Dürren überwinden: Regen dorthin lenken, wo er gebraucht wird

Das folgende Interview mit Prof. Sergej Pulinez führte Benjamin Deniston vom Wissenschaftsteam des LaRouche-Aktionskomitees (LaRouchePAC) am 30. April 2015. Den englischen Videomitschnitt des Interviews finden Sie auf der LaRouchePAC-Internetseite larouchepac.com sowie im LPAC-Kanal von youtube.com unter www.youtu.be/0iKFTlphuJs. Die verwendeten Graphiken sind z. T. Momentaufnahmen aus Animationen.


Benjamin Deniston: Ich bin sehr froh, heute mit Professor Sergej Pulinez sprechen zu können, der uns über Google Hangouts aus Moskau zugeschaltet ist. Es geht um eine ganz besondere Frage, nämlich, mit welchen Technologien das Wetter gesteuert und Niederschläge vermehrt werden können, um so Dürren und Wasserkrisen zu überwinden, wie sie gegenwärtig in Kalifornien und an anderen Orten in aller Welt herrschen.

Prof. Pulinez vom Fjodorow-Institut für Angewandte Geophysik und dem Moskauer Zentrum für Ionosphären-Beobachtung, hat mit der US-amerikanischen Firma „Rain on Request” („Regen auf Verlangen”) zusammengearbeitet, die den Einsatz von Ionisationstechnologien in den Vereinigten Staaten fördert. Er hat auch über dieses Thema geschrieben, u. a. einen Artikel, der 2009 in Russia Beyond The Headlines erschien (siehe „Weather control? Yes, it is really possible…”, http://rbth.co.uk/articles/2009/03/25/250309_weather.html ). Schon Ende der 90er Jahre Jahre hatte Prof. Pulinez in einem Team mitgearbeitet, das die Brauchbarkeit und wissenschaftliche Grundlage einiger dieser Wettersteuerungssysteme untersuchte. EIRNS/Julien Lemaitre

Wir wollen deshalb über einige neue Technologien sprechen – neue, bahnbrechende Ideen, die der Menschheit möglicherweise helfen können, die atmosphärischen Wasservorkommen, die Wasserressourcen am Himmel zu nutzen, damit Niederschläge dort fallen, wo sie benötigt werden, und die Wasserversorgung verschiedener Regionen sichergestellt wird.

Professor Pulinez hat einige wichtige Kenntnisse auf diesem Gebiet und ist mit den Technologien und Theorien vertraut, wie der Mensch Niederschläge auslösen kann.

Dazu meine erste Frage an Sie, Prof. Pulinez. Das Thema Wetter ist ja offensichtlich mit vielen Vorurteilen behaftet, denn wenn man behauptet, es sei möglich, Wetterprozesse und Regen zu steuern, stößt man meistens sofort auf Ablehnung. Aber Sie haben tatsächlich an der Beurteilung der wissenschaftlichen Grundlage einiger dieser Systeme gearbeitet, die seit vielen Jahren im Einsatz sind und die den Berichten zufolge in Mexiko erfolgreich mehr Regen gebracht haben.

Vielleicht können wir zu Beginn etwas über die Geschichte Ihrer Arbeit mit diesen Systemen erfahren und über Ihre Erkenntnisse, wo sie funktioniert haben und wie erfolgreich sie bisher waren.

Prof. Sergej Pulinez: Ich möchte zunächst die Ausgangslage klären. Mein eigentlicher beruflicher Hintergrund ist die Weltraumphysik; das fing Ende der 90er Jahre an, als wir erstmals etwas über Ionosphäreneffekte erfuhren, die mit Erdbeben zusammenhängen. Es ist sehr interessant, daß Informationen aus dem Erdboden und sogar aus dem Untergrund bis in den Weltraum vordringen, und ich begann eine Theorie darüber zu entwickeln. Dazu mußte ich mich mit Geophysik, mit der Physik des Erdbodens befassen – was vor einem Erdbeben geschieht.

Dabei stieß ich zum ersten Mal auf das Problem der Ionisierung durch Radon, das aus der Erdkruste entweicht, und vor einem Erdbeben verstärkt freigesetzt wird. Radon kann die Luft unmittelbar über dem Boden ionisieren, und die dabei entstehende Wärme steigt dann bis in die oberen Schichten der Atmosphäre, der Tropopause, auf.

Hinzu kommen die Effekte der kosmischen Strahlung. Sie wissen wahrscheinlich, daß die Wolken, die unseren Planeten bedecken, sich zum großen Teil durch den Einfluß der kosmischen Strahlen bilden, die eine Ionisierung erzeugen. Diese Ionen werden dann zu Kondensationskeimen für die Bildung von Wasserdampf, der Bildung von Wassertropfen und Wolken, die wir jeden Tag sehen. Es besteht eine Korrelation zwischen der Wolkenbedeckung unseres Planeten und Veränderungen des Flusses der kosmischen Strahlung.

Die Natur gibt uns also die Antwort, daß durch Ionisierung Kondensationskeime entstehen können. Es gibt Beispiele hierfür aus dem Weltraum, galaktische kosmische Strahlung, und vom Erdboden aufgrund der Eigenschaften der Radioaktivität. In Studien japanischer Wissenschaftler wurde beispielsweise festgestellt, daß durch die Entladungen an einer Nadel ein Fluß von Ionen entsteht, die dann mit einem Massenspektrometer untersucht wurden; dabei sah man, wie diese Partikel wuchsen (Abbildung 1). In der Abbildung sieht man den Abstand zwischen den einzelnen Spektrallinien. Nach Atommassen beträgt dieser 18, was der Atommasse von Wassermolekülen entspricht. Und man sieht, wie die Ionen immer mehr Wassermoleküle anziehen, was experimentell nachgewiesen wurde. Das ist sozusagen der theoretische Hintergrund, wie durch Ionisierung große Cluster entstehen können, in deren Mittelpunkt das Ion ist, das von Wassermolekülen umgeben ist.

Abbildung 1. Japanische Wissenschaftler konnten mit Hilfe eines Massenspektrometers beobachten, wie sich an Ionen, die durch Entladungen an einer Nadel (links) erzeugt wurden, immer mehr Wassermoleküle anlagern.

Erfahrungen in Mexiko

Ich habe dann in Mexiko am Institut für Geophysik der UNAM [Nationale Autonome Universität von Mexiko], der größten Universität in Mexiko-Stadt, weiter an Erdbebenforschung gearbeitet. Einige Freunde dort haben mich mit der mexikanischen Firma ELAT bekannt gemacht, die Experimente zur Auslösung von Regen durchführte. Im Auftrag der Regierungen mehrerer Bundesstaaten sollten sie insbesondere in den trockenen Regionen Mexikos wie der Sonora-Wüste Niederschläge zur Steigerung der Ernte erzeugen.

Interessanterweise stammte die Hauptidee hierfür von einem russischen Wissenschaftler, von Lew Pochmelnych, der diese Firma gegründet hatte und von mexikanischen Unternehmen und insbesondere dem Bürgermeister der Stadt Mexiko unterstützt wurde. Der physikalische Mechanismus ist der gleiche, nur die Ionisierungsquelle ist eine andere: Vor einem Erdbeben findet man Radon, hier hat man eine besondere Anlage, die künstliche Ionisierung erzeugt. Wir fingen also an, zusammenzuarbeiten.

Ich bin mit den Ergebnissen vertraut, und ich kann Ihnen einige Bilder dieser Ergebnisse liefern, die sehr beeindruckend sind.

Später wurde ich Mitglied des wissenschaftlichen Ausschusses des Meteorologischen Dienstes von Mexiko, in dem Wissenschaftler saßen, die sich mit der Physik der Atmosphäre befaßten; darunter war auch ein Wissenschaftler aus den Vereinigten Staaten. Ich kann Ihnen eine Liste dieser Wissenschaftler geben, die in diesem Ausschuß saßen, der die Aufgabe hatte, zu beurteilen, ob die Daten dieser Firma richtig waren. Ich habe an mehreren Treffen dieses Ausschusses teilgenommen, wo wir über die Resultate sprachen.

Wie sieht nun diese Anlage aus (Abbildung 2)? Sie besteht aus einem Eisenmast von fast 30 Meter Höhe, von dem strahlenförmig sehr dünne Drähte ausgehen (Abbildung 3). Warum sehr dünn? Vor einem Gewitter, wenn es sehr starke Spannungen, sehr starke elektrische Felder in der Atmosphäre gibt, sieht man manchmal Entladungen an einer Nadel. Stellen wir uns nun einmal vor, daß das Ende einer solchen Nadel mit einem Draht verbunden wird: Je kleiner der Durchmesser dieses Drahtes, desto stärker wird die Koronaentladung, wenn an den Draht eine hohe elektrische Spannung angelegt wird.

Abbildung 2. Skizze einer Ionisierungsanlage.
Abbildung 3. In Mexiko wurde eine solche Anlage gebaut, um durch Ionisierung der Atmosphäre die Niederschlagsmengen zu vergrößern.

Man schafft also eine Art „Schirm” um diesen Mast, und im Umkreis dieses Schirms stehen kürzere Seitenmasten. Mit der hohen Spannung, die die Anlage produziert, wird die Luft ionisiert. Wenn man beispielsweise eine positive Ladung anlegt, werden die positiven Ionen von dem elektrischen Feld in die oberen Schichten getragen, wobei sich mehr und mehr Wassermoleküle ansammeln, die zu einem Kern werden, um den sich Wolken bilden können.

Tatsächlich kann man diesen Effekt z. B. auch vor einem Erdbeben sehen, wenn sich über den tektonischen Verwerfungen linienförmige Wolken bilden (Abbildung 4). Dieser Effekt wird überall beobachtet und wurde von vielen Wissenschaftlern berichtet. Es ist der gleiche Effekt wie bei dem elektrischen Feld, wobei die durch das Radon ionisierten Ionen aufsteigen und über der aktiven tektonischen Verwerfung Wolken bilden.

Abbildung 4. Vor einem Erdbeben zeigen sich oft streifenförmige Wolken entlang der tektonischen Verwerfung. Sie entstehen durch die Ionisierung von Atomen durch vermehrt freigesetztes radioaktives Radon.

So funktioniert diese Technik. Natürlich beruht alles auf Physik. Aber ich sollte dabei etwas sehr Wichtiges betonen. Man kennt auch die Technik der sogenannten „Wolkenimpfung”, indem man beispielsweise aus einem Flugzeug Silberjodid versprüht. Man kann sogar feinen Zementstaub versprühen oder irgendein Aerosol, das dann zu einem Kondensationskern wird und einen Regenschauer auslöst.

Es gibt aber einen wichtigen Unterschied zwischen diesen beiden Technologien: Durch das Impfen kann man lediglich Wasser herabregnen lassen, das bereits in der Luft vorhanden ist – man kann kein zusätzliches erzeugen. Mit der anderen Technik aber kann man einen neuen Kern erzeugen, wobei sich dann der Wasserdampf zu Tropfen sammelt. Wenn man solche Anlagen in Küstennähe aufstellt – beispielsweise in Kalifornien, wo das sehr leicht möglich wäre –, könnte man Feuchtigkeit sammeln und weitertransportieren, denn man kann zwischen zwei Anlagen verschiedene Ladungen anlegen. Dadurch entsteht eine Bewegung von Luft, gefüllt [von Kondensationskernen], die dann im Landesinneren zur Bildung von Wolken führt (Abbildung 5).

Abbildung 5. Mit Hilfe der Ionisierungstechnik können Luftströmungen erzeugt werden, die das über dem Meer verdunstete Wasser ins Landesinnere ziehen.

Mit Hilfe dieser Technik kann man also das verdunstete Wasser aus dem Ozean ins Landesinnere leiten und dort Niederschläge erzeugen. Hierzu sollten allerdings bestimmte Bedingungen herrschen, bestimmte Verhältnisse zwischen der Temperatur in der Höhe der Wolken und der Taupunkttemperatur. Die Temperatur in der Höhe sollte unter der Taupunkttemperatur liegen, damit es zur Kondensation kommt. Dadurch werden Tropfen gebildet, und es entstehen Instabilitäten der Art, wie man sie in der Natur bei Gewittern kennt.

Tatsächlich denken die meisten Menschen und manchmal sogar die Atmosphärenphysiker in Begriffen der Hydrodynamik. Bei Wirbelstürmen, Taifunen oder Hurrikanen denken sie nur an die hydrodynamischen, mechanischen Bewegungen und vergessen dabei, daß wir in einer elektrischen Welt leben: Über Hurrikanen herrscht ein gewaltiges elektrisches Potential!

Wir leben ständig in einem elektrischen Feld, das zwischen der Ionosphäre und dem Erdboden liegt (Abbildung 6). Die Spannungsdifferenz zwischen der Ionosphäre und dem Erdboden liegt bei etwa 250 kV, manchmal können sogar 400–500 kV erreicht werden. Und am Boden liegt der senkrechte Gradient des elektrischen Feldes bei etwa 100–150 Volt pro Meter. Bei einem hochgewachsenen Menschen wie Sie herrscht also zwischen Fuß und Kopf ständig eine Spannungsdifferenz von 200 Volt.

Abbildung 6. Zwischen der Ionosphäre (in etwa 100 km Höhe) und dem Erdboden herrscht eine Ladungsdifferenz von 250-500 kV. Diese Spannung entsteht durch die Gewitteraktivität auf der Erde. (Zeichnung Ray G. Roble)

Dieser Spannungsunterschied entsteht durch die weltweite Gewitteraktivität. Gewitter laden die Atmosphäre gegenüber der Erde positiv auf, und in Schönwettergebieten ist es umgekehrt: Dort ist der Spannungsunterschied niedrig. Trotzdem gibt es einen geschlossenen Stromkreis; die Wissenschaft spricht vom „globalen Stromkreis”. Wir sollten einfach alles nutzen, was uns die Natur gegeben hat, um der Ionisierung etwas nachzuhelfen und zusätzliche Kondensationskerne zu erzeugen.

In der Wissenschaft gibt es ein Konzept, das man „ioneninduzierte Kernbildung” nennt, was die explosionsartige Kernbildung in Anwesenheit einer Ionisierungsquelle ist. Man kann also Kondensationskerne erzeugen, und die Aufgabe bestünde dann darin, sie in Höhen zu transportieren, wo sich die Wolken bilden, und so Bedingungen entstehen, um Niederschlag zu erzeugen.

Ionenhydration

Deniston: Nur zur Verdeutlichung für unsere Zuschauer sollten wir vielleicht ein paar Schritte zurück machen. Sie gehen von der Tatsache aus, daß es einerseits eine Menge Wasserdampf gibt, verdunstetes Wasser in der Atmosphäre…

Pulinez: Ja.

Deniston: Andererseits lassen sich mit Ionisierungssystemen Bedingungen schaffen, die die Kondensation des Wasserdampfs und die Bildung flüssiger Tropfen beschleunigen oder verstärken…

Pulinez: Der Ausgangszustand sind noch keine Tropfen, sondern Kondensationskerne. Diese sind noch zu klein, um sie als Tropfen zu bezeichnen. Es ist ein komplizierter Prozeß vom Ion zu einem größeren Partikel, zum Ionen-Cluster, dann zum Kondensationskern und schließlich zum Tropfen (Abbildung 7). Der gleiche Prozeß findet bei der Wolkenbildung unter natürlichen Bedingungen statt: Man bildet Kondensationskerne in der Nähe der Erdoberfläche und transportiert sie dann mit Hilfe eines elektrischen Feldes nach oben.

Abbildung 7. Die ionisierten Atome sammeln sich zu Ionen-Clustern, die zu einem Kondensationskern für Wassertropfen werden. (Zeichnung: ELAT)

Deniston: Außerdem sagten Sie, daß japanische Wissenschaftler in Experimenten gezeigt hätten, daß eine verstärkte Ionisierung diesen Prozeß fördert.

Pulinez: Ja, sie haben mehrere Papiere veröffentlicht, und ich kann Ihnen diese Publikationen mit den genauen Zahlen nennen, aus denen hervorgeht, wie die Partikel wachsen. Das ist hochinteressant.

Ich sollte dabei auch unterstreichen: Im Gegensatz zur reinen Kondensation, bei der man gesättigten Wasserdampf braucht, um eine Kondensation zu erreichen, kann man diesen Prozeß als „Ionenhydration” bezeichnen, wobei sich Wassermoleküle bei jedem relativen Sättigungsgrad an das Ion anlagern! Selbst wenn die Luftfeuchtigkeit bloß bei 25 % liegt, bilden sich trotzdem Ionen-Cluster mit den daran angelagerten Wassermolekülen. Je höher die Luftfeuchtigkeit, desto größer sind natürlich die gebildeten Partikel. Aber allgemein findet Hydration bei jeder Luftfeuchtigkeit statt. Selbst bei geringer Luftfeuchtigkeit kann man größere Partikel bilden und sie dazu bringen, sich beispielsweise in Form von Tau niederzuschlagen. Für die Pflanzen ist es gleichgültig, ob sie Regen oder Tau bekommen, sie können sich ihr Wasser auch über den Tau holen.

Wasser vom Meer holen

Deniston: Sie sagten auch, daß man nicht nur die vorhandene Feuchtigkeit in der Atmosphäre als Regen oder Tau nutzen, sondern auch dafür sorgen kann, mehr Feuchtigkeit aus der Luft über den Ozeanen heranzuführen, so daß mehr Wasser in der Atmosphäre verfügbar ist. Pulinez: Ja, man sieht dies an den Bildern von den mexikanischen Experimenten: Die Anlagen sind vom Pazifik aus senkrecht zur Küste angeordnet, und diese Anordnung half, die mit Feuchtigkeit gefüllten Luftmassen ins Landesinnere Mexikos zu bringen (Abbildung 8).

Abbildung 8. Die Standorte der ELAT-Luftionisierungsanlagen in Mexiko. Grafik: ELAT

Deniston: Offenbar haben diese Anlagen in Mexiko auf Grundlage Ihrer Arbeiten ziemlich beeindruckende Resultate erbracht.

Pulinez: Ja. Man kann die Resultate an der Füllhöhe der Staubecken für die Wasserkraftwerke ablesen. An drei Staudämmen wurden anderthalb Jahre lang die Ergebnisse gemessen, und man kann sehen, wie die Dämme dank dieser Technik gefüllt wurden (Abbildung 9). Man hat sogar versucht, künstlichen Regen zu erzeugen, um Waldbrände auf der Halbinsel Yucatan zu bekämpfen.

Abbildung 9. Durch den Einsatz der Luftionisierungsanlagen konnte die Niederschlagsmenge – gemessen an der Füllhöhe in den Stauseen am Yaqui-Fluß – deutlich gesteigert werden. Grafik: ELAT

Deniston: Mit Erfolg?

Pulinez: Ja, es gibt einige statistische Daten über die Häufigkeit von Waldbränden im Zeitraum dieser Aktivitäten. Die Niederschläge haben um etwa 20-30 % zugenommen – nicht, daß man dadurch starke Regenfälle erzeugen kann, aber die Menge des Niederschlagswassers kann man deutlich erhöhen.

Deniston: Gehen wir noch einen Schritt zurück. Sie sagten vorhin, daß die künstlichen Ionisierungsprozesse dem sehr ähneln, was auf natürliche Weise durch die galaktische Strahlung geschieht. Wir sollten uns ein paar Minuten Zeit nehmen, um darüber zu sprechen, denn das ist ein relativ neues Forschungsgebiet. Wir fangen gerade erst an, zu verstehen, daß die Sonnenstrahlung und auch die Hochenergiestrahlung aus dem Weltraum einen ständigen Zufluß darstellen, der das Umfeld unserer Atmosphäre prägt, das Klima, das Wetter beeinflußt und wie sich das Wasser durch den Wasserkreislauf bewegt. Sie sagten, die Ionisierungstechniken seien im Grunde in einem ganz ähnlichen Bereich wirksam wie die Ionisierungseffekte aus der Galaxis. Können Sie uns mehr darüber sagen?

Pulinez: Ja. Jedes Teilchen mit höherer Energie – die Ionisierungsenergie der Moleküle in der Luft beträgt etwa 10–15 Elektronenvolt –, jedes Teilchen mit einer höheren Energie als diese kann ein Wassermolekül ionisieren. Bei der kosmischen Ionisierung gibt es zwei Hauptquellen: Das ist einmal unsere Sonne und zum anderen die galaktischen kosmischen Strahlen, die eine viel höhere Energie haben. Die Höhe, bis zu der diese Teilchen in die Atmosphäre eindringen, hängt von ihrer Energie ab. Die solaren Teilchen haben eine geringere Energie, so daß sie nicht bis in die tieferen Schichten der Atmosphäre vordringen können, d. h. sie verlieren ihre Energie schon in Höhen von etwa einigen Dutzend bis einigen hundert Kilometern (Abbildung 10). Das ist der Ursprung des Nordlichts (Abbildung 11). Sie regen in diesen Höhen Sauerstoff- und Stickstoffmoleküle an, was dazu führt, daß wir die grünen und roten Polarlichter sehen.

Abbildung 10. Die energiereicheren Teilchen der kosmischen Strahlung aus der Galaxis dringen tiefer in die Erdatmosphäre ein als die von der Sonne kommende Strahlung.
Abbildung 11. Ein riesiges grünliches Nordlicht aus Sicht der Internationalen Raumstation.

Die galaktischen kosmischen Strahlen, die eine viel höhere Energie haben, verlieren ihre Energie dagegen meist erst in der Tropopause, in etwa 10–15 km Höhe. Das sind die Schichten, in denen unsere Wolken entstehen. Die ersten guten statistischen Resultate dazu hat [Henryk] Svensmark ermittelt. Das ist ein dänischer Wissenschaftler, der gezeigt hat, daß während zwei Sonnenzyklen von 22 Jahren der Korrelations-Koeffizient zwischen den Variationen des galaktischen Strahlungsflusses und der Wolkenbedeckung unseres Planeten bei fast 95 % liegt (Abbildung 12).

Abbildung 12. Zwischen dem von der Sonnenaktivität beeinflußten Fluß der kosmischen galaktischen Strahlung und der Wolkenbedeckung der Erde besteht eine enge Korrelation.

Inzwischen ist diese Theorie sehr gut entwickelt. Sie zeigt, wie sich die Ausgangsionen bilden. Sie gehen chemische Reaktionen ein, wonach sie dann hydratsiert werden und Kerne für die Wolken bilden.

Wahrscheinlich haben Sie schon von der großen, ja sogar riesigen Nebelkammer gehört, die am CERN in der Schweiz gebaut wurde, wo man den Prozeß der Wolkenbildung studieren kann. Dafür wurde sehr viel Geld ausgegeben; ich ziehe allerdings die Experimente der Japaner vor, die sehr einfach sind und den Prozeß sehr klar zeigen.

Latente Wärme

Sehr interessant ist, daß Physiker, die in diesem Bereich arbeiten, manchmal einen anderen Effekt, der mit der Ionisierung zusammenhängt, nicht berücksichtigen: die Freisetzung latenter Wärme. Wie Sie wissen, haben Wassermoleküle, die sich frei in der Luft als Gas bewegen, und Wassermoleküle in flüssiger Form verschiedene Energien. Wasser kann in drei Zuständen vorkommen: gasförmig, flüssig und fest – also Wasserdampf, das Wasser, das wir trinken, und Eis. Zwischen diesen Zuständen gibt es Unterschiede in der Energie der Wassermoleküle, den wir nicht sehen; deshalb spricht man von „latenter Wärme”.

Ein englisches Sprichwort sagt: „Wenn du darauf wartest, kocht das Wasser nie.” Denn selbst wenn anscheinend eine Temperatur von 100 °C erreicht ist, muß man weiter warten und warten, bis das Wasser Wasserdampf freisetzt. Das ist der Zeitraum, in dem die Wassermoleküle die latente Wärme aufnehmen, um zu verdampfen und aus dem Wasser zu entweichen. Und es gibt einen umgekehrten Prozeß: Wenn das Wasser kondensiert, dann gibt es Wärme an die Umgebung ab (Abbildung 13).

Abbildung 13. Wenn man Wasser erhitzt, bleibt die Temperatur am Schmelzpunkt (0 °C) und am Verdampfungspunkt (100 °C) „stehen“, auch wenn mehr Energie zugeführt wird, weil das Molekül beim Phasenübergang Energie aufnimmt.

Deshalb sieht man in asiatischen Ländern so viele Springbrunnen; und wahrscheinlich gibt es auch in Kalifornien solche besonderen Vorrichtungen, denn das in die Luft geschleuderte Wasser verdunstet, absorbiert dabei Wärme und senkt so die Temperatur in der Umgebung.

Bei der Ionisierung findet man den gleichen Effekt. Wenn das Wasser an den Ionen kondensiert, setzt es Wärme frei. Wenn man dagegen die Kondensation reduziert, dann steigt an dem Ort die Temperatur.

Ganz ähnlich entdeckte man so einen Zusammenhang zwischen der starken Abnahme des galaktischen kosmischen Strahlungsflusses bei Magnetstürmen der Sonne und der Bildung von Wirbelstürmen. In Mexiko kenne ich einen netten Kollegen, Jorge Pérez-Peraza, der genau diesen Zusammenhang zwischen dem galaktischen kosmischen Strahlungsfluß und der Bildung von Wirbelstürmen über dem Atlantik und dem Pazifik untersucht. Er hat sehr gute Statistiken, die zeigen, daß bei vielen Forbush-Ereignissen – also bei aktiver Sonne mit vielen Magnetstürmen – auch die Häufigkeit tropischer Wirbelstürme und Hurrikane ansteigt. Wir haben ein Papier veröffentlicht, das den physikalischen Mechanismus dabei aufzeigt: Wenn der Zustrom der galaktischen kosmischen Strahlung abnimmt, sinkt die Temperatur in der Höhe der Tropopause, und damit steigt der Temperaturunterschied zwischen der Meeresoberfläche und der Tropopause. Dadurch nimmt die Konvektion stark zu, und diese verstärkte Konvektion fördert die Bildung von Hurrikanen.

Galaktische kosmische Strahlung

Deniston: Ich denke, es ist sehr bemerkenswert, was Sie da sagen. So sollen diese hochenergetischen Teilchen, die nicht von der Erde kommen und auch nicht von unsere Sonne, sondern aus allen Teilen des interstellaren Raumes und der Galaxis, tatsächlich eine aktive Rolle bei der Stärke von Wirbelstürmen und der Bildung von Hurrikanen spielen.

Abbildungen 14 a, b. Zwischen der Bewegung unseres Sonnensystems durch die Galaxis und der Temperatur auf der Erde besteht offenbar ein Zusammenhang: Wenn viel galaktische Strahlung zur Erde gelangt, sinkt die Temperatur; wenn sie in die Spiralarme der Galaxis eintritt und weniger Strahlung zur Erde gelangt, steigt sie.

Pulinez: Ja. Pérez-Peraza entdeckte noch einen anderen Effekt des sich wandelnden galaktischen Strahlungsflusses, nämlich auf die Eiszeiten in der langfristigen Geschichte unseres Planeten (Abbildung 14 a). Es gibt auch Hinweise darauf – das ist eine Hypothese –, daß die Eiszeiten möglicherweise mit den Bewegungen des Sonnensystems durch die Arme unserer Spiralgalaxie zusammenhängen. Wenn das Sonnensystem diese Arme durchquert, gibt es mehr Staub und damit einen geringeren galaktischen kosmischen Strahlungsfluß. Zwischen den Armen steigt der galaktische Strahlungsfluß wieder an (Abbildung 14 b). Der Wechsel dieser Perioden stimmt zeitlich mit Perioden höherer und geringerer Temperaturen auf unserem Planeten überein.

Deniston: Alle diese Ionisierungseffekte der kosmischen Strahlung, die Sie hier beschrieben haben, erzeugen ständig bestimmte Bedingungen in unserer Atmosphäre, die das Verhalten des Wasserdampfs in unserer Atmosphäre beeinflussen, die das Wetter und das Klima beeinflussen.

Pulinez: Ja, und man sollte nicht vergessen: Je mehr Wolken es gibt, desto mehr Schatten gibt es auf der Erde. Die Temperaturschwankungen hängen nicht nur mit der direkten Wärme zusammen, die durch die kosmische Strahlung entsteht, sondern auch mit dem Schatten: mehr Wolken, mehr Schatten. Je weniger Wolken, desto mehr sind wir der Sonne ausgesetzt. Die Temperaturschwankungen in Verbindung mit den Schatten sind also ganz wesentlich.

Deniston: Damit müssen wir offenbar ganz neu definieren, was wir uns unter dem Klima der Erde vorstellen. Denn es ist eher ein solares und galaktisches Klima als ein irdisches.

Pulinez: Man sollte beides berücksichtigen. Man kann nicht sagen, daß es nur galaktisch ist. Aber die Galaxis leistet einen Beitrag zu den Veränderungen des Klimas.

Deniston: Die Arbeiten an Ionisierungssystemen könnten Ihrer Meinung nach ein Weg sein, wie man zu unserem Vorteil Einfluß auf die Wettersysteme und den Wasserkreislauf nehmen kann.

Pulinez: Ja, ich denke schon. Es ist möglich, aber man sollte dabei sehr, sehr vorsichtig sein. Ich denke, das sollte vom Staat bzw. einer Behörde überwacht werden, denn die Umwelt zu beeinflussen, kann gefährlich sein. Es sollte Einschränkungen geben, denn man kann sehr große Anlagen bauen, um abhängig von der Polarität eine sehr große Ionisierung zu bewirken, was die Wolkenmenge vergrößert oder verringert. Der eine will vielleicht eine Ferienanlage mit viel Sonne, ein anderer will Weintrauben erzeugen und braucht dazu Regen; beide könnten Nachbarn sein und dann streiten, ob sie Wolken haben wollen oder nicht. Diese Aktivitäten sollten natürlich reguliert sein.

Deniston: Was sollte Ihrer Meinung nach bei der Entwicklung dieser Systeme der nächste Schritt sein – wie Sie sagen, in einer rationalen und regulierten Art und Weise? Damit eröffneten wir uns ein völlig neues Potential, wie die Menschheit Herausforderungen wie Dürren oder Unwetter, die Überschwemmungen hervorrufen, bewältigen kann.

Das Thema wird immer wichtiger. Wasser ist ein sehr großes Thema, nicht bloß für Amerika, sondern weltweit. Es gibt viele Orte auf der Welt, wo es an Trinkwasser mangelt oder wo es nicht regelmäßig vorhanden ist – wo es Regen gibt und dann wieder Dürre, dann wieder ein bißchen Regen, dann wieder Dürre. Mir scheint sich hier eine unglaublich wichtige Perspektive zu eröffnen, wie man auf verantwortungsbewußte Art und Weise das Wasser völlig neu regulieren kann, indem man sein Verhalten in der Atmosphäre beeinflußt und nicht erst dann, wenn es auf dem Festland niedergeht.

Pulinez: Ich denke, man sollte offene und klare Experimente mit solider wissenschaftlicher Unterstützung organisieren, so daß man verläßlich beurteilen kann, ob solche Effekte wirklich existieren. So manche „traditionellen” Atmosphärenforscher und Meteorologen behaupten, das sei unmöglich. Man sollte also zunächst einmal Experimente durchführen, um vor allem für die Wissenschaft, aber auch für die Öffentlichkeit zu demonstrieren, daß davon keine Gefahren ausgehen. Diese Effekte werden nicht gefährlicher sein als ein natürliches elektrisches Feld.

Ich weiß, daß bei einigen Experimenten in Mexiko manchmal Kühe in die Nähe der Anlagen kamen, weil sie sich in diesem elektrischen Feld wohlfühlen! Das beweist am besten, daß solche Anlagen keine Gefahr für die Natur darstellen. Auch Vögel spüren diese elektrischen Felder, denn sie meiden sie.

Deniston: Sie haben vor allem über Aktivitäten in Mexiko gesprochen. Gibt es noch andere Unternehmen an anderen Orten, wo diese Systeme erprobt wurden?

Pulinez: Ja. Ich weiß, daß es solche Unternehmen in Saudi- Arabien gibt, vielleicht auch in Australien, vielleicht auch schon in Rußland, allerdings machen sie keine aktiven Experimente. Ich weiß, daß in Japan fünf Jahre lang Experimente mit der Ionisierung durchgeführt wurden. Aber sie bezogen sich nicht auf Niederschläge, sondern darauf, den Nebel auf den japanischen Gebirgsstraßen aufzulösen. Man sorgt für mehr Regen und reduziert so den Nebel, damit er in den Tunneln und in den Bergen, wo er sich sehr oft bildet, den Verkehr nicht behindert.

Deniston: Wie lange, denken Sie, würde es dauern, z. B. in Kalifornien eine Demonstrationsanlage aufzubauen, um die Brauchbarkeit dieser Technik nachzuweisen?

Pulinez: Die eigentliche Anlage aufzubauen, dauert ein bis zwei Wochen, doch man braucht dann mindestens ein Jahr, um in verschiedenen Jahreszeiten zu prüfen, wann es optimale Voraussetzungen gibt, um Niederschläge zu erzeugen. Man sollte auch den Pflanzkalender der Landwirte berücksichtigen, d. h. es geht nicht nur um Wasser zum Trinken, sondern auch für die Landwirtschaft. Aber ein Jahr scheint mir für die Experimente auszureichen.

Deniston: Das sind wirklich begeisternde und wichtige Perspektiven, über die man im Zusammenhang mit der Dürre in Kalifornien und dem Wasserbedarf in anderen Teilen der Welt diskutieren sollte: Es gibt diese Techniken, über die Sie hier sprechen, und auch eine Theorie hinter diesen Technologien, mit denen die Menschheit aktuelle Probleme auf neue Art anpacken kann. Die Aussichten sind jedenfalls begeisternd. Und ich denke auch, da wir ja hier aus den Vereinigten Staaten mit Ihnen in Rußland sprechen, daß das ein sehr wichtiges Gebiet ist, auf dem beide Länder eine produktive und nützliche internationale Zusammenarbeit beginnen könnten.

Pulinez: Unter den heutigen Bedingungen kann das natürlich helfen, unsere Beziehungen zu verbessern, die sich im letzten Jahr etwas verschlechtert haben. Aber unsere Zusammenarbeit beispielsweise im Weltraum, auf der Internationalen Raumstation, in der Physik etc. war niemals an irgendwelche Bedingungen geknüpft, sondern sie war sehr stabil, sehr offen, und ich denke, wir sollten diese Beziehungen aufrecht erhalten. Deniston: Ich danke Ihnen herzlich, daß Sie mitgemacht haben. Es ist immer eine Freude, mit Ihnen zu sprechen und Ihr Verständnis dieser Dinge zu hören.

Pulinez: Vielen Dank, Ben. Kommen Sie uns gerne einmal besuchen, wenn Sie die Möglichkeit haben.

Deniston: Das würde ich sehr gerne tun. Vielen Dank.

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