Die Maßverhältnisse in der Realwirtschaft

Auszug aus Was Sie schon immer über Wirtschaft wissen wollten (Böttiger-Verlag, Wiesbaden, 1985, S. 93–98)

Da wir den Anstieg der potentiellen relativen Bevölkerungsdichte messen, müssen wir mit der Bevölkerung anfangen. Da der Haushalt die Reproduktionszelle der Bevölkerung ist, messen wir die Bevölkerung zuerst als einen Zusammenschluß der Hausbalte und rechnen einzelne Personen als Mitglieder dieser Haushalte. Anschließend bestimmen wir die Arbeitskraft auf der Basis der Haushalte, also als die Arbeitskraft, die von den Haushalten „produziert“ wird.

Wir bestimmen die Arbeitskraft mittels einer Analyse der demographischen Zusammensetzung der Haushalte. Diese Bevölkerung der Haushalte schlüsseln wir erstens nach Altersgruppen und zweitens nach ihrer wirtschaftlichen Funktion auf.

Ganz grob unterteilen wir die Bevölkerung der Haushalte in drei Haupt-Altersgruppen: 1. Unterhalb des Durchschnittsalters, in dem man Teil der Arbeitskraft wird; 2. im durchschnittlichen Altersbereich der Arbeitskraft; 3. oberhalb des durchschnittlichen Altersbereiches der Arbeitskraft. Die erste Gruppe unterteilen wir wiederum in Neugeborene, Kleinkinder unter sechs Jahren, Schulkinder und Jugendliche. Die zweite Hauptgruppe unterteilen wir ungefähr nach Zehn-Jahres-Abständen, während wir die dritte Gruppe (aus versicherungsmathematischen Gründen) nach Fünfjahresgruppen einteilen. Außerdem unterteilen wir die zweite Hauptgruppe in zwei funktionelle Kategorien: die Berufstätigen und die im Haushalt Tätigen. Dadurch erhalten wir grobe Schätzungen, beispielsweise: „65 Prozent der Personen im arbeitsfähigen Alter sind berufstätig.“

Gemäß der Funktion, die von den Beschäftigten eines Haushaltes hauptsächlich ausgeübt wird, teilen wir alle Haushalte zwei funktionellen Hauptgruppen zu. Dabei spielt es keine Rolle, ob zwei Mitglieder desselben Haushaltes in verschiedene funktionelle Kategorien fallen oder ob eine Person von einer funktionellen Kategorie zu der anderen wechselt. Für uns geht es um die Veränderung des relativen Größenverhältnisses der beiden funktionellen Kategorien, was uns wichtiger ist als die Vermeidung eines marginalen statistischen Fehlers, der sich einstellt, wenn man auch für zweideutige Fälle eine konsistente statistische Zuordnung vornimmt. Diese erste funktionelle Zuordnung der Haushalte erfolgt je nach Tätigkeit der Haushaltsmitglieder in die Kategorie der produktiv Beschäftigten und die Kategorie der Gemeinkosten für die nicht produktiv Beschäftigten.

Nun wollen wir das Schwergewicht unserer Betrachtung auf die produktive Komponente der Gesamtarbeitskraft legen. Für alle unsere Berechnungen setzen wir diesen Teil der Gesamtarbeitskraft gleich 100 Prozent. Diese Kategorie der produktiv Beschäftigten ist aufgeteilt in landwirtschaftliche Produktion (Fischerei, Forstwirtschaft etc.) und industrielle Produktion (Fabrikation, Hoch- und Tiefbau, Bergbau, Transport, Energieerzeugung und -verteilung, Kommunikation und den Bereich der Instandhaltung der elementaren ökonomischen Infrastruktur).

Die Analyse der Produktion geht im wesentlichen so vor sich, wie wir das weiter oben im Text definiert haben. Die Analyse beginnt damit, daß zwischen den beiden Marktkörben und den zwei Unterkategorien der jeweiligen Endprodukte daraus unterschieden wird. Der Produktionsfluß wird rückwärts über die Halbfabrikate und Rohprodukte hin zu den Rohstoffen verfolgt.
Die Analyse der Produktionsströme wird dann der folgenden Analyse des produzierten Gesamtvolumens an materiellen Gütern gegenübergestellt und damit verglichen: 100 Prozent der Arbeitskraftkomponente der produktiv Tätigen werden 100 Prozent der materiellen Güter gegenübergestellt, die von der Volkswirtschaft produziert wurden. Diese 100 Prozent produzierter materieller Güter werden folgendermaßen analysiert.

LaRouches Balkendiagramm zur Darstellung der materiellen Beziehungen in der Gesellschaft.

Das Symbol V : Der Anteil des Gesamtvolumens an materiellen Gütern, der von den Haushalten der produktiv Tätigen in Anspruch genommen wird (Systemenergie).

Das Symbol C : Die Kapitalgüter, die bei der Produktion materieller Güter verbraucht werden, einschließlich der Kosten für die notwendige ökonomische Infrastruktur zur Produktion dieser Güter. Darin eingeschlossen sind Fabrikgebäude und -anlagen, die Instandhaltung der ökonomischen Infrastruktur sowie die Lagerhaltung von Halbfabrikaten in einem Umfang, wie es für den Erhalt der Kapazitätsauslastung erforderlich ist. Dazu gehört nur jener Teil des Produktionsvolumens, der für die Systemenergie gebraucht wird.

Das Symbol S : Der Bruttogewinn aus der Produktion (des agro-industriellen Unternehmens).

T [≘ gesamte Produktion mat. Güter] – ( C + V ) = S

Das Symbol D : Die gesamten Gemeinkosten. Darin sind die Konsumgüter (für die Haushalte derjenigen, die der Kategorie der Gemeinkosten zugerechnet werden) und jene Kapitalgüter enthalten, die in der Kategorie der Gemeinkosten konsumiert werden (Systemenergie).

Das Symbol S’ : Der Anteil des Nettogewinns aus der Produktion aller materiellen Güter: ( S – D ) = S’ (freie Energie).
Falls wir die Ausgaben für den nicht-produktiven Sektor (D) in einer angemessen konstruierten Berechnungstabelle für wirtschaftliche Funktionen zusammenfassen, haben wir dabei Elemente im Dienstleistungsbereich, die tendenziell größer werden müssen, wenn der Gesamtertrag an materiellen Gütern wächst oder wenn die Produktivkräfte zunehmen. Zum Beispiel: Eine Funktion, in der das existierende technologische Niveau und die Geschwindigkeit, mit der sich diese Technologie entwickelt, berücksichtigt wird, definiert ein Mindestmaß an kultureller Entwicklung. die für die Arbeitskraft notwendig ist.

Daraus leiten sich dann wiederum bestimmte Ausbildungserfordernisse ab. Wissenschaftliche und technische Dienstleistungen für die Produktion und für die Aufrechterhaltung der Produktivkraft der Haushalte der produktiv Beschäftigten fallen unter die Buchhaltungsrubrik „halbvariable Kosten“, deren Größe in einer klaren funktionalen Beziehung zur Aufrechterhaltung und Steigerung der Produktivkräfte steht. Großen Teilen der Ausgaben für Gemeinkosten können jedoch derartige funktionale Bestimmungen nicht zugeschrieben werden. Was den Kurs auf eine „nachindustrielle Gesellschaft“ angeht, hätte hier der größte Teil der Ausgaben für den nicht-produktiven Sektor gar nicht toleriert werden dürfen; zumindest aber hätte er in relativen Zahlen drastisch reduziert werden müssen. Aus diesem Grund müssen wir für den Quotienten der freien Energie des Systems den Ausdruck S’/( C + V ) und nicht etwa S’/( C + V + D ) anwenden.

Zur Berechnung des Nationaleinkommens benutzen wir folgende Größen:

  • Das Symbol S/( C + V ) : Die Produktivität (im Unterschied zu den „Produktivkräften“).
  • Das Symbol D/( C + V ) : Der Kostenquotient für Gemeinausgaben.
  • Das Symbol C/V : Die Kapitalintensität.
  • Das Symbol S’/( C + V ) : Die Profitrate.

Folgende Bedingungen sind für diese Quotienten erforderlich: 1. daß der Marktkorb an Konsumgütern pro Kopf für die Haushalte der produktiv Tätigen sowohl in relativer Größe als auch in inhaltlicher Qualität zunimmt, wenn die Kapitalintensität ( C/V ) und die Produktivität ( S/( C + V ) ) steigen; 2. daß die sozialen Kosten zur Produktion dieses Marktkorbes verringert werden, trotz dieses erforderlichen quantitativen und qualitativen Zuwachses; 3. daß die Produktivität S/( C + V ) schneller wächst als der Kostenquotient ( D/( C + V ) ).

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