Derzeit entscheidet sich, ob der Weltraum zum erweiterten Kriegsschauplatz geopolitischer Interessen wird, oder ob es gelingt, außerhalb der Erde eine ehrliche partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen allen Nationen der Welt aufzubauen.
Wenn es nach den Neocons in den USA ginge, nach deren Pfeife Präsident Donald Trump offensichtlich tanzt, dann wird es auch im Weltraum bald Krieg geben. Laut der neuen im April 2025 veröffentlichten Doktrin „Space Force Doctrine Document 1“ der US-Weltraumstreitkräfte streben die USA eine strategische Wende hin zur aktiven Kriegführung im Weltraum an. Der Kommandeur für Weltraumoperationen, General B. Chance Saltzman, betont in der Einleitung des Dokuments, dass der Weltraum ein Kriegsgebiet sei und die Space Force die militärische Überlegenheit in diesem Bereich sicherstellen müsse.
Die Doktrin betont vor allem die „Überlegenheit im Weltraum“ (space superiority), ein Begriff, der in dem Dokument mindestens ein Dutzend Mal auftaucht. „Die Space Force wird alles tun, um die Überlegenheit im Weltraum zu erreichen,“ erklärte Saltzman auf dem US-amerikanischen Kriegsführungssymposium des Luft- und Weltraumstreitkräfteverbands (AFA) am 3. März 2025. „Wir bieten nicht nur Unterstützung an, sondern setzen militärische Schlagkraft ein, um im Weltraum Überlegenheit zu erlangen und unsere Handlungsfreiheit zu sichern.“ Die Aufgabe der Weltraumstreitkräfte sei es, sich „zu organisieren, auszubilden und auszurüsten“, sie sei „auch für die Durchführung von Kampfeinsätzen im Weltraum verantwortlich“.

Nur drei Monate später, am 31. Juli 2025, ging von einem Treffen zwischen der amerikanischen und russischen Weltraumorganisation in Texas ein völlig anderes Signal für zukünftige Zusammenarbeit im Weltraum aus. Der Leiter der russischen Weltraumbehörde Roskosmos, Dmitri Bakanow, und der amtierende NASA-Administrator Sean Duffy diskutierten laut einer Erklärung von Roskosmos über „die Zukunft der Internationalen Raumstation, die Zusammenarbeit bei Mondprogrammen, die gemeinsame Erforschung des Weltraums und die Fortsetzung der Zusammenarbeit bei anderen Weltraumprojekten“. Außerdem wurde Duffy zu einem Besuch in Russland eingeladen.
Diese Perspektive ist nicht nur bedeutend für eine neue vertiefte Zusammenarbeit im Weltraum, sie wäre auch dringend nötig für die USA selbst. Denn angesichts massiver weiterer Kürzungen des NASA-Budgets herrscht in der Raumfahrtgemeinschaft der USA derzeit eine ziemlich desolate Stimmung. Vor allem seit Ende der Space-Shuttle-Flüge und dann vor allem unter Obama wird die NASA immer weiter zusammengespart. Es kam zu regelrechten Massenentlassungen; allein am Kennedy Space Center gingen fast 8000 Jobs verloren. Statt dessen werden Privatunternehmen angelockt, um die ungenutzten Startrampen und leeren Hallen zu übernehmen. Nicht mehr die National Aeronautics and Space Administration (NASA), sondern die „freie Wirtschaft“ soll dafür sorgen, dass es in den USA mit der Raumfahrt – vor allem billiger – weitergeht. Die Zahl der aktiven Astronauten wurde um zwei Drittel reduziert: Anfang 2000 beschäftigte die NASA noch 149 aktive Astronauten, heute sind es nur noch 47 – keine sehr aufmunternde Lage für Astronauten und Raumfahrtingenieure bzw. Wissenschaftler.

Kann es gut gehen, wenn ein nationales Projekt wie die Raumfahrt plötzlich gewinnorientierten Spielregeln unterworfen wird?
Weltraumfahrt ohne hegemoniale Bestrebungen
Einen ganz anderen Weg in Sachen Weltraumforschung beschreitet China, das zusammen mit Russland und mehreren anderen BRICS-Ländern – wie in der Belt-and Road-Initiative – auf den Ausbau der Weltraumfahrt unter Beteiligung aller interessierten Nationen setzt. Insbesondere die Pläne für den Bau der chinesisch-russischen Internationalen Mondforschungsstation (ILRS) sind absolut optimistisch und zukunftsweisend. Schon 2017 wurde eine Beteiligung von Pakistan, Venezuela, Belarus, Aserbaidschan, Südafrika, Ägypten, Nicaragua, Thailand, Serbien, Senegal und Kasachstan an diesem Projekt ins Auge gefasst. Wie Wu Weiren, der Chefkonstrukteur des chinesischen Mondforschungsprogramms, 2025 offiziell erklärt hat, will China im Rahmen seines „555-Projekts“ 50 Länder, 500 internationale wissenschaftliche Forschungseinrichtungen und 5000 ausländische Forscher einladen, sich der ILRS anzuschließen.
Die „ILRS“ (International Lunar Research Station, 国际月球科研站, Международная научная станция) hat zum Ziel, eine wissenschaftliche Forschungsstation etwa 100 Kilometer vom Mond-Südpol entfernt zu errichten, wobei langfristige autonome Operationen und kurzfristige bemannte Missionen geplant sind.
„Die Station wird grundlegende Weltraumforschung betreiben und Technologien für den langfristigen unbemannten Betrieb der ILRS testen, mit der Aussicht auf die Anwesenheit eines Menschen auf dem Mond“, hieß es von russischer Seite.
China will in einer ersten Erkundungsphase zunächst Roboter und erste Infrastrukturkomponenten in der Südpolregion des Mondes stationieren. In der Konstruktionsphase sollen dann von Chinas Chang‘e-8-Mission im Jahr 2028 erste Teile verlegt werden. Ein Basismodell der Station soll bis etwa 2030 fertiggestellt sein. Nach Angaben der chinesischen Raumfahrtbehörde CNSA werde die Forschungsstation über einen langen Zeitraum autonom betrieben werden, mit kurzfristiger menschlicher Beteiligung.

Zwischen der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos und der CNSA wurde Anfang 2026 eine Kooperationsvereinbarung für das Projekt unterzeichnet. Wie die chinesische Behörde mitteilte, werden die Bauarbeiten an der dazugehörigen Infrastruktur in diesem Jahr beschleunigt in Angriff genommen: „2026 werden alle Anstrengungen unternommen, um den Bau der für Mondlandemissionen benötigten Anlagen und Ausrüstung am Weltraumbahnhof Wenchang in der Provinz Hainan voranzutreiben. Ebenso werden wir weitere Bodensysteme wie Telemetrie-, Ortungs-, Steuerungs- und Kommunikationssysteme sowie den Landeplatz errichten.“
Außerdem ist der Bau eines Kernkraftwerkes geplant, das Teil der geplanten ILRS-Mondbasis sein wird und Energie für die langfristige Erforschung und wissenschaftliche Untersuchung des Mondes liefern soll.
Die ILRS wird eine umfassende wissenschaftliche Experimentierbasis auf der Mondoberfläche bzw. in der Mondumlaufbahn schaffen. Erklärungen von Roskosmos und CNSA unterstreichen, dass das Projekt „für alle interessierten Länder und internationalen Partner offen“ sein werde.
Schon im März 2021 hatten China und Russland eine Absichtserklärung für die Zusammenarbeit beim Bau der Internationalen Mondforschungsstation unterzeichnet. Im September desselben Jahres führten Vertreter von Roskosmos und CNSA sowie Experten aus Deutschland, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Malaysia, Thailand und dem UN-Büro für Weltraumangelegenheiten weitere Gespräche über das Projekt. Im Juni 2023 schlossen sich zwei weitere Länder an, die Vereinigten Arabischen Emirate und Pakistan sowie die Asia-Pacific Space Cooperation Organization (APSCO), und im Juli 2023 kündigte das chinesische Deep Space Exploration Laboratory die Unterzeichnung einer Absichtserklärung mit dem Schweizer Unternehmen Nano-SPACE über eine Zusammenarbeit an dem Projekt Mondforschungsstation an.
Bedeutsam für eine mögliche Zusammenarbeit mit den USA ist, dass auch eine Absichtserklärung mit der in Hawaii ansäßigen gemeinnützigen Internationalen Mondbeobachtungsgesellschaft (International Lunar Observatory Association ILOA Hawai‘i, die bereits an der Chang‘e-3-Landemission teilgenommen hatte) für die Zusammenarbeit bei der ILRS-Initiative unterzeichnet wurde – trotz der von den USA im Wolf-Abkommen beschlossenen Einschränkungen.
Kommen sich Russland und USA näher?
Die russisch-chinesischen Pläne für echte partnerschaftliche Projekte könnten sich auch auf die Beziehungen zwischen Russland und Amerika auswirken. Zumindest ist es bereits zu dem oben erwähnten Treffen der Chefs von NASA und Roskosmos gekommen, bei dem der Weiterbetrieb der Internationalen Raumstation ISS erst einmal bis 2028 gesichert wurde. Zudem bekräftigten beide Seiten ihre Absicht, die Zusammenarbeit auch über die ISS hinaus fortzusetzen.

Während der Besuch in den Mainstream-Medien der USA kaum Beachtung fand, wurde er in den russischen Medien ausführlich behandelt. Es wurde an die Apollo-Sojus-Mission von 1975 erinnert, die den Beginn der Zusammenarbeit zwischen den USA und Russland im Weltraum markierte. RT kommentierte, es könnten noch weitere Gespräche über eine Fortsetzung der ISS bis 2035 und sogar über eine Zusammenarbeit bei einer ISS-2, möglicherweise sogar mit den BRICS-Staaten, geführt werden. Über den Geist der Zusammenarbeit, der sein Treffen mit Duffy geprägt habe, sagte Roskosmos-Chef Bakanow:
„Mein Amtskollege hat bei dem Treffen deutlich gemacht, dass wir trotz der schwierigen geopolitischen Lage die Beziehungen nicht abbrechen sollten, da sie für den sicheren Betrieb der Internationalen Raumstation und die Sicherheit unserer Kosmonauten im Orbit von entscheidender Bedeutung sind. Es geht vor allem um die gemeinsame Entwicklung von Technologien. Es ist leicht, Beziehungen abzubrechen, aber es wird nicht möglich sein, sie schnell wiederherzustellen.“
Die Tradition der ISS ist in der Tat ein Signal für den Frieden, denn mit ihrem Bau im Jahre 1998 begann eine neue Ära der Menschheit. Bis heute stellt die ISS die größte friedliche gemeinsame Unternehmung von 16 verschiedenen Staaten aus Ost und West dar, die zusammen den Weltraum erkunden und viele Forschungsprojekte gemeinsam durchführen wollten. Und sie war explizit als Sprungbrett in den Weltraum gedacht.
Von der „Mir“ zur ISS
In das ISS-Projekt hatte vor allem Russland sein Know-how aus dem Bau der Weltraumstation „Mir“ eingebracht, und es war eine russische Protonrakete, gebaut vom russischen Raumfahrtunternehmen Chrunitschew in der Nähe von Moskau im Auftrag der Firma Boeing, die am 20. November 1998 die ersten 20 Tonnen Nutzlast dieses Großprojektes in die Umlaufbahn gebracht hat.
Die ISS ist wie die Mir modular aufgebaut, d. h. sie besteht aus verschiedenen kleineren Elementen, sogenannten Modulen, die seit 1998 von Trägerraketen und Raumfähren in die Umlaufbahn gebracht und dort zusammengesetzt wurden.
Die NASA hatte bereits zu Beginn der 1960er Jahre, also lange vor der ersten Mondlandung, erste Ideen für eine dauerhaft bewohnte Weltraumstation entwickelt. Wernher von Braun wollte eine solche Station mit seinem Konzept als Sprungbrett für Mond- und Marsmissionen nutzen. Nach der Ermordung John F. Kennedys wurden die Pläne jedoch zurückgeschraubt. Um mit der Sowjetunion Schritt halten zu können, wandte man sich dem Bau von Raumstationen zu: Die Russen starteten bereits 1971 ihre erste Raumstation, Saljut 1. Im Jahr 1973 wurde daher die amerikanische Station Skylab gestartet, die insgesamt 171 Tage lang bewohnt war. Das Raumstationskonzept wurde dann jedoch nicht weitergeführt, sondern die USA wandten sich – wiederum aus Spargründen – der Entwicklung des Space Shuttles zu.
Die Sowjetunion entwickelte dagegen sechs weitere Saljut-Stationen und vor allem die modulare Raumstation Mir, die 1986 in die Umlaufbahn gebracht wurde. Mit ihr sammelte man bis 2001 umfangreiche Erfahrungen mit Langzeitflügen, auch in humanmedizinischer Hinsicht.
Bis zum Zerfall der Sowjetunion wurde die Mir nur von der Sowjetunion und den mit ihr verbundenen Ostblockstaaten genutzt. Es gab jedoch auch Kooperationen mit anderen Staaten. In den Jahren 1987 bis 1989 besuchten mit dem Syrer Muhammed Achmed Faris, dem Afghanen Abdul Ahad Mohmand und dem Franzosen Jean-Loup Chrétien die ersten nicht-sowjetischen Raumfahrer die Station. Im Rahmen der Mission Mir-Aragatz flogen, wie schon bei Saljut 7, ein Franzose, ein Japaner, eine Britin und ein Österreicher mit. Bei dieser Mission gelang der erste Weltraumausstieg mit Jean-Loup Chrétien und Alexander Alexandrowitsch Wolkow. Danach wurde die Mir von der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos weiterbetrieben, und es gab eine erfolgreiche internationale Kooperation mit westlichen Staaten und deren Raumfahrtagenturen, beispielsweise im Rahmen des Shuttle-Mir-Programms, bei dem russische Kosmonauten mit einem Shuttle zur Mir flogen.
Diese Erfahrungen flossen seit 1998 in den Bau der ISS ein, deren Forschungsarbeiten von Anfang an von enormer Bedeutung waren, denn sie bietet Bedingungen, die auf der Erde nicht erreichbar sind. So können beispielsweise außerhalb der ISS leicht Geräte für astronomische und meteorologische Untersuchungen angebracht werden. Außerdem können physikalische und biologische Proben über einen längeren Zeitraum den Weltraumbedingungen ausgesetzt werden. Im Inneren der ISS dienen die Experimente vor allem der Erforschung der permanenten Mikrogravitation, also des Zustands der annähernden Schwerelosigkeit, wie er beim freien Fall auftritt. Die Astronauten dienen dabei auch als „Versuchskaninchen“ für Untersuchungen der (Weltraum-)Medizin. Ein wichtiger Bereich sind dabei Untersuchungen zu Stress unter harten Bedingungen. Neben der Medizin gibt es Forschungsprojekte in
- Astronomie, z. B. Untersuchung der kosmischen Höhenstrahlung, Schwankungen der Sonnenstrahlung etc.
- Physik und Materialforschung, z. B. Überprüfungen der Allgemeinen und der Speziellen Relativitätstheorie mit dem Atomic Clock Ensemble in Space ACES, Schmelzen und Solidifikation leitender Metalle, Legierungen und Halbleiter im extremen Vakuum mit dem Materials Science Laboratory MSL. So kann man etwa mit dem Elektromagnetischen Levitator EML Metallschmelzen in der Schwebe halten, damit sie nicht mit den Gefäßwänden in Kontakt treten. Auch wesentliche Experimente zur Erforschung von Plasmakristallen werden auf der ISS durchgeführt.
- Biologie und Biotechnologie, z. B. lassen sich Proteinkristalle unter Mikrogravitationsbedingungen leichter züchten (Proteine werden in Kristallform gebraucht, wenn man deren Struktur ermitteln will, denn ohne die Struktur eines Proteins zu kennen, können keine Medikamente entwickelt werden, die das Protein oder Enzym beeinflussen).
- Humanmedizin, vor allem Untersuchungen von Muskel- und Knochenschwund, die aufgrund der fehlenden Belastung bei längeren Aufenthalten in einer Mikrogravitationsumgebung auftreten.
Die humanmedizinischen Forschungen auf der ISS dienen einerseits der Grundlagenforschung zu entsprechenden Krankheiten (zum Beispiel Osteoporose) und andererseits der Entwicklung und Erprobung von Gegenmassnahmen für längere bemannte Raumflüge (zum Beispiel zum Mars). Da sich aber nicht nur Muskeln und Knochen, sondern auch der Blutkreislauf und das Immunsystem im Weltraum anders verhalten als auf der Erde, sind Untersuchungen bei längeren Aufenthalten im All für die medizinische Forschung von unschätzbarem Wert.
Darüber hinaus gibt es Forschungsprojekte zur Erdbeobachtung und zur Flora. Erwähnenswert ist, dass es bereits auf einer der Saljut-Missionen sowie zweimal auf der ISS gelungen ist, Pflanzen zum Blühen zu bringen.

Chinas großer Sprung in den Weltraum
Die ISS ist zwar erst einmal als Sprungbrett ins All erhalten, aber insbesondere Chinas Raumfahrpläne bieten großartige Zukunftsaussichten für die weitere Erkundung des Weltraums – auch im Zusammenhang mit der Weltraum-Seidenstrasse der chinesischen Belt and Road Initiative. China startete bereits 2011 die Weltraumstation Tiangong-1 („Himmelspalast“), auf der mehrere bemannte und unbemannte Raumschiffe ankoppelten. Schon 2016 schickte China die Nachfolge-Raumstation Tiangong-2 ins All, die dann bis 2022 zu einer großen, ständig bemannten Raumstation ausgebaut wurde.
Aus rein politischen Gründen haben die USA unter der Regierung Obama per Gesetz jegliche Zusammenarbeit der NASA mit China untersagt und auch ein Veto gegen die Beteiligung Chinas an der Internationalen Raumstation ISS eingelegt.
China hat hingegen die Vereinten Nationen eingeladen, sich am Ausbau seiner Weltraumstation zu beteiligen. Seit Juni 2022 ist die „Himmelspalast“-Station mit einer wechselnden, dreiköpfigen Besatzung ständig besetzt. Im Juli 2022 wurde das erste Wissenschaftsmodul Wentian zur Raumstation gebracht, im Oktober 2022 folgte das zweite Wissenschaftsmodul Mengtian und seit dem November 2022 ist Tiangong in seiner Konfiguration komplett.
Die chinesische Raumstation ist von der Grösse her mit der sowjetischen Mir vergleichbar. Ähnlich wie diese ist sie aufgrund ihrer modularen Bauweise erweiterbar. Astronauten aus aller Welt haben großes Interesse daran bekundet, in Chinas Raumstation mitzufliegen. Im Rahmen einer Konferenz der Vereinigung der Weltraumforscher (Association of Space Explorers, ASE) in Peking vor einigen Jahren erklärte Pam Melroy, die Kommandantin einer Space-Shuttle-Mission: Die chinesische Raumstation ist „ein interessanter Ort, wo die Mitglieder der Crew mit Kollegen verschiedener Herkunft und Kulturen zusammenarbeiten, weil sie die gleichen Interessen und die gleiche Leidenschaft für die Weltraumforschung haben“. Im All „ist eine Perspektive völliger… Zusammenarbeit etwas ganz Natürliches.“
Ursprünglich war die Lebensdauer von Tiangong auf zehn Jahre ausgelegt. Mittlerweile soll sie fünfzehn Jahre oder länger betrieben werden.

Im Zusammenhang mit ihrer neuen Weltraumstation baut die chinesische Raumfahrtbehörde auch ein neues Weltraumteleskop, Xuntian, das viele der aktuellen Spitzenobservatorien noch übertreffen soll. Das China Space Station Telescope (CSST) wird nicht nur so leistungsstark sein wie das hochmoderne James Webb Space Telescope (JWST), das 1996 als gemeinsames Projekt der NASA, ESA und CSA (Kanadas Weltraumagentur) entwickelt wurde und als wissenschaftlicher Nachfolger des Weltraumteleskops Hubble gilt. Es kann auch vollständig vom Weltraum aus repariert und nachgerüstet werden.
Für das Jahr 2027 ist der Start des nächsten Erweiterungsmoduls für Tiangong vorgesehen. Es soll an das vordere Ende des Kernmoduls angebracht werden. Es bietet zusätzliche Andockstellen, so dass die Raumstation noch erweitert werden kann. Dadurch kann Tiangong ein Drittel der Masse der ISS erreichen. Darüber hinaus gibt es den Plan, ein aufblasbares Habitat zu installieren, um einerseits mehr Volumen zu gewinnen und andererseits eine Testumgebung für ein künftiges aufblasbares Habitat auf der Mondoberfläche zu schaffen.
Zusätzlich arbeitet China daran, mit der neuen Mondforschungsstation den Bau von Unterkünften auf dem Mond zu ermöglichen. Ein Forschungsteam des „Deep Space Exploration Laboratory“ (DSEL) in Hefei hat Mitte 2025 eine „Mondziegelmaschine“ entwickelt. Diese kann aus Mondboden Ziegelsteine herstellen und bringt damit die Vision vom „Hausbau auf dem Mond mit lokalen Materialien“ der Realität näher (siehe Kasten).
Die Tiangong ist kein rein nationales Projekt, sondern China betont immer wieder, dass die Raumstation offen sei für ausländische Experimente. Mit der europäischen Raumfahrtbehörde ESA sind beispielsweise schon zehn kooperative Forschungsprojekte vorgesehen.
Was plant Russland?
Russland will 2027 ebenfalls mit dem Bau einer eigenen neuen Weltraumstation, der Russischen Orbitalstation (ROS), beginnen. Bis 2030 soll der Kern der Station komplett fertig sein und bis 2033 mit zwei weiteren Baueinheiten erweitert werden. Roskosmos-Chef Juri Borissow nannte als Begründung für den Neubau die schlechte Verfassung der Internationalen Raumstation ISS und sagte mit Blick auf die internationale Raumfahrt: „Und das Wichtigste ist: wir dürfen keine Pause in unserer bemannten Raumfahrt zulassen.“
Roskosmos teilte bereits 2021 über die geplante neue Weltraumstation mit: „Der Zeitplan umfasst nicht nur die Arbeiten zur Gestaltung und Herstellung der Stationsmodule, sondern auch die Durchführung von Flugtests für das bemannte Transportraumschiff der nächsten Generation, die Entwicklung von Trägerraketen und bodengestützter Weltrauminfrastruktur sowie die Koordination der projektbezogenen Forschungsaktivitäten durch wissenschaftliche Institute der Branche.“
Die ROS soll sich grundlegend von der Internationalen Raumstation ISS unterscheiden, wie der Bericht erklärt: „Das erste und vielleicht Wichtigste ist die sogenannte Neigung, das heißt, wie stark die Bahn der Station vom Äquator entfernt ist. Die ISS hat eine Neigung von fast 52 Grad. Wir planen, dass unsere zukünftige nationale Station eine Neigung von bis zu 97 Grad haben wird. Sie wird sich auf einer sogenannten hochpolaren Umlaufbahn befinden. Darüber hinaus wird im Gegensatz zur ISS, die nur 20 Prozent des Territoriums Russlands sieht, unsere Station eine 100-prozentige Abdeckung unseres Landes ermöglichen. Und das Wichtigste ist, dass eine solche Neigung mehr Möglichkeiten bietet, den fernen Weltraum zu erforschen.“
Zusammen mit dem Bau der Internationalen Mondforschungsstation ILRS bilden diese Pläne ein Sprungbrett für das gemeinsame Ziel der Menschheit, den Weltraum zu erforschen.
Begeisterung für internationale Zusammenarbeit
Nach dem NASA/Roskosmos-Treffen wäre ein dringender nächster Schritt ein Treffen der Chefs der Weltraumorganisationen von USA, Russland und China. Denn ohne China wird es nicht gehen, es hat sich in kürzester Zeit zu einer führenden Weltraumnation entwickelt und muss deshalb in die zukünftigen gemeinsamen Weltraumaktivitäten eingeschlossen werden. Tatsächlich gibt es in den USA bereits Vorstösse, die gesetzlichen Beschränkungen für eine Zusammenarbeit mit China zu revidieren.
Und auch viele andere Länder, die in die Weltraumfahrt einsteigen wollen, werden in Zukunft nach China blicken. So sagte die malaysische Astrophysikerin und Direktorin des UN-Büros für Angelegenheiten des äußeren Weltraums (UNOOSA), Dr. Mazlan Othman, gegenüber Xinhua, sie betrachte Chinas Weltraumprogramm als eine Gelegenheit zu einer „großartigen Beteiligung der Entwicklungsländer“. Die Welt warte „sehr gespannt darauf, dass Chinas Weltraumstation fertiggestellt wird“, da hierdurch „eine weitere Gelegenheit zur internationalen Zusammenarbeit“ entstehe. Und mit Blick auf die chinesische Weltraumstation betonte Dr. Othman: „Die medizinische Forschung im Weltraum nützt den Menschen auf der Erde.“
Auch Afrika will sich mit großem Optimismus im Weltraum engagieren. In Kairo wurde am 20. April 2025 auf der New Space Africa Conference die Afrikanische Raumfahrtbehörde (AfSA) gegründet. Die meisten afrikanischen Länder sowie Vertreter der ESA und der italienischen Raumfahrtbehörde nahmen an der Konferenz teil. Der Aufbau der AfSA wurde von der ESA, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Roskosmos unterstützt.
Bereits 2016 hatte die Versammlung der Afrikanischen Union im Rahmen der „Agenda 2063“ eine übergreifende afrikanische Raumfahrtpolitik und -strategie unter dem Motto „The Africa We Want“ (Das Afrika, das wir wollen) in Gang gesetzt. Die AfSA wird ihren Sitz in Neu-Kairo haben, der neuen ägyptischen Stadt, die derzeit am Nil gebaut wird. Laut ihrer Website hat die AfSA 55 Mitglieder, was bedeutet, dass buchstäblich alle Länder des Kontinents aktiv an der Weltraumforschung teilnehmen. Die AfSA verfügt (vorerst) noch über keine eigenen Trägerraketen, sondern konzentriert sich vor allem auf Forschung und die Koordinierung der nationalen Aktivitäten. Im weiteren sollen zahlreiche Startanlagen auf dem gesamten Kontinent entwickelt werden, um die strategische Lage des Kontinents am Äquator zu nutzen.
Der ägyptische Forschungsminister Ayman Ashour sagte vor der Presse: „Wir streben danach, Frühwarnsysteme zu entwickeln, die uns in die Lage versetzen, Risiken und Katastrophen zu begegnen, Leben, Eigentum und Infrastruktur zu schützen und Probleme zu bewältigen, die sich aus dem Klimawandel ergeben. Außerdem spielt die Agentur eine wichtige Rolle bei der Unterstützung von Entwicklungsbemühungen durch die optimale Nutzung natürlicher Ressourcen, bei der Eröffnung neuer Horizonte für Produktion und Investitionen und als Leuchtturm für Innovation und Fortschritt.“
Zusätzlich soll neben der Erdbeobachtung auch der Datenaustausch zwischen den Ländern verbessert und die bestehenden nationalen Raumfahrtprogramme koordiniert werden, denn Afrika fehlen vor allem wichtige Wetter- und Klimadaten, was jetzt durch eigene Satelliten und mehr Wetterstationen geändert werden soll.
„Die Raumfahrtaktivitäten auf dem Kontinent waren bisher sehr zersplittert“, erklärte Meshack Kinyua, ein Raumfahrtingenieur und Veteran der afrikanischen Raumfahrt, der nun den Aufbau der Agentur leitet, auf einer Konferenz. „Die Afrikanische Raumfahrtagentur bringt alle Mitglieder der Afrikanischen Union auf die gleiche Ebene, was das Sammeln von Daten angeht“.
Die Entwicklung in Afrika könnte durch die Erweiterung der von China initiierten Weltraum-Seidenstrasse deutlich beschleunigt werden, wozu aber eine Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten, Russland und China dringend erforderlich wäre. So könnte der einseitige Hegemonialismus endlich durch ein Paradigma des Wachstums und der Bedürfnisse der Menschen ersetzt werden.
