Krafft Arnold Ehricke (1917–1984) war ein genialer Ingenieur und Wissenschaftler, der entscheidende Beiträge zum amerikanischen Raumfahrtprogramm geleistet hat. Ehricke galt bereits in den frühen 1960er Jahren als „einer der wenigen Philosophen der Raumfahrt“ und blieb bis zu seinem Tod ein Visionär und leidenschaftlicher Verfechter der Sache der Weltraumforschung und -kolonisierung.
Ehricke wurde am 24. März 1917 in Berlin geboren. Fritz Langs Science-Fiction-Film „Frau im Mond“ aus dem Jahr 1929 inspirierte ihn dazu, dem „Verein für Raumschiffahrt“ (VfR) beizutreten, was ihm jedoch aufgrund seines jugendlichen Alters (er war damals zwölf) verweigert wurde. Stattdessen führte er eigene Experimente durch. 1940 machte er einen Abschluss in Luftfahrttechnik (entspricht einem Master) an der Technischen Universität Berlin. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde Ehricke zum Militärdienst einberufen und 1940 während des Blitzkriegs an der Westfront verwundet. Im Jahr 1942 waren seine früheren ingenieurtechnischen Arbeiten Wernher von Braun aufgefallen, und er wurde in von Brauns Raketenentwicklungsteam bei der Heeresversuchsanstalt in Peenemünde aufgenommen – ein Schritt, dem er später die Rettung seines Lebens zuschrieb. Ehricke arbeitete anschließend als Antriebsingenieur in Peenemünde. Im Januar 1945 heiratete Ehricke seine Frau Ingeborg, und 1946 wurde er im Rahmen der Operation Paperclip in die USA gebracht, wo er wieder mit von Braun und den anderen Wissenschaftlern von Peenemünde zusammenkam.
1952 wurde Ehricke von Walter Dornberger angeworben, verließ den Staatsdienst zugunsten der Privatwirtschaft und zog nach Buffalo, New York, um als Konstruktionsspezialist bei Bell Aircraft zu arbeiten. Im November 1954 zog Ehricke nach San Diego, Kalifornien, um eine zehnjährige Karriere bei der damaligen Convair Division von General Dynamics zu beginnen. Mehrere Jahre lang war er entscheidend an der Entwicklung der Interkontinentalrakete „SM-65 Atlas“ und der Atlas-Trägerrakete von Convair beteiligt. Zwischen 1959 und 1962 leitete Ehricke die Entwicklung des Centaur-Boosters, der ersten mit flüssigem Wasserstoff betriebenen Hochenergie-Oberstufe.

Ende Oktober 1965 verließ Ehricke General Dynamics, um stellvertretender Direktor des Astrionics-Labor in der Autonetics Division von North American Aviation zu werden. Während seiner Zeit bei North American war Ehricke an einigen Aspekten des Space-Shuttle-Programms beteiligt, arbeitete jedoch in erster Linie an fortgeschrittenen Projektstudien, darunter Studien im Zusammenhang mit der Raumstation der NASA und Programmen zur Erforschung des Weltraums, was schließlich in einer mehrjährigen Studie zur Industrialisierung des Weltraums gipfelte, die 1976 begann.
Ehricke schied im Juli 1977 aus dem Dienst bei Rockwell aus und gründete die Space Global Company, deren Präsident er selbst wurde. Space Global war im Wesentlichen ein Instrument zur Förderung der Weltraumforschung und zur Verbreitung seiner Vision einer zukünftigen Weltraumzivilisation, ein Konzept, das er als „Extraterrestrischen Imperativ“ bezeichnete. Das Grundkonzept war relativ einfach: Da die Ressourcen der Erde nicht unendlich sind, setzen sie der Entwicklung der Menschheit Grenzen. Der einzige Weg, diese Grenze zu überwinden, besteht darin, über die Erde hinauszugehen und die im Weltraum verfügbaren Ressourcen zu erschließen.
Im Laufe seines Lebens verfasste Ehricke über 200 wissenschaftliche und technische Abhandlungen; eine Reihe davon sind in Fachzeitschriften veröffentlicht worden, insbesondere in dem englischen Wissenschaftsmagazin Fusion und hier in FUSION. Sein letztes Buch „Der Siebente Kontinent – Die Industrialisierung und Besiedlung des Mondes“ befand sich zum Zeitpunkt seines Todes beim Münchener Thiemig-Verlag in der Bearbeitung, ist aber nie erschienen. Die FUSION-Redaktion besitzt eine Kopie des Buchtextes mit persönlichen Bearbeitungsnotizen Ehrickes und benötigt umfassende Hilfe, um das Buch doch noch erscheinen zu lassen.
Krafft Ehricke starb am 11. Dezember 1984 mit 67 Jahren an den Folgen einer Leukämie.
