Die ultimative Ressource – den Geist – entwickeln

Jason Ross von LaRouchePAC sprach am 12. August 2015 mit Paul Driessen.

Es folgen Auszüge aus dem Gespräch.

Ross: Ich spreche mit Paul Driessen, Autor des Buches ÖkoImperialismus: Grüne Politik mit tödlichen Folgen und leitender Strategieberater des Committee For A Constructive Tomorrow, einer Institution, die sich vorgenommen hat, die Auswüchse und Irrtümer der Umweltbewegung zu revidieren. Ich frage Sie: Ihr Verhältnis zur Umweltbewegung war nicht immer so. Können Sie uns etwas über sich selbst sagen?

Driessen: Mein Verhältnis [zur Umweltbewegung] stellt sich mir in etwa so dar, wie Präsident Reagan einmal sein Verhältnis zur Demokratischen Partei beschrieb: Ich habe die Umweltbewegung nicht verlassen – die Umweltbewegung hat mich verlassen. Im wesentlichen geht es darum: Wir gründeten diese Bewegung in den 60er Jahren, als ich noch im College war. Ich war Teil dieser Initiative. Es gab damals riesige Probleme mit der Verschmutzung des Wassers und der Luft und alle möglichen anderen Fragen. Im Laufe der Jahre haben wir uns dieser Probleme angenommen, wir entwickelten neue Gesetze, neue Bestimmungen, neue Einstellungen, neue Strategien und ein ganz neues Denken über die Umwelt.

Wir erreichten unsere Ziele – und schossen dann weit über sie hinaus. Zum Beispiel sind die Konzentrationen der wichtigsten Schadstoffe wie NOx (Stickoxide), SOx (Schwefeloxide) und viele andere seit den 70er Jahren um mindestens 72 % zurückgegangen. Und der Ausstoß von Kraftwerken ist wahrscheinlich nur noch ein Zehntel dessen, was sie einmal in die Umwelt geblasen haben. Automobile sind um etwa 95 % sauberer als zu der Zeit, als wir mit all dem anfingen.

Aber als wir mit den Jahren diese Ziele erreichten und gewaltige Siege feierten, kamen die radikaleren Elemente der Umweltbewegung ans Ruder. Die hatte es immer gegeben, aber sie fristeten bis dahin ein Schattendasein, weil wir die wirklichen, legitimen Probleme in den Vordergrund stellten. Sie machten sich aber immer mehr bemerkbar, und als sie die Vorherrschaft gewannen, fingen sie an, Ansichten zu verbreiten, von denen Patrick Moore, der Mitbegründer von Greenpeace, ich selbst und viele andere der Meinung sind, daß sie sich gegen die Wissenschaft, gegen Technologie, gegen die Realität, gegen den gesunden Menschenverstand und gegen die Menschen richteten.

Deswegen nahm ich damals meinen Abschied. Ich war zu dem Schluß gekommen, daß die Umweltschützer die Ziele bekämpften, an die ich glaubte. Ich denke, wir brauchen Technologien, um uns nach vorne zu bringen, um den Lebensstandard und das Wohlergehen der Menschen zu erhöhen und die Sterblichkeit zu senken. Wir haben das in unserem Land geschafft. Aber es gibt Milliarden Menschen im Rest der Welt, denen noch Technologien fehlen, die bezahlbare, bewährte, kohlenstoffbasierte Energie brauchen, wie wir sie benutzt haben, um unseren Lebensstandard, unsere Gesundheit und unser Wohlergehen in einer Weise zu verbessern, wie es noch vor hundert oder zweihundert Jahren unvorstellbar gewesen wäre.

Die heutigen Umweltschützer verweigern den ärmsten Menschen auf diesem Planeten diese Technologien, einen besseren Lebensstandard und eine längere Lebensdauer. Ich halte das für völlig falsch. Die Menschen sind genauso Teil dieser Erde wie die Ratten und die Löwen und alle anderen Arten. Sie sollten nicht wie Bürger zweiter Klasse behandelt werden.

Die Umweltschützer haben Unrecht, wenn sie sagen, wir seien um kein Deut besser als diese anderen Arten, der Tod eines Kindes in Afrika sei nicht schlimmer als der Tod des Löwen Cecil. Das kaufe ich denen einfach nicht ab, denn ihre Haltung gegen Energie, gegen Gentechnik, gegen Biotechnologie, gegen DDT, gegen Pestizide und für die Dekarbonisierung bedeutet, daß in diesen Ländern jedes Jahr buchstäblich Millionen von Eltern und Kindern umkommen.

Das absurde DDT-Verbot

Ross: Die Umweltgruppen verweisen immer gerne auf das sogenannte Vorsorgeprinzip. Ihrer Ansicht nach könnte es sein, daß uns in Zukunft großes Unheil droht: globale Erwärmung, Klimawandel, extreme Wetterlagen, im Fall von DDT Gefahren für Vogeleier usw. Man könne diese potentiellen Gefahren nur abwenden, wenn man jetzt handle. Was sagen Sie dazu?

Driessen: Fangen wir beim DDT und den Eierschalen an. Prof. Joel Bitman, ein Forscher aus Maryland, hat die ursprünglichen Untersuchungen durchgeführt. Erkam zudem Schluß, DDT lasse die Eierschalen dünn werden, was dazu führen könne, daß die Vögel die Eier zerbrechen und die Embryonen getötet werden. Infolgedessen würde die Population von Adlern und anderen Vögeln zurückgehen.

Jemand machte den Forscher jedoch darauf aufmerksam, daß das Futter, das er den Testvögeln gab, extrem kalziumarm war. Da Kalzium nun einmal der Hauptbestandteil von Eierschalen ist, machte sich Dr. Bitman als ehrlicher Wissenschaftler, der sich an die wissenschaftlichen Regeln hält, daran, die Versuche mit geeignetem Futter zu wiederholen – und siehe da, keine Eierschale wurde wegen DDT dünner! Als er diese neuen Erkenntnisse jedoch publizieren wollte, weigerten sich Natureund andere Fachzeitschriften, seine Arbeit zur Veröffentlichung anzunehmen, weil sie bereits Stellung bezogen hatten und ihre Meinung über DDT nicht ändern wollten.

Das ist nur ein Beispiel mehr für die Lügen über DDT, aber damit sind wir bei dem Vorsorgeprinzip. DDT soll nicht mehr verwendet werden, weil irgendwelche Umweltfanatiker, die gegen Pflanzenschutzmittel sind, behaupten, es bestünde die Möglichkeit, daß sich DDT oder seine Abbauprodukte wie DDE auf die Milchproduktion bei stillenden Müttern oder auf die kindliche Hirnentwicklung usw. auswirken könnten.

Das DDT-Verbot vor 40 Jahren auf Grundlage eines Propagandabuches und einer vom Autor sofort wieder zurückgezogenen wissenschaftlichen Studie hat zu 60–70 Mio. völlig unnötigen Malariatoten geführt – das wohl folgenschwerste Beispiel von Umwelthysterie zur Steigerung der Sterberate. Quelle: Wikimedia Commons

Es gibt keinen Beleg dafür, aber da die Möglichkeit bestehe, dürften keine Stoffe oder Technologien hergestellt, verwendet oder in Umlauf gebracht werden, wenn nicht bewiesen sei, daß sie keine dieser nachteiligen, eingebildeten, übertriebenen Effekte hätten. Über die Folgen dieser Politik oder des Vorsorgeprinzips selbst oder des Verbots dieser Technologien wollen sie nicht reden.

Aber wenn man DDT verbietet, dann sterben jedes Jahr eine Million Menschen, überwiegend Mütter und Kinder, an Malaria. Sollte das nicht Teil des Vorsorgeprinzips sein? Man kann einen ganz direkten Zusammenhang aufzeigen zwischen dem Fehlen dieses sehr wirksamen Insektenschutzmittels und dem Tod von Millionen Menschen und der Tatsache, daß über die Jahre Milliarden Menschen an Malaria erkranken.

Doch über diesen Teil des Vorsorgeprinzips soll nicht gesprochen werden.

So ein Vorschlaghammer wird immer dann eingesetzt, wenn Umweltschützer eine Technologie nicht mögen, wenn sie nicht wollen, daß sich der Lebensstandard erhöht und die Menschen gesünder leben. Immer dann wird das Vorsorgeprinzip ins Spiel gebracht. Nur auf ihre eigene Politik wollen sie es nicht anwenden lassen, obwohl es dort tatsächlich am dringendsten erforderlich wäre.

Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Ross: Ich möchte darauf zu sprechen kommen, wie die Verfügbarkeit von Energie das Leben der Menschen verändert hat. Man denke dabei nur an Deutschland, wo inzwischen jeweils 10 Gigawatt Sonnen- und Windenergiekapazität installiert ist und die Strompreise nach meinen letzten Informationen bei etwa 29 Cent pro kWh liegen – etwa drei- bis fünfmal höher als der typische Strompreis in den USA. Es ist absehbar, welche Einschränkungen erforderlich sein werden, wenn diese Politik fortgesetzt wird. Was kann man in einer Volkswirtschaft anfangen, die über keine Energie verfügt?

Internationale Klimaschutzorganisationen fördern Projekte wie diese Wassertretmühle in Asien. Im 19. Jahrhundert waren die berüchtigten Tretmühlen Zwangsarbeit in Gefängnissen und Armenhäusern. Bild: Wikimedia Commons

Driessen: Die Möglichkeiten in einer Volkswirtschaft ohne Energie sieht man an vielen afrikanischen Ländern, wo die Menschen praktisch nichts haben. Sie leben immer noch in den Hütten, in denen sie schon seit Jahrhunderten oder Jahrtausenden gelebt haben. Sie kochen und heizen mit Holz, Holzkohle und Tierdung. Sie binden sich ihre Babys und Kinder auf den Rücken, wo diese den gleichen schmutzigen Rauch von den Feuerstellen einatmen müssen. Millionen von Menschen sterben dort jedes Jahr an Lungenentzündungen. Weitere Millionen von Menschen sterben an unreinem Trinkwasser und verdorbenem Essen – und das nur, weil die Energie fehlt – verläßliche, bezahlbare, ausreichende, kohlenstoffbasierte Energie, von der wir selbst profitieren.

Noch einmal kurz zurück zu Deutschland. Die 29 Cent pro kWh, von denen Sie sprechen, sind der subventionierte Preis. Läßt man die Subventionen weg, sind das eher 55 oder 60 Cent pro kWh, verglichen mit 5 Cent pro kWh in West Virginia, wo derzeit 95 % des Stroms mit Kohle erzeugt wird. Die Kohle wird in Kraftwerken verfeuert, die Filter haben; deswegen ist die Verschmutzung nur sehr gering. Was man aus den Schornsteinen herauskommen sieht, ist Wasserdampf und Kohlendioxid, wobei nur daran erinnert sei, daß der Wasserdampf als Regen niederfällt und Kohlendioxid ein Pflanzendünger ist.

Nichts auf dem Planeten Erde, eingeschlossen wir Menschen und die Bäume überall, wären ohne Kohlendioxid hier. Je mehr davon wir in der Atmosphäre haben, desto besser, schneller und robuster wachsen Pflanzen und Feldfrüchte.

Eine solargetriebene Wasserpumpe in Marokko. Kann man mit solchen niederenergetischen Anlagen eine moderne Industrienation aufbauen? Bild: Wikimedia Commons

Alle diese Dinge müssen in Betracht gezogen werden, wenn man den Ländern in Afrika sagt, wie es Präsident Obama getan hat, daß wir ihnen keine Kredite oder Hilfen zum Bau fossiler Kraftwerke gewähren werden, sondern daß sie sich mit Wind- und Sonnenenergie zufrieden geben müßten, die viel kostspieliger sind. Damit bekommt man Energie – wenn sie überhaupt verfügbar ist – nicht dann, wenn man sie braucht. Im Grunde heißt das: Montiert eine Solarzelle auf eure Hütte, um einen Minikühlschrank, eine Glühbirne und eine Ladestation für euer Handy zu betreiben; das ist alles, was wir euch an Entwicklung zugestehen. Oder es gibt eine Windturbine für das Dorf, doch damit bekommt man wieder nur Energie, wenn sie verfügbar ist, nicht, wenn man sie braucht. Mit dieser Politik werden die Menschen auf absehbare Zeit in diesem elenden Zustand gehalten. Ich finde das unmenschlich, ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit und einfach unmoralisch. Wir dürfen das nicht zulassen.

Die Pariser Umweltkonferenz

Ross: Auf der politischen Seite wird Ende des Jahres in Paris eine weitere Klimakonferenz stattfinden, auf der alles daran gesetzt werden soll, eine Vereinbarung zur Reduzierung der CO2-Emissionen zu erreichen. Was halten Sie von der bevorstehenden Tagung?

Driessen: Aus amerikanischer Perspektive wird es wohl vor allem darum gehen, nicht nur eine Vereinbarung, nicht nur ein kleines Stück Schmierpapier, sondern einen richtigen Vertrag zu erreichen. Wenn es nach dem Willen von Präsident Obama geht, soll es eine bindende Verpflichtung zwischen den Vereinigten Staaten und anderen Ländern und mit den Vereinten Nationen geben – etwas, das von allen diesen verschiedenen Ländern erarbeitet und abgestimmt ist.

Das bedeutet, daß dafür eine Zweidrittelmehrheit im US-Senat erforderlich ist —- nicht zwei Drittel ablehnender, sondern zwei Drittel zustimmender Stimmen. Ich glaube nicht, daß es jemals dazu kommen wird, und ich meine, wir sollten die Welt wissen lassen, daß die Vereinigten Staaten keinem Vertrag beitreten, der uns bindet und vorschreibt, unseren Energieverbrauch, unsere CO2-Emissionen und unseren Lebensstandard zurückzufahren, um das Klimakartell und die Klimakrisenindustrie zufriedenzustellen.

Ich denke, es gibt auch zahlreiche Länder, die einen solchen Vertrag nur deswegen unterschreiben werden, weil sie meinen, sie könnten sich dadurch einen Anteil an einem jährlichen 100-Mrd.-$-Vermögenstransfer aus den entwickelten Ländern sichern. Ich nenne sie lieber „ehemals entwickelte Länder”, weil wir unsere Wirtschaft mit dieser technik- und energiefeindlichen Politik bereits weitgehend in Stücke geschlagen haben. Ich glaube im übrigen nicht, daß diese Gelder fließen werden, aber diese Länder gehen davon aus, und das ist der Hauptgrund, warum sie ein Abkommen wie dieses unterschreiben würden. Sie wollen dieses Geld für die Minderung und Anpassung an den Klimawandel bzw. als Reparationszahlung, wie sie es nennen.

Aber selbst wenn das Geld oder Teile davon kämen, sollten die Menschen in den Entwicklungsländern, die jetzt unter der Verweigerungspolitik für den Bau fossiler Kraftwerke leiden, wissen, daß es nicht der normale Bürger in diesen Ländern ist, der etwas von dem Geld sieht. Das Geld landet letztlich in den Taschen und auf den Schweizer Bankkonten der herrschenden Elite. Der normale Bürger geht leer aus. Vielleicht reicht es, wie gesagt, für einen Sonnenkollektor auf dem Hüttendach, doch die Menschen werden weiter in Elend leben und jung sterben und an den gleichen Krankheiten leiden, gegen die sie jeden Tag ankämpfen. Deswegen glaube ich nicht, daß dies ein gutes Geschäft ist.

So wie die Dinge liegen, werden es außerdem nur Länder wie die Vereinigten Staaten sein, die gehalten sein werden, ihren Energieverbrauch, ihre CO2-Emissionen und ihren Lebensstandard zurückzufahren. Hingegen werden Länder wie China, Indien und Indonesien und im Grunde alle anderen Länder weiter jede Woche oder noch schneller ein neues Kohlekraftwerk bauen, und die CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre wird weiter ansteigen. Selbst wenn man davon überzeugt ist, daß das Kohlendioxid an die Stelle der ungeheuer komplexen, miteinander zusammenhängenden, starken Naturkräfte getreten ist, die den Klimawandel seit den Anfängen der Erde und während der gesamten Menschheitsgeschichte bestimmen – selbst wenn man davon überzeugt ist, wird das CO2 in der Erdatmosphäre weiter zunehmen, und alles, was die Vereinigten Staaten tun werden, hat keinerlei Auswirkung auf das Erdklima.

Die Uhr zurückdrehen

Ross: Ich möchte auf Ihre Aussage über die Unmoral dieses Vorgehens zurückkommen, wenn man den Ländern sagt, sie dürften sich nicht entwickeln. Ein Bereich menschlichen Denkens, in dem sich die Vorstellungen über die Rolle des Menschen in der Natur, d. h. seine menschliche Identität, ausdrücken, ist die Religion. Martin Palmer, ein Berater von Prinz Philip, bemüht sich seit 1986 darum, eine Allianz aus Naturschutz und Religion zu bilden, damit die Weltreligionen endlich akzeptieren, daß der Mensch nicht die Krone der Schöpfung sei, sondern nur ein unwichtiges Lebewesen unter vielen. Er räumte allerdings ein, daß diese Vorstellung im Judentum, Christentum und Islam auf Schwierigkeiten stieße.

Er nahm sich vor allem das Christentum vor, worin das Göttliche und das Menschliche miteinander vermischt würde und das der Idee anhinge, die Menschheit sei eine schöpferische Kraft. Nicht zufällig scheinen Religion und Klimawandel darin verbunden zu sein, daß unter den Klima-Panikmachern eine beinahe religiöse Überzeugung darüber herrscht, wie viele Menschen auf der Erde leben können, was unsere Identität als Menschen zu sein hat und was wir zu besitzen verdienen. Können Sie etwas dazu sagen?

Driessen: Unbedingt. Im Grunde versuchen Palmer und viele andere – leider hat sich sogar Papst Franziskus in diesen Strudel hineinziehen lassen –, die jüdisch-christliche Religion, aber auch andere Glaubensrichtungen dazu zu bringen, zur Verehrung von Gaia als Mutter Erde und der Naturals eigener Gottheit zurückzukehren. Sie verwerfen die christliche und jüdische Lehre, daß der Mensch die Aufgabe habe, die Erde und Gottes Schöpfung verantwortlich zu verwalten und die irdischen und göttlichen Reichtümer zu nutzen, um das Schicksal der Menschen und die gesamte Umwelt zu verbessern.

Schaut man ein paar Jahrhunderte zurück oder sieht sich in Ländern der Dritten Welt um, findet man kaum noch Wälder. Man sieht Zerfall und Verschmutzung, und Wasser und Luft sind mit Krankheitserregern durchsetzt. Man sieht, wie die Menschen immer noch im Alter von 35 oder 45 Jahren sterben, und nicht mit 75 oder 85 wie bei uns, denn sie verfügen nicht über die Technologien, die wir entwickelt haben und die in den USA und Europa zum täglichen Leben gehören.

Man versuche sich einmal ein Leben vorzustellen ohne Elektrizität, erschwinglich und für jeden Bedarf verfügbar, für moderne Smartphones, Laptops usw. Wieviel Energie ist erforderlich, um diese Geräte nicht nur aufzuladen – das ist lächerlich wenig –, sondern um die gesamte Infrastruktur, die Server usw. zu betreiben? Die gesamte Wissensbasis, die jeden Tag in dieses Telefon einfließt, ist ungeheuer. Das geht nicht mit Wind- oder Sonnenkraft.

Selbst die Spitzenwissenschaftler von Google haben nach einigen Jahren des Forschens schließlich zugegeben, daß man fossile Brennstoffe braucht und daß Wind und Sonne nicht ausreichen, um auch nur die Google-Technologie zu betreiben. Und wie sollten unsere Krankenhäuser, unsere Fabriken, unsere kleinen Gewerbebetriebe, unsere Einkaufszentren, unsere Schulen und Häuser nur mit Sonne und Wind funktionieren?

Es sei daran erinnert, daß die gleichen Leute, die fossile Brennstoffe ablehnen, die jede kohlenstoffbasierte Energie hassen und voll auf den Klimawandel abfahren, auch die Kernkraft und die Wasserkraft verabscheuen, also alles, was eine verläßliche und erschwingliche Energieversorgung sicherstellen könnte. Sie wollen die Energie für sich selbst, aber sie wollen nicht, daß andere sie nutzen.

Welche knappen Ressourcen?

Ross: Gehen uns die Ressourcen aus? Müssen wir irgend etwas in dieser Richtung fürchten?

Driessen: Wenn man sich auf unserem großen Planeten umschaut, stellt man fest, daß uns noch gar nichts ausgegangen ist. [Der Katastrophentheoretiker] Paul Ehrlich hat einmal mit [dem Ökonomen] Julian Simon eine berühmte Wette abgeschlossen darüber, wie sich der Preis einiger Rohstoffe, die Ehrlich selbst wählen konnte, über einen längeren Zeitraum entwickeln würden. Simon sagte, die Preise würden fallen, Ehrlich sagte, sie würden steigen. Ehrlich verlor die Wette, denn der Preis jedes einzelnen Rohstoffs war gefallen, weil effektivere Möglichkeiten zu seinem Auffinden und Abbau gefunden wurden.

Oder nehmen wir das Fracking, die Revolution des Hydraulic Fracturing. Wer hätte jemals davon geträumt, daß die Vereinigten Staaten einmal die Nummer Eins unter den gasproduzierenden Ländern und fast die Nummer Eins unter den ölproduzierenden Ländern der Welt sein würden – und das nach all den Verrücktheiten der 70er Jahre mit dem OPEC-Ölembargo und den Aussagen von Präsident Carter, wir müßten unseren Verbrauch fossiler Brennstoffe einschränken, da uns sonst eine Umwelt- und Ressourcenkrise drohe? Nein, wir haben schrecklich viele von diesen Rohstoffen, im Gegensatz zu dem Gerede um ein Ölfördermaximum („peak oil”) und dem Versiegen der Ressourcen in ein paar Jahren. (Nur nebenbei, der Geologische Dienst der USA hat ursprünglich behauptet, das Erdöl werde 1923 ausgehen. Das heißt, die Frage begleitet uns schon seit längerem.)

Die Vorstellung, wir hätten das Ölfördermaximum erreicht, ist durch die Fracking-Revolution völlig über den Haufen geworfen worden. Das ist der eigentliche Grund, warum die Umweltschützer das Fracking nicht mögen. Das Ölfördermaximum ist neben Klimakrise, Umweltverschmutzung und Vorsorgeprinzip die Hauptsäule der Umweltbewegung. Eine davon ist ihnen gerade unter den Füßen weggeschlagen worden, was zeigt, daß Rohstoffe zuerst eine Sache des menschlichen Geistes sind. Öl findet man zuerst im Geist des Forschers.

Julian Simon hat immer den schöpferischen, innovativen Geist des Menschen als die ultimative Ressource bezeichnet. Um Ressourcen zu erschließen, um erschwingliche, zuverlässige und reichliche Energie zu erzeugen, ist unser schöpferischer Geist die ultimative Ressource. Die Steinzeit ging nicht zuende, weil es keine Steine mehr gab, und die Bronzezeit ging nicht zuende, weil es keine Bronze mehr gab.

Somit ist das ganze Konzept von Nachhaltigkeit als politische Ideologie einfach dumm und unbrauchbar. Es dient nur als weiteres Instrument, um Menschen herabzuwürdigen und sie daran zu hindern, ihren Lebensstandard und ihr Wohlbefinden zu verbessern.

Farbe bekennen

Ross: Wie war es angesichts all der Probleme mit Nachhaltigkeit, Umweltschutz und grüner Energieversorgung möglich, daß sich diese Ideologie breitmachen konnte? Was fehlt im Verständnis der Menschen, so daß diese Entwicklung möglich wurde?

Driessen: Was meiner Ansicht nach fehlt, ist das, worüber die eingefleischten Umweltschützer nicht reden wollen, nämlich das Wissen über die wirklichen Folgen ihrer Politik und Ideologien und der Vorschriften, die sie uns auferlegen, für die Menschen und die Umwelt.

Für mich heißt das, wir müssen Farbe bekennen und dürfen uns nicht mundtot machen lassen. Diese unbequemen Fragen müssen ausgesprochen werden, und man muß die anderen zwingen, sich damit zu beschäftigen. Al Gore will mit niemandem über den Klimawandel debattieren. Er beantwortet bei seinen kurzen Vorträgen über Klima keine Fragen, denen er nicht vorher zugestimmt hat. Hillary Clinton lehnt jedes Interview hierüber ab. Barack Obama reagiert sehr gereizt und spitz, wenn jemand ihm eine schwierige Frage stellt. Man sieht dies in der gesamten Umweltbewegung, bei der UNO, bei Michael Mann, bei allen, die die Alarmglocken über Nachhaltigkeit, Klimawandel und die Transformation des Weltwirtschaftssystems rühren, auch bei Cristiana Figueres, der Leiterin der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen – sie alle wollen nicht über die unbequemen, ärgerlichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit reden, die ich anspreche.

Man darf darin nicht nachlassen. Man muß die Geschichten der Menschen erzählen, deren Leben zerstört wird, deren Kinder sterben, die selbst umkommen, weil ihnen von diesen Killern weisgemacht wird, sie bräuchten keine Energie, keine Insektizide, keine Düngemittel, keine Gentechnik. Das sind alles segensreiche Technologien. Natürlich können Technologien auch mißbraucht werden, und es passieren Unfälle, aber soll man diese Technologien nur deswegen einfach abschaffen oder mit was auch immer ersetzen?

Ich denke, in der UNO und den Umweltbehörden sollte ein wirkliches Großreinemachen stattfinden. Die Menschen müssen wissen, was aus der Umweltbewegung geworden ist.

Ich glaube, es bleibt viel zu tun. Aber ich freue mich über Ihre Arbeit und daß wir so die Möglichkeit haben, aufzustehen und Farbe zu bekennen.

Ross: Paul Driessen, vielen Dank

Driessen: Danke, Jason.

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