Steht der Kra-Kanal vor seiner Realisierung?

Das Potential für den Bau eines Kanals durch den Isthmus von Kra – wahlweise Kra-Kanal oder auch Thai-Kanal genannt – ist infolge einer hocherfolgreichen Konferenz, die am 11. September 2017 in Bangkok stattfand, stark gewachsen. Sie trug den Titel „Technologie für nachhaltige Wege in Thailands Zukunft – der Thai-Kanal: eine umfassende Studie alternativer Logistiksysteme für die Maritime Seidenstraße“. Die Konferenz ist der jüngste Höhepunkt einer seit nunmehr 35 Jahren andauernden Kampagne wissenschaftlicher und politischer Institutionen aus aller Welt für das Projekt. An der Spitze dieser Kampagne stehen in Thailand vor allem der heutige Vorsitzende der Kra-Kanal-Studiengruppe, Pakdee Tanapura, und weltweit die LaRouche-Bewegung. Die Konferenz zeigte, daß es in Thailand (auch wenn die Regierung es noch nicht formell beschlossen hat) und in anderen Ländern Eurasiens sehr beachtliche Unterstützung für das Projekt gibt.

Die Idee, einen Kanal durch die Landenge von Kra im Süden Thailands zu bauen, beschäftigt visionäre Denker schon seit Jahrhunderten. Anfang der 1980er Jahre wäre sie beinahe schon verwirklicht worden, als politische Mitstreiter von Lyndon LaRouche, thailändische Regierungsvertreter, wissenschaftliche Institutionen der Vereinigten Staaten, den Global Infrastructure Fund des japanischen Mitsubishi-Konzerns und führende Vertreter fast aller Länder der Region (außer China und Singapur) für diese Idee einer Kanalverbindung zwischen dem Pazifischen und Indischen Ozean gewannen und zwei große Konferenzen zu dem Projekt organisierten (Abbildung 1).

Abbildung 1. Lyndon LaRouche sprach am 27. Oktober 1983 in Bangkok bei der Konferenz über die Entwicklung der Regionen am Pazifik und am Indischen Ozean. Rechts neben ihm Pakdee Tanapura, der sich noch heute für den Bau des Kra-Kanals einsetzt. Quelle: EIRNS

Aber das Britische Empire hat in der Geschichte immer wieder interveniert, um den Bau des Kra-Kanals zu verhindern, aus zwei Gründen: Zum einen, weil die Briten die strategische Kontrolle über den Asienhandel mit ihrem kolonialen Außenposten am Nadelöhr Singapur behalten wollen, vor allem aber, weil dieses Projekt die Zusammenarbeit der asiatischen Nationen bei der wirtschaftlichen Entwicklung und damit den Widerstand gegen das imperiale Diktat des Westens fördern würde – etwas, was das Empire panisch fürchtet und unbedingt verhindern will.

Die finanziellen und politischen Krisen der 90er Jahre, die von den britischen Finanzinteressen und ihren Handlangern wie George Soros herbeispekuliert wurden, verhinderten damals auch die Realisierung des Kra-Kanals. Aber nun erlebt die Welt einen globalen revolutionären Wandel, und das Empire, zu dem auch die amerikanischen Marionettenregierungen unter Bush und Obama gehörten, steht vor seiner Auflösung. Ein neues Paradigma bildet sich heraus, mit China im Mittelpunkt, das Rußland, Indien, Südostasien und vielleicht bald die ganze Welt in die Entwicklungsperspektive der Neuen Seidenstraße („Gürtel und Straße“) des chinesischen Präsidenten Xi Jinping einbindet.

In ganz Süd- und Südostasien spürt man bereits die Wirkung von Chinas „Maritimer Seidenstraße für das 21. Jahrhundert“ (siehe Abbildung 2), die Xi 2013 in einer Rede vor dem indonesischen Parlament vorstellte. Die Nationen am Südchinesischen Meer, an der Malakka-Straße, an dem Anamanischen Meer sowie über den Neuen Suezkanal auch die Nationen am Mittelmeer werden damit in eine völlig neue wirtschaftliche und politische Geometrie eingebunden, die auf den schnellen Ausbau der Infrastruktur ausgerichtet ist.

Abbildung 2. Der Kra-Kanal ist eine wichtige Verbindung im Rahmen der „Maritimen Seidenstraße des 21. Jahrhunderts“. Quelle: Thai Chinese Cultural and Economic Association

Allerdings fehlte in dieser Geometrie bisher noch der entscheidende Umschlagsplatz, wie ihn das Potential des Kra- Kanals verkörpert. Nun steht dieses Potential kurz vor der Realisierung, da sich ganz Asien immer mehr dem Griff des anglo-amerikanischen Empires entzieht und jetzt im eigenen Interesse eine für alle vorteilhafte „Win-Win-Entwicklung“ vorantreibt. Gleichzeitig sind jetzt auch maßgebende politische Kräfte in Thailand in der Lage, das Projekt in Gang zu bringen.

Thailands strategisches Erbe

Anfang Januar veröffentlichte das Beratungsunternehmen Lexnova Consultant Co. Ltd. das Buch (in thailändischer Sprache) Der Kra-Kanal: Thailands strategisches Erbe. Einer der Hauptautoren des Buches ist Pakdee Tanapura, langjähriger EIR-Korrespondent in Bangkok und Vorstandsmitglied und Internationaler Direktor des Exekutivkomitees für das Studium des Kra-Kanals. Weitere Autoren sind:

  • General Thawatchai Samutsakorn, Mitglied des Nationalen Reformrates, eines Beirats der Regierung, der Vorschläge für die Politik der Übergangsregierung unter dem früheren General Prayut Chan-ocha und für eine neue Verfassung ausarbeitet;
  • General Pradit Boonkerd, Vorstandsmitglied der Stiftung des Generals Prem Tinsulanonda (Prem ist Vorsitzender des Kronrats);
  • Admiral Suphakorn Kunnadilok, früherer Kommandeur der Flotten der königlich-thailändischen Marine;
  • Dr. Surin Dulwatanachit, stellv. Vorsitzender des Thailändisch-Chinesischen Kultur- und Wirtschaftsverbands.

Diese sehr einflußreiche Gruppe hat sich zu einem günstigen Zeitpunkt zusammengefunden. Erstens hat Thailand einen neuen König, und alles deutet darauf hin, daß dieser das Projekt unterstützt. Der bisherige Kronprinz Vajiralongkorn bestieg am 1. Dezember 2016 offiziell den Thron, nachdem sein Vater, König Bhumibol, im Oktober nach 70jähriger Regierungszeit verstorben war. Mehrere Mitglieder des neuen Kronrates von König Vajiralongkorn, darunter auch dessen Vorsitzender Prem Tinsulanonda, setzen sich für das Projekt des Kra-Kanals ein. Die Übergangsregierung unter Premierminister Prayut hat zwar zu verstehen gegeben, daß sie das Projekt in ihrer Amtszeit noch nicht aufgreifen will, aber die Unterstützung des Königshauses könnte das ändern. Und auf jeden Fall stehen im kommenden Jahr Wahlen an.

Von der ersten Auflage des Buches über den Kra-Kanal wurden 10.000 Exemplare gedruckt und 6500 bereits verkauft; davon werden 5000 Exemplare an führende Institutionen und Persönlichkeiten im Land verteilt.

Noch wichtiger für die Perspektive des Kra-Kanals ist, daß die imperiale anglo-amerikanische Politik des „Teile und Herrsche“ in Asien rapide an Einfluß verliert. Bisher waren unter dieser Strategie die asiatischen Länder in feindliche Blöcke geteilt, wobei die USA mit ihren Verbündeten, insbesondere den Philippinen, Japan, Südkorea und Australien, darauf abzielten, China und Rußland militärisch und wirtschaftlich einzukreisen. Aber angesichts der Aussicht, sich an Chinas erfolgreicher Entwicklungsperspektive zu beteiligen, bricht dieser Block zunehmend auseinander:

  • Die Philippinen unter ihrem neuen Präsidenten Rodrigo Duterte weisen die Idee einer Beteiligung an einer militärischen Konfrontation mit China vehement zurück und bitten im Gegenteil China und Rußland um Unterstützung beim Wiederaufbau der verfallenden Wirtschaft des Landes und im Krieg gegen den Drogenhandel.
  • Japans Ministerpräsident Shinzo Abe hat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin eine enge Zusammenarbeit in Form umfangreicher gemeinsamer Anstrengungen zur wirtschaftlichen Entwicklung des russischen Fernen Ostens vereinbart und gleichzeitig den Weg zu einer Beilegung der territorialen Streitigkeiten aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs abgesteckt.
  • Südkoreas Präsidentin Park Geun-hye, die ihre ursprüngliche Eurasische Initiative aufgab und Präsident Obamas Forderung erfüllen wollte, in ihrem Land das Raketenabwehrsystem THAAD zu stationieren, was eine offene Provokation Rußlands und Chinas wäre, wurde nach einem Korruptionsskandal abgesetzt.
  • In den letzten Jahren blickt auch Thailand, das einst der wichtigste militärische Stützpunkt der Vereinigten Staaten für den blutigen und selbstzerstörerischen Indochinakrieg war, in Bezug auf seine Infrastrukturentwicklung, die von den Vereinigten Staaten niemals unterstützt wurde, zunehmend nach China. China baut nicht nur eine Eisenbahnverbindung von der laotischen Grenze nach Bangkok und zu den großen Häfen südöstlich davon, ein chinesisches Unternehmen hat auch eine Machbarkeitsstudie für den Kra-Kanal erstellt.

Der Nutzen des Kra-Kanals

Auf der englischsprachigen Internetseite des Thailändisch-Chinesischen Kultur- und Wirtschaftsverbandes ist dargestellt, welche umfassenden Vorteile der Kra-Kanal der ganzen Welt brächte. In Thailand selbst würden besonders die südlichen Provinzen profitieren. Sie sind die ärmsten des Landes und leiden unter der terroristischen Bedrohung durch die von Saudi-Arabien unterstützten Wahabiten-Netzwerke unter der dortigen muslimischen Bevölkerung. Der Kanal und die Häfen und Industrieparks an seinen beiden Endpunkten würden dieser Region Arbeitsplätze und Wohlstand bringen und so auch dazu beitragen, das Land zu einen.

Für Asien insgesamt wäre der Kanal ein wesentlicher Umschlagsplatz für den schnell wachsenden Handel und die Zusammenarbeit zwischen China und Indien, ebenso wie zwischen Japan, Korea und ganz Ostasien auf der einen und Indien, Südwestasien und Afrika auf der anderen Seite. Für die Welt als ganze wird die wachsende zentrale Rolle Asiens im Welthandel und in der Entwicklung der Weltwirtschaft dafür sorgen, daß die Vorteile des Kra-Kanals überall zu spüren sein werden.

In den 80er Jahren kam die wichtigste Unterstützung für das Kanalprojekt vom Global Infrastructure Fund des japanischen Mitsubishi-Konzerns, der die Idee auch heute noch unterstützt. Aber inzwischen ist China zur wirtschaftlichen und politischen Großmacht aufgestiegen, Xi Jinpings „Gürtel- und Straßen-Initiative“ verändert die Welt zunehmend, und China zeigt beträchtliches Interesse am Kra-Kanal als einem potentiellen Knotenpunkt seiner „Maritimen Seidenstraße für das 21. Jahrhundert“.

Daisuke Kotegawa, ein früherer hoher Beamter des japanischen Finanzministeriums und früherer Vertreter Japans im Direktorium des Weltwährungsfonds, der jetzt beim Canon-Institut in Tokio arbeitet, ist ein entschiedener Unterstützer des Projektes. Er betont, daß das Projekt Japan und China (wie auch anderen) gleichermaßen nützen würde und es daher in ihrem beiderseitigen Interesse wäre, bei der Finanzierung und dem Bau des Kanals mit Thailand zusammenzuarbeiten. Dies würde gleichzeitig auch dazu beitragen, Vertrauen zwischen den beiden größten asiatischen Volkswirtschaften zu schaffen und die Spannungen zwischen beiden Ländern, die noch aus den historischen Auseinandersetzungen im 20. Jahrhundert und dem Zweiten Weltkrieg herrühren, zu überwinden. Die Asiatische Entwicklungsbank (Asian Development Bank, ADB), deren Präsident ein Japaner und deren Vizepräsident ein Chinese ist, arbeitet schon jetzt bei gemeinsamen Projekten mit der kürzlich auf chinesische Initiative gegründeten Asiatischen Infrastruktur-Investitionsbank (AIIB) zusammen. Wenn Thailand beide Banken bitten würde, sich an der Finanzierung des Projektes zu beteiligen, dann würde dies den Prozeß des Aufbaus von Vertrauen und Frieden in ganz Asien enorm fördern.

Das neue Paradigma

Es gibt heute keine wichtigere Aufgabe auf der Welt als die, die Vereinigten Staaten in eine solche Partnerschaft mit Rußland und China zu führen, sowohl gegen die Bedrohung durch die anglo-saudisch gesteuerten Dschihad-Terroristen als auch bei der wirtschaftlichen Entwicklung im neuen Paradigma der „Win-Win-Kooperation“ in aller Welt, wie sie China mit der Initiative der Neuen Seidenstraße angestoßen hat.

Lyndon LaRouche, der 1983 und 1984 Hauptredner der beiden Konferenzen in Bangkok über den Kra-Kanal war, wurde 2014 vom Magazin Fortune Times aus Singapur zum Kra-Kanal interviewt. In diesem Interview sagte LaRouche:

„Man unterteile die Seeregion Ost- und Südasien in drei Hauptkategorien: China – ein Riese; Indien – ebenfalls ein Riese; sowie die heutigen Schiffahrtsverbindungen durch die Küstenregionen Südostasiens. Dazu betrachte man die Auswirkungen dieses Dreiecks maritimer und verwandter Verbindungen auf die realwirtschaftlichen Beziehungen zu Nord- und Südamerika, zum Mittleren Osten und Afrika. Man versteht dann, daß der Bau des Kra-Kanals nicht nur durchaus machbar ist, sondern daß er von strategischer Bedeutung für die politische Ökonomie des ganzen Planeten ist“ (vgl. Abbildung 3).

Abbildung 3. Der Kra-Kanal würde dem Schiffsverkehr zwischen dem Indischen und dem Pazifischen Ozean deutliche Zeitgewinne bringen. Quelle: Thai Chinese Cultural and Economic Association

LaRouche erklärte weiter, die Widerstände in Asien gegen das Kanalprojekt kämen vor allem aus Singapur, und der eigentliche Ursprung dieser Widerstände liege in den globalen militärstrategischen Interessen des Britischen Empires. Er fuhr jedoch fort:

„Allein schon aufgrund des Volumens des Seehandels zwischen diesen beiden großen Nationen Asiens [China und Indien] und den Schiffahrtsregionen Südasiens handelt es sich hier um das potentiell nützlichste und auch effektivste Projekt für die gesamte pazifisch-indische Region und parallel dazu für die Entwicklung der großen Regionen des Planeten Erde. Wasser ist immer noch der wirtschaftlichste Verkehrsweg für den Gütertransport zwischen den verschiedenen Regionen des Planeten.“

In Bezug auf Singapur sagte LaRouche:

„Wenn Singapur von den britischen strategischen Interessen befreit wäre, würde es auch selbst weit mehr Nutzen aus dem Erfolg der Wirtschaftsentwicklung durch den Kra-Kanal ziehen als aus irgendeiner Wirtschaftsentwicklung ohne den Kanal.“

2015 erklärte LaRouche in einem anderen Kontext gegenüber Mitarbeitern:

„Mit der Fertigstellung des Kra-Kanals, zusätzlich zum Ausbau des Suezkanals, wird es keine Trennung mehr zwischen den atlantischen und den pazifischen Volkswirtschaften geben. China und Indien werden stark von diesen beiden Kanalprojekten profitieren, zusammen mit den kleineren Nationen entlang der Küsten Südostasiens. Das müssen wir energisch vorantreiben! Es wird den geopolitischen Spielchen der Briten in der eurasischen Region ein Ende setzen. Es wird den wirtschaftlichen Charakter der ganzen Welt verändern.“

Australien werde unter massiven Druck geraten, die britische Sabotage nicht länger mitzumachen, und „Australiens Mitwirkung [an der Entwicklungsperspektive] wird die britischen Machtspiele mit den maritimen Engpässen, die die Umsetzung der tatsächlichen Aussichten für die wirtschaftliche Integration und die enorme Steigerung von Handel und Entwicklung bisher verhindert haben, noch weiter schwächen“.

Das LaRouche-Aktionskomitee hat 2013 ein 41minütiges englischsprachiges Video über den Kra-Kanal produziert und auf seiner Internetseite veröffentlicht, das seit seiner Veröffentlichung 23.000 mal angesehen wurde.

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