

Dieser Haß auf die Menschen zeichnete auch den olympischen Gott Zeus aus, der praktisch zum Inbegriff der oligarchischen Herrschaft über die Menschheit geworden ist. Ich möchte dazu ein Zitat aus Aischylos’ Drama Der gefesselte Prometheus vorlesen. Prometheus erklärt darin gegenüber dem Chor der Okeaniden:

Denn sobald er [Zeus] seines Vaters heilgen Thron
bestieg, [Prometheus hatte Zeus dabei geholfen, Kronos zu stürzen und sich zum obersten Gott aufzuschwingen]
Sofort verteilt’ er Ehr und Amt den Ewigen,
Je andern andre, und verlehnt’ des weiten Reichs
Gewalten; einzig für die armen Menschen trug

Er keine Rücksicht; ganz zu vertilgen ihr Geschlecht,
Ein andres, neues dann zu schaffen war sein Plan.
Da trat denn niemand ihm entgegen außer mir;
Ich aber wagt es, ich errang’s den Sterblichen,
Daß nicht zerschmettert sie des Hades Nacht
verschlang.
Darum belastet ward ich so mit dieser Qual,
Zu tragen schmerzvoll, anzuschaun erbarmenswert.
Und da ich Mitleid hegte mit den Menschen, ward ich selbst
Des nicht gewürdigt, sondern unbarmherzig hier
Felsangeschmiedet, schändlich Schaugepräng des Zeus!

Chor:
Du bist doch weiter nicht gegangen, als du sagst?

Prometheus:
Ich nahm’s den Menschen, ihr Geschick
vorauszusehn.

Chor:
Sag, welch ein Mittel fandest du für dieses Gift?

Prometheus:
Der blinden Hoffnung gab ich Raum in ihrer Brust.

Chor:
Ein großes Gut ist’s, das du gabst den Sterblichen.

Prometheus:
Und bot zum andern ihnen dar des Feuers Kunst.

Chor:
Die Tageskinder kennen jetzt der Flamme Blick?

Prometheus:
Der künftig tausendfache Kunst sie lehren wird.

Prometheus-Skulptur von Nicolas-Sébastien Adam (1762) im Louvre.

Mit einigen dieser Künste wollen wir uns heute befassen. Zunächst aber will ich Prometheus noch etwas mehr über das sagen lassen, was er selbst dachte.

Prometheus:
Glaubt nicht, Behagen oder Hochmut lasse mich
So schweigen; tief nachsinnend nag ich wund mein
Herz,
Daß ich mich selbst muß also tief erniedrigt sehn.
Und diese neuen Götter mit all ihrer Macht –
Wer sonst denn ich hat ihnen alles ausgeteilt?
Doch schweig ich davon, da ich, was ihr selber wißt,
Euch sagen würde; aber hört, was meine Schuld
An den Menschen ist, die, Träumer sonst und stumpfen Sinns,
Des Geistes mächtig und bewußt ich werden ließ!
Nicht einer Schuld zu zeihn die Menschen, sag ich das,
Nur um die Wohltat meiner Gabe darzutun.
Denn sonst mit offnen Augen sehend sahn sie nicht,
Es hörte nichts ihr Hören, ähnlich eines Traums
Gestalten mischten und verwirrten fort und fort
Sie alles blindlings, kannten nicht das sonnige
Dachüberdeckte Haus und nicht des Zimmrers Kunst;
Sie wohnten tief vergraben gleich den winzigen
Ameisen in der Höhlen sonnenlosem Raum;
Von keinem Merkmal wußten sie für Winters Nahn
Noch für den blumenduftgen Frühling, für den
Herbst, Den erntereichen; sonder Einsicht griffen sie
Alljedes Ding an, bis ich ihnen deutete
Der Sterne Aufgang und verhülltren Niedergang;
Die Zahlen, aller Wissenschaften trefflichste,
Der Schrift Gebrauch erfand ich und die Erinnerung,
Die sagenkundige Amme aller Musenkunst.
Dann spannt ins Zugjoch ich zum erstenmal den Ur,
Des Pfluges Sklaven; und damit dem Menschenleib
Die allzugroße Bürde abgenommen sei,
Schirrt ich das zügelstolze Roß dem Wagen vor,
Des mehr denn reichen Prunkes Kleinod und
Gepräng. Und auch das meerdurchfliegend lein’geflügelte
Fahrzeug des Schiffers ward von niemand ehr erbaut.
So mir zum Elend vieles Rates vielgewandt
Den Menschen, bin ich alles Rates bar und bloß,
Mir jetzt zu lösen dieser Qual schmachvolles Los.

Für jene, die es nicht wissen: Prometheus war von Zeus an einen Felsen gekettet worden, wo ihn jeden Tag ein Adler aufsuchte, um seine Leber zu fressen.

Der Chor antwortet:

Du trägst ein schmachvoll Leid, entraten alles Rats;
Du schwankst; dem schlechten Arzte gleich jetzt selbst erkrankt,
Verzagst du mutlos und vermagst dir selbst den Trank
Nicht mehr zu finden, welcher dich gesunden läßt.”

Und noch ein letztes Zitat von Prometheus:

Laß dir das weitre sagen und erstaune mehr,
Wie große Mittel, welche Künste ich erfand.
Das größte war’s, daß, wenn sie Krankheit niederwarf,
Kein Mittel da war, keine Salbe, kein Gebräu,
Kein Brot der Heilung, sondern, aller Arzenei
Entraten, sie verkamen – bis sie dann von mir
Gelernt die Mischung segensreicher Arzenei,
Die aller Krankheit wilde Kraft zu stillen weiß…
Soweit von diesem, aber die im Erdenschoß
Verborgenen Schätze, welche sein jetzt nennt der Mensch,
So Eisen, Erz, Gold, Silber, wer mag sagen, daß
Er diese vor mir aufgefunden und benutzt?
Niemand, ich weiß es, wenn er sich lügend nicht berühmt.
So ist, mit einem Worte, daß ihr kurz es hört,
Den Menschen von Prometheus alle Kunst gelehrt.

Im weiteren Ablauf der Geschichte, wie Aischylos sie erzählt, wird Prometheus von verschiedenen Besuchern aufgesucht. Einige stehen zu ihm, andere halten ihm vor, er sei selbst Schuld an seiner mißlichen Lage, da er einen schrecklichen Fehler begangen hätte; hätte er die Menschen sich selbst überlassen, wäre ihm der Zorn des Zeus erspart geblieben. Es stellt sich also die Frage: Hat Prometheus einen Fehler gemacht? Jenen, die ihn davon überzeugen wollten, daß er an seinem Schicksal selbst schuld sei, antwortet er selbstbewußt, daß er genau wußte, was er tat.

Lyndon LaRouche hat in seinen jüngsten Papieren verdeutlicht, daß die Geschichte des Prometheus, wie sie von Aischylos, Sophokles, Goethe u. a. erzählt wird, keine „Unterhaltung” und kein Mythos ist. Sie repräsentiert ein wahres Prinzip des menschlichen Schöpfergeistes und den grundlegenden Konflikt mit der oligarchischen Denkweise.

Betrachten wir uns einmal die Künste, die Prometheus dem Menschen beigebracht hat und in welchen Zeitaltern sie wirksam wurden. Aus der so betrachteten Menschheitsgeschichte wird dann deutlich, daß es der natürliche Zustand des Menschen ist, sich zu entwickeln, zu wachsen und kreativ zu sein. Nur in Zeiten, wo die Menschen von Imperien beherrscht wurden, werden sie davon abgehalten.

Werkstoffe, die der Mensch benutzt

Gewöhnlich wird die Menschheitsgeschichte in einzelne Epochen unterteilt, die nach den Werkstoffen benannt sind, die der Mensch benutzt hat: Steinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit usw. Die Steinzeit sollte jedoch wahrscheinlich besser Feuerzeit genannt werden, denn die Menschheitsgeschichte beginnt mit der Nutzung des Feuers durch den Menschen. In der Steinzeit gab es bereits Kunst und Skulpturen, es wurden Holz- und Steinwerkzeuge gebaut. Mit Hilfe des Feuers wurden die Steinwerkzeuge gehärtet. Es gab Backöfen und Kochherde, es gab Stoffe und Flechtwaren, so daß wir uns hüten sollten, eine Gesellschaft als „Steinzeitgesellschaft” zu verunglimpfen, weil wir angeblich heute so viel fortschrittlicher wären. Man muß immer den Zusammenhang betrachten, in dem sich die Menschheit jeweils befunden hat. Gab es Fortschritt oder Rückschritt?

Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen in der menschlichen Geschichte gehen wahrscheinlich auf die sogenannte Bronzezeit zurück. Das war vor etwa 5000 Jahren, und sie begann mit der Herstellung neuer Werkstoffe.

Abbildung 1. Kupfer, wie man es in kleinen Mengen (genauso wie Gold und Silber) in metallischer Form in der Erde findet.

Hier ist ein Stück Kupfer (Abbildung 1), wie es in nativer Form im Erdreich vorkommt. Verschiedene andere Metalle gibt es ebenfalls in ihrem nativen Zustand, etwa Gold, Silber und in Meteoriten sogar Eisen. Alten Kulturen bot sich somit die Möglichkeit, Metalle zu bearbeiten, noch bevor man sie aus Erzen gewinnen konnte. Vor 10.000 Jahren stellten Menschen aus Kupfer Werkzeuge her, indem sie ihn mit Steinen bearbeiteten und formten, mit der Hitze des Feuers weich machten, um seine Form noch weiter zu verändern usw.

Ein weiteres Metall dieser Frühzeit war Gold, das schon vor 5000 Jahren abgebaut wurde; ebenso Silber. Die Menschen kannten also Metalle. Der eigentliche Durchbruch war aber die Entwicklung ganz neuer Stoffe und Materialien – was fast wie ein Wunder anmutet!

Abbildung 2. Malachit ist ein häufig vorkommendes Mineral mit typischer grüner Farbe.

Abbildung 2 zeigt einen Brocken Malachit, ein grünes Mineral, das wie ein Stein aussieht. Äußerlich ist an ihm nichts besonders auffällig, so daß man kaum denken könnte, ihn für andere Zwecke zu gebrauchen, als ihn als Faustkeil o.ä. zu benutzen. Daher ist es schon überraschend, festzustellen, daß man daraus einen Kupferdraht herstellen kann.

Das Kupfer, das heute in unseren Häusern als Stromkabel u. ä. verlegt wird, kommt aus Erzen wie Malachit. Der Ursprung dieser Entdeckung liegt wohl 5000 Jahre zurück, zu Beginn der sogenannten Bronzezeit, als man damit begann, dem Kupfer andere Substanzen zuzusetzen.

 

 

istvan takacs

Bild: Morgan Riley

abbildung 8: aus der eisenluppe wird mit dem Hammer der verbliebene Kohlenstoff herausgeschlagen.

abbildungen 6 und 7: aus Hämatit (links) und takonit wird eisen gewonnen.

 

 

Man konnte aus Kupfer Werkzeuge herstellen, aber diese waren nicht viel besser als Steinwerkzeuge. Man entwickelte neue Techniken, um sie zu schärfen und zu formen, was sehr gut war, aber die eigentlichen physikalischen Eigenschaften des Kupfers als Werkzeug waren beispielsweise zum Schneiden einem scharfen Feuerstein nicht überlegen.

Der wirkliche Fortschritt ergab sich durch die Herstellung von Bronze. Hierzu mußten Menschen nicht nur einen grünen Stein in glänzendes Kupfermetall verwandeln, sondern sie mußten auch herausfinden, daß man durch die Zugabe von Zinn ein neues Metall erzeugen konnte, das besser als Kupfer und auch besser als Zinn war. Ein solches Metall hatte bis dahin außer in kleinsten Mengen in winzigen Einschlüssen nirgendwo auf der Erde existiert. Erst der Mensch hat es geschaffen.

Wie konnte es zu dieser Transformation kommen? Ich habe hier ein Holzkohlenbrikett in der Hand, woran eigentlich nichts Ungewöhnliches ist. Wissen Sie, wo Holzkohle herkommt? Sagen Sie bitte nicht, aus dem Supermarkt. Nein, sie wird aus Holz gemacht.

Die Herstellung von Holzkohle selbst war früher ein ziemliches Unterfangen. Auf diesem alten Bild etwa um 1900 irgendwo in Deutschland (Abbildung 3 und 4) ist die frühe Holzkohleherstellung dargestellt. Holz selbst ist zwar auch ein guter Brennstoff, aber es brennt nicht sehr heiß und ist voller Verunreinigungen. Deswegen kann man es in einen besseren Brennstoff verwandeln. Man schichtet einen großen Holzstoß auf, bedeckt ihn mit Erde und setzt das Holz darunter in Brand. Ein solcher großer Haufen braucht wahrscheinlich drei Tage, um langsam und kontrolliert durchzubrennen, wobei nicht viel Luft eindringen darf. Am Ende hat man das Holz in Holzkohle verwandelt. So wird auch die heutige Holzkohle noch hergestellt – nicht unbedingt in einem so kleinen Haufen, sondern mit Hilfe industrieller Verfahren im großen Stil. Die aus Holz gewonnene Holzkohle ist praktisch reiner Kohlenstoff.

Abbildungen 3 und 4. Holzkohleproduktion um 1900 in Deutschland: Ein großer Holzstoß (links) wird mit Erde bedeckt und brennt unter fast völligem Sauerstoffabschluß langsam durch.

Die Bronzezeit

Aus dem zerstoßenen Malachit, unserem grünen Stein, und Holzkohle werden dann in einem Ofen mehrere Schichten gebildet: Zuunterst etwas Holz zum Anheizen, dann Holzkohle, dann Malachit und wieder Holzkohle zuoberst. Wenn alles lange genug brennt, verstärkt vielleicht noch durch eingeblasene Luft, verbindet sich – wie wir aus der modernen Chemie wissen – der Kohlenstoff aus der Holzkohle mit dem Sauerstoff in dem Erz, und durch die Extraktion des Sauerstoffs bleibt reines Kupfer zurück. Die Menschen vor 5000 Jahren wußten natürlich nicht, daß das Malachit eigentlich verrostetes Kupfer ist! Aber auch heute noch ist diese Transformation ein erstaunlicher Vorgang.

Abbildung 5. Geschmolzene Bronze wird in die Gußform gegossen.

Die Herstellung von Bronze bedeutete, daß der Mensch etwas völlig Neues und sehr Nützliches hergestellt hatte. Mit Bronze konnten außerdem Gußstücke hergestellt werden (Abbildung 5). Dazu mußte man eine Gußform herstellen, die geschmolzene Bronze hineingießen und erstarren lassen, und konnte so jede gewünschte Form erzeugen. Mit Kupfer war das erheblich schwieriger.

Neben Bronze ist Messing eine weitere bekannte Legierung; beide haben einen gemeinsamen Ursprung: Bronze ist Kupfer mit Zinn; Messing ist Kupfer mit Zink. Man führe sich diese Transformation von einem grünen Stein zum Metall noch einmal vor Augen: Kupfer und Zinn zusammen ergeben ein anderes Metall, wobei dessen bronzene Farbe noch nicht einmal wie eine Mischung aus dem rötlichen Kupfer und dem silbrigen Zinn aussieht.

Der nächste große Durchbruch ergab sich teilweise deswegen, weil Zinn zur Bronzeproduktion nicht überall verfügbar war; im Mittelmeerraum zum Beispiel fand man zwar Kupfer, aber keinen Zinn. Man mußte schon bis zu den britischen Inseln oder gar in die Neue Welt fahren, wie manche behaupten, um Zinn über die Handelswege zu beziehen.

Als diese etwa 1200 v. Chr. unterbrochen wurden, brach die Bronzeherstellung zusammen.

Eisengewinnung

Das Material, das an die Stelle von Bronze trat, würde man vom Aussehen her nicht für geeignet halten (Abbildung 6) – ein einfacher Stein, der gar nicht wie ein Metall aussieht. Das ist Hämatit. Es gibt noch ein weiteres Erz, Takonit (Abbildung 7), das wie ein roter Stein aussieht. Aus beiden Mineralen läßt sich Eisen gewinnen.

Abbildungen 6 und 7. Aus Hämatit (links) und Takonit wird Eisen gewonnen.

Eisen ist sehr viel schwieriger zu gewinnen als Kupfer. Eisen aber ist viel reichlicher vorhanden! Eisen kann man nur gewinnen, wenn man über höhere Technologien, über höhere Energieformen und eine bessere Arbeitsteilung verfügt, um die erforderlichen besonderen Arbeitsschritte ausführen zu können.

Nachdem man Eisenerz gefördert und es in einem Holzkohlenfeuer erhitzt hat, um den Sauerstoff aus dem Eisenerz herauszuziehen, bleibt das fast reine Eisen zurück, auch Eisenluppe genannt (Abbildung 8). Durch ständige Bearbeitung mit dem Hammer (Puddeln) und erneute Erhitzung wird langsam der ganze noch verbliebene Kohlenstoff herausgeschlagen, und nach genügendem „Schmieden” erhält man praktisch reines Eisen.

Abbildung 8. Aus der Eisenluppe wird mit dem Hammer der verbliebene Kohlenstoff herausgeschlagen.

Das Schmiedeeisen ist allerdings nicht so hart wie Bronze. Was Eisen als Ersatz für Bronze erst geeignet machte und weswegen wir heute kaum noch Bronze benutzen, ist der Übergang zur Stahlherstellung.

Stahl ist im Grunde Eisen mit einem Gehalt von 1% Kohlenstoff. Um es herzustellen, nahm man Schmiedeeisen, machte es schön heiß und schmiedete es in Holzkohle. Man hämmerte es auf Holzkohle, damit etwas Kohlenstoff (was die Menschen damals natürlich nicht wußten) in den Stahl gepreßt wurde. Dadurch wurde das Eisen zementiert, und es entstand Stahl.

Ein gutes Beispiel hierfür ist das alte Damaszenermesser aus Stahl (Abbildung 9). Der Grund, warum in dem Messer die verschiedenen Banden zu sehen sind, liegt daran, daß dieser Vorgang wiederholt stattfinden muß. Nur die Oberfläche wird jeweils zementiert und wird zu Stahl. Man muß das Werkstück also immer weiter in die Holzkohle schlagen, umbiegen, erneut bearbeiten und neue Schichten härten, die noch aus Schmiedeeisen bestanden. Am Ende wird das Stück 15 oder 20mal diesem Prozeß unterzogen worden sein.

Abbildung 9. Ein altes Damaszenermesser, in dem noch die wellenförmigen Kohlenstoffbanden vom Schmieden zu sehen sind.

Der nächste wichtige Durchbruch in der Geschichte der Metallurgie war die Verwendung von Roheisen um etwa 1200 n. Chr. Es dauerte somit fast zwei Jahrtausende, bis dieses Verfahren in Europa eingeführt wurde; in China war es schon sehr viel früher in Gebrauch. Eisen wird dabei so stark erhitzt, daß es schmilzt; dabei nimmt es jedoch sehr viel Kohlenstoff von der dabei verwendeten Holzkohle auf. Das Roheisen ist zwar hart, bleibt aber brüchig, so daß eine gußeiserne Pfanne, die aus geschmolzenem Roheisen hergestellt wird, leicht zerspringt, wenn man mit einem Hammer dagegen schlägt. Auch bei schnellen Temperaturänderungen zerbricht sie leicht. Als solches ist Roheisen also nicht besonders nützlich.

Allerdings verdrängte es vollständig den bisherigen, sehr arbeitsintensiven Vorgang des Schmiedens von Eisenluppe zur Herstellung von Schmiedeeisen. Entscheidend hierfür war die Erfindung der Bessemerbirne. Das Bessemer-Verfahren aus der Mitte des 19. Jahrhunderts funktionierte so, daß Luft durch das flüssige Roheisen geblasen wurde; der Sauerstoff in der Luft verband sich mit dem überschüssigen Kohlenstoff, der als Kohlendioxid abgeführt wurde, wodurch reines Eisen zurückblieb, dem dann erneut eine gewünschte Menge Kohlenstoff zugeführt wird.

Ein weiterer wichtiger Schritt war die Herstellung von Legierungen. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde rostfreier Stahl durch die Zugabe von mindestens 10% Chrom hergestellt. Wird dieser Stahl beschädigt oder zerkratzt, reagiert das darin enthaltene Chrom mit dem Luftsauerstoff und bildet eine Schutzschicht aus Chromoxid, so daß er nicht rostet. Aus diesem Grunde könnte rostfreier Stahl bei geeigneter Pflege praktisch ewig halten.

Ein weiteres Verarbeitungsverfahren für Stahl ist die Beschichtung mit Zink, auch Galvanisieren genannt. Das Zink hat an der Oberfläche ein schuppiges Aussehen. Zink korrodiert nicht, weswegen der Stahl darunter nicht rostet.

Daneben gibt es heute zahlreiche andere Legierungen und Spezialstähle, denen teilweise nur winzige Spuren anderer Elemente wie Molybdän, Nickel oder Titan zugesetzt werden, die dem Stahl besondere Eigenschaften verleihen.

Damit wollen wir zu unserem Ausgangspunkt der Metallverarbeitung zurückkehren und überlegen, was der Mensch alles mit Hilfe des Feuers und dessen Kraft fertig gebracht hat. Wie Prometheus sagte, das Feuer werde uns viele Künste ermöglichen. Die Metallurgie ist eine davon, die eigentlich erst mit der Erzeugung neuer Materialien beginnt, die speziellen und außergewöhnlichen Zwecken dient. Metalle werden heute für Anwendungen hergestellt, die weit über ihre anfänglichen Einsatzgebiete hinausgehen. Die entscheidende Frage zum Verständnis dieser Materialien ist stets, was deren physikalische Eigenschaften sind: Wie hart sind sie? Kann man sie schärfen? Welchen Zug oder Druck halten sie aus, bevor sie brechen? Und so weiter.

Eine neue Dimension: Elektrizität

Mit der Entdeckung der Elektrizität und der Entwicklung einer Wirtschaft, in der wir mit elektrischem Strom Motoren antreiben, Gebäude mit Licht versorgen, Strom über Land leiten, erhalten Metalle noch eine ganz neue Funktion. Kupfer wird heute hauptsächlich für Stromkabel, Motoren und Generatoren benutzt, d. h. heute stehen Eigenschaften des Metalls im Vordergrund, die früher keine Rolle gespielt haben, denn vor 200 Jahren hat niemand danach gefragt, ob Kupfer elektrisch leitfähig sei.

Der elektrische Strom stellt eine völlig neue Dimension menschlichen Wissens dar. Das Phänomen Elektrizität diente anfangs nur als eine Art Belustigung, und das blieb sie auch für Tausende von Jahren. Das Wort „Elektrizität” leitet sich vom griechischen élektron ab‚ das „Bernstein” bedeutet. Was aber hat Bernstein mit Elektrizität zu tun? An Bernstein interessieren uns meist nur die darin eingeschlossenen Insekten und wir verwenden ihn als Schmuckstück. Wenn man aber Bernstein – genauso wie einen Luftballon – an einem Stück Stoff reibt, entwickelt sich sogenannte „statische Elektrizität”. Die Griechen nannten den Stoff, der das machte, „Bernstein” (élektron). Wenn man also einen Bernstein rieb, ließen sich mit ihm kleine Federn oder ähnliches anziehen, aber das war auch schon alles, was man damit anstellen konnte. Zur Zeit von Benjamin Franklin war die Elektrizität bereits weiter gediehen. Erste elektrische Generatoren basierten auf Reibung mit Hilfe eines sich drehenden Rades, um den „elektrischen Strom” abzuleiten und damit zu experimentieren. Einige berühmte Experimente, bei denen man Froschschenkel mit einem Stromstoß zucken ließ, u.a. ließen immer mehr Interesse daran aufkommen, was es mit dieser „Substanz” auf sich habe. Noch vor 1800 entstand die erste Quelle fließender Elektrizität – die Batterie, mit der durch einen chemischen Prozeß ein Fluß elektrischen Stroms erzeugt werden konnte.

Das bewirkte einen vollständigen Umschwung, denn dadurch wurde sehr schnell der Zusammenhang zwischen Elektrizität und Magnetismus deutlich. Den Griechen war zwar auch schon der Magnetismus bekannt, aber erst durch den fließenden elektrischen Strom konnte man herausfinden, daß beide die zwei Seiten des gleichen Prozesses waren. Mit Hilfe einer Batterie, einer elektrischen Zelle und einem fließenden elektrischen Strom entdeckte Oersted 1800, daß der Magnetismus tatsächlich einem elektrischen Strom glich.

Damit taten sich völlig neue Anwendungsmöglichkeiten auf. Bevor man den Zusammenhang zwischen Elektrizität und Magnetismus kannte, versuchten einige bereits Telegraphen zu konstruieren, die aber wegen ihrer schlechten Qualität nicht brauchbar waren. Sobald aber die Beziehung zwischen Elektrizität und Magnetismus hergestellt war, gerieten die Dinge in Fluß. Es entstanden Telegraphen, wie sie damals betrieben wurden: Jemand erzeugte einen Strom, und ein anderer konnte ein Klopfgeräusch am anderen Ende hören.

Ein großer Fortschritt, mit dem die Elektrizität zu weit mehr genutzt werden konnte, als in chemischen Experimenten verschiedene Elemente voneinander zu trennen, war die Möglichkeit, Strom durch Bewegung zu erzeugen. Die Entwicklung verlief also von der Reibung über die Chemie zu beweglichen elektrischen und magnetischen Feldern. Die heutigen Generatoren funktionieren dadurch, daß ein Magnetfeld an Drähten entlanggeführt wird, wodurch in diesen Drähten ein Strom induziert wird. Erst nach dieser Entdeckung, mit der leistungsstarke Generatoren bzw. Dynamos möglich wurden, machte die Elektrizität einen großen Sprung nach vorne. Die meisten ersten Anwendungen dienten der Beleuchtung; noch vor der heutigen Glühbirne erzeugte man mit elektrischem Strom einen Funken zwischen zwei Kohlenstoffelektroden, wodurch ein sehr helles Bogenlicht entstand.

Weitere Dimensionen unseres Wissens über Elektrizität kamen hinzu, besonders der Elektromotor und die Erzeugung von Wechselstrom, mit dem sich alle Geräte und Maschinen, die wir heute kennen, betreiben lassen.

Wir erinnern uns: Wir gingen von den physikalischen Eigenschaften der Metalle aus, wir fanden chemische Eigenschaften von Substanzen und jetzt entdeckten wir spezifische elektrische Eigenschaften von Stoffen. Zu unserem Wissen kommen somit buchstäblich immer neue Dimensionen hinzu.

Wir haben also eine ganze Reihe von Transformationen erlebt, die unterschiedliche Dimensionen unseres Wissens darstellen. Entscheidend dabei war immer die Art der Anwendung, vor allem wenn es um höhere Formen der Energieflußdichte geht. Das Feuer als Energiequelle ging in seiner Anwendung vom Holz, an dem man sich wärmen und mit dem man sein Essen zubereiten konnte, zur Holzkohle über, die heiß genug wird, um Metalle zu schmelzen, und dann zur Steinkohle, die eine bessere Alternative ist, als sämtliche Wälder abzuholzen – d. h. eines der ersten Umweltschutzgesetze wurde schon vor etwa 700 Jahren erlassen, als untersagt wurde, die Wälder zur Produktion von Holzkohle zu zerstören. Demnach ist Kohle viel umweltfreundlicher als Holz.

Heute geht es aber auch um nukleare Brennstoffe und um Helium-3 als Kernfusionsbrennstoff, dessen Gewinnung sich die Chinesen mit ihrer jüngsten Mondmission zum Ziel gesetzt haben. Insgesamt ist es erstaunlich, welche Fähigkeiten wir als Gattung entwickelt haben, alles um uns herum zu transformieren! Gleichzeitig fragt man sich, warum 1,5 Mrd. Menschen auf der Erde keinen zuverlässigen Zugang zu elektrischem Strom haben. Warum haben 750 Mio.

Menschen kein sauberes Trinkwasser? Warum leben 2,5 Mrd. Menschen ohne geeignete sanitäre Anlagen? Die Hälfte der Krankheiten im Entwicklungssektor wie Durchfallerkrankungen ließe sich mit Hilfe vernünftiger Kanalisation vermeiden. Warum gibt es immer noch so viele Krankheiten? Warum haben fast 1 Mrd. Menschen auf der Erde nicht genug zu essen?

Wenn unsere Gattung nachweislich in der Lage ist, die Natur immer weiter zu beherrschen, wenn wir so gut wie alles tun können, was wir wollen, warum herrschen nach wie vor solche Zustände? Gibt es ein Naturgesetz, das die Physiker noch nicht genau erfaßt haben, wonach Menschen in den armen Ländern keine Bewässerung, keine Düngemittel und moderne Erntemethoden haben dürfen? Gibt es ein Naturgesetz, das die Nutzung der Kernkraft verbietet?

Nein, dahinter steht eine Absicht! Die Armut, die wir auf der Welt sehen, sollte uns anwidern, denn sie ist nicht zufällig; es ist nicht so, daß einige Länder „nun einmal arm” sind. Hätten wir nicht ein oligarchisches Herrschaftssystem, das die Menschheit über all die Jahre zurückgehalten hat, wo könnten wir heute bereits sein?

Was müßte das Lebensziel jedes einzelnen heute sein, wenn wir uns mit den Menschen der Bronzezeit vergleichen, mit den Menschen, die neues schufen, deren Namen und wirkliche Herkunft wir nicht kennen? Sie bewirkten etwas, das ohne Frage eine unsterbliche Wirkung hatte. Was sie taten, veränderte die Menschheit grundlegend – praktisch wie eine supergenetische Evolution.

Die meisten Menschen hatten hierfür gar keine Gelegenheit. Zu viele Menschen fallen in die Kategorien, die ich eben erwähnte. Jemand, der gerade so über die Runden kommt, jemand, der in völliger Armut lebt, hat nicht die Möglichkeit, seine geistigen Fähigkeiten zu entwickeln.

Unser Ziel muß es sein, Bedingungen zu schaffen, unter denen jeder einzelne Mensch ein Leben führen kann, mit dem er einen unsterblichen Beitrag leisten kann. Jeder sollte ein prometheischer Mensch sein können.

Das ist mit oligarchischer Herrschaft unvereinbar. Deswegen sollte sich jeder die Frage stellen: Werden Menschen in der Zukunft wissen, daß es uns gegeben hat? Schauen wir mehrere Generationen oder sogar Tausende von Jahren in die Zukunft: Wird das, was wir heute tun, dann noch von Bedeutung sein? Was von dem, was wir heute tun können, würde mit Sicherheit dazu gehören? Handeln wir so, daß alle Menschen heute die Möglichkeit haben, so zu leben, daß dies materiell und geistig eine Realität wird? Das ist wohl das edelste Ziel für jeden von uns heute.

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