Die Neue Politik

Johannes Kepler und die Herausforderung für die Demokratische Partei


Selbst die Führungsspitze der Demokratischen Partei ist immer noch von der überraschenden Art und Weise irritiert, wie der Erdrutschsieg bei der jüngsten Wahl des Repräsentantenhauses errungen wurde. Es ist die wichtigste Lehre, welche die gesamte Demokratische Partei um ihrer selbst und der USA willen zu lernen hat.

Die Lehre ist, daß unter bestimmten Umständen etwas, das lediglich als eine neuartige taktische Methode gilt, im Konfliktfall auch strategisch entscheidend sein kann – ob in der Kriegführung oder durch den Beitrag einer relativ kleinen Anzahl junger Erwachsener die im Prinzip bewiesen haben, daß sie durch bestimmtes Vorgehen einen potentiell entscheidenden strategischen Stimmenvorsprung bei politischen Auseinandersetzungen wie den letzten amerikanischen Zwischenwahlen erreichen können. Im vorliegenden Fall dreht es sich um die historisch bedeutsame Rolle, wie die LaRouche-Jugendbewegung (LYM) die Taktik des LaRouche Political Action Committee (LPAC) bei den amerikanischen Kongreßwahlen strategisch umgesetzt hat.

Dadurch ergibt sich die Möglichkeit, zu untersuchen, wie sich dieselbe Methode auf die Notwendigkeit anwenden läßt, der globalen strategischen Bedrohung zu begegnen – der Gefahr eines allgemeinen, weltweiten physischen und finanziellen Kollapses nicht nur der US-Wirtschaft, sondern der derzeitigen realwirtschaftlichen Weltsysteme. Dadurch läßt sich verdeutlichen, welche Bedeutung dem heutigen Begriff „Neue Politik“ gegeben werden muß.

Als gewisse Kreise der Demokratischen Partei nach der Wahl auf den Sieg im Senat und den Erdrutschsieg im Repräsentantenhaus zurückschauten, waren sie erstaunt darüber, was die Wahlanalyse aussagte. Sie fragen sich noch immer: Wie konnte eine Elitegruppe junger erwachsener Mitglieder meiner LPAC-Jugendbewegung an genügend vielen Schlüsselstellen das Blatt wenden, um unter dem viel größeren Anteil von Jungwählern zwischen 18 und 35 Jahren eine Stimmlawine für den Wahlsieg auszulösen?

Die Antwort auf diese Frage ist elementar, wie ich im Laufe dieses Artikels zeigen werde; doch wie bei allen gültigen, wirklich elementaren Entdeckungen eines Prinzips, ist der Prozeß, durch den man zur wesentlichen Wahrheit eines Prinzips gelangt, niemals wirklich einfach. Genau wie bei der erfolgreichen Aufführung eines großen kontrapunktischen Werkes von Johann Sebastian Bach erscheint die Einfachheit der Wahrheit erst, nachdem man die sinnliche Wirklichkeit des wahren Prinzips tatsächlich entdeckt hat.

In früheren Darstellungen, die in den USA und weltweit verbreitet wurden, habe ich die Methode, mit der dies bewerkstelligt wurde, als „Masseneffekt“ bezeichnet, der durch gezielte Aktionen einer relativ kleinen Anzahl junger Erwachsener ausgelöst wurde. Genau dieses Prinzip des „Masseneffekts“ hatte ich bei einem Treffen einer ähnlichen Gruppe junger Erwachsener in Berlin am 3. November – nur einige Tage vor den amerikanischen Zwischenwahlen – nachdrücklich unterstrichen. Die Umsetzung meiner Anweisungen vom 3. November war zu der Zeit innerhalb des amerikanischen Wahlkampfes schon in vollem Gange.

Die LaRouche-Jugendbewegung, ein Führungskader von jungen Erwachsenen, spielte die entscheidende Rolle beim Wahlsieg der Demokratischen Partei bei den Kongreßwahlen am 7. November 2006. Quelle: EIRNS

Wenn man versuchen will, diesen „Masseneffekt“ zu definieren, ist es wichtig, die zwei bis drei Wochen vor der eigentlichen Wahl auflaufende Flut mit dem Fehlen einer irgendwie vergleichbaren solchen Wählerflut in der Altersgruppe der 18- bis 35jährigen zu kontrastieren, die durch das Programm der offiziellen demokratischen Parteiorganisation erzeugt worden wäre.

Der Begriff „Masseneffekt“ ist mit dem physikalisch-wissenschaftlichen Begriff Dynamik austauschbar, einem Begriff, der von Gottfried Leibniz in die europäische Wissenschaft eingebracht wurde. Leibniz leitete diesen Begriff explizit aus dem griechischen dynamis ab, welchen Leibniz unmittelbar aus dem Gebrauch der Pythagoräer, Platon u. a. übernahm. Dieser Gebrauch steht in ausdrücklichem Gegensatz zu jenem Begriff von „Mechanik“, der mit der wissenschaftlich falschen Methode Descartes’ in Verbindung steht. Er steht auch im Gegensatz zu der heute verbreiteten, doch gewöhnlich gescheiterten mechanistisch-statistischen Methode, wie sie weithin in den inhärent inkompetenten Praktiken der gemeinhin akzeptierten Wirtschaftsvorhersage zum Ausdruck kommt.1

Die italienische Renaissance in der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts repräsentierte einen entscheidenen Wandel in Richtung einer wahrhaften Explosion von künstlerischer und wissenschaftlicher Kreativität. Im Bild: Die “Schule von Athen” des Renaissance-Künstlers Raffael.

Angesichts der heraufziehenden globalen finanziellen Zusammenbruchskrise ist es an der Zeit, einen neuen – strategisch relevanten – taktischen Faktor, eine Art Rückkehr zu dem politischen Stil von US-Präsident Franklin D. Roosevelt, in die Politik einzubringen. In der Geschichte treten Prinzipien immer wieder auf, jedoch niemals in genau derselben Form wie in früheren Zeiten großer Veränderungen. Es ist eine wesentliche Tatsache der gegenwärtigen Weltlage, daß die heraufziehende globale Krise bereits voll eingesetzt hat – eine strategische, wirtschaftliche und soziale Krise, vergleichbar derjenigen der 30er Jahre, jedoch viel bedrohlicher als jene. Es gibt bestimmte weitere Unterschiede, die ich an gegebener Stelle ebenfalls in Betracht ziehen werde.

Die Politik aller führenden Parteien West- und Mitteleuropas sowie der USA war in ihrem Einfluß auf die Richtung der transatlantischen Geschichte seit Mitte der 60er Jahre nach allen realwirtschaftlichen Maßstäben ein Fehlschlag. Die alte Politik des heutigen Gestern, der gewohnte politische Stiefel, hat sich bei der Anwendung auf die Realitäten der heutigen Krise als katastrophaler Fehler herausgestellt. Der plötzliche Anstieg von Jungwählerstimmen in den letzten Wochen vor den jüngsten US-Wahlen ist ein entscheidend wichtiges klinisches Beispiel dafür, wie alle relevante Politik, die neue Politik, zukünftig aussehen muß. Deswegen ist eine Neue Politik, mit ihrer Betonung auf Dynamik, wie sie an der bahnbrechenden Rolle der LPAC-Jugendbewegung deutlich wurde, unverzichtbar.

1. Menschliches oder statistisches Verhalten

Der Unterschied zwischen den dynamischen Eigenschaften der erwähnten Zunahme von Jungwählern und anderen Wählern, die sich in den letzten Wochen des Wahlkampfs für die Demokratische Partei registriert haben, hängt von einem grundsätzlichen, aber leider selten erkannten Umstand der Soziologie ab, einem Umstand, der zwar durch das reine statistische Ergebnis veranschaulicht wird, von diesem aber nicht allein ableitbar ist.

Der Fehler, der als Grundursache dieses Unterschiedes erscheinen mag, ist ein verbreiteter, deformierter Begriff vom Wesen des menschlichen Individuums und der Gesellschaft. Diese falsche Vorstellung zieht sich durch die mechanistische Sicht der Menschheit, die sich etwa in den gängigen soziologischen und verwandten heutigen Lehren findet. Obwohl man dabei häufig auf den Begriff „Kreativität“ trifft, wird die ontologische Aktualität des individuellen Prozesses menschlicher Kreativität in heute gängigen Definitionen und Anwendungen des Begriffs praktisch nie aufgezeigt.

Der strittige Punkt in dieser Sache ist, daß sich Kreativität, richtig definiert, nicht nur als experimentell erkennbare souveräne Form individuellen Verhaltens ausdrückt, sondern auch die qualitative „Energie“ – im ontologischen Sinne der „bewegenden Kraft“ – aller großen, positiven Veränderungen in der Entwicklungsrichtung sozialer Prozesse als solcher liefert.

Solche Manifestationen des dem Menschen angeborenen kreativen Potentials zeigen sich – außer sie treten als Ausdruck individuellen Verhaltens auf – normalerweise am deutlichsten in Handlungen, deren historische Bedeutung in gesellschaftlichen Massenprozessen liegt. In der modernen Geschichte, wie zum Beispiel in der Amerikanischen Revolution, die sich in der Periode von 1763–1789 abspielte, äußerte sich ein solches Ferment hauptsächlich in Form von Massenbewegungen in der Schicht junger Erwachsener im Altersbereich von 18–35. Es kann dann von diesem Kern junger Erwachsener auf soziale Prozesse im weiteren Sinne übergreifen, wie dies auch in der Wirkung meiner jungen Mitarbeiter in der erfolgreichen Zwischenwahl zum US-Kongreß erkennbar war.

Die Prinzipien, die in solcher Weise Ausdruck finden, verdeutlichen den wesentlichen Unterschied zwischen Mensch und Tier.

In der üblichen Auslegung der Hauptschriften der hebräischen Tradition, des Christentums und des Islams deckt sich dieser gleiche Unterschied zwischen Mann und Frau und niederen Lebensformen mit der in Genesis 1:26–30 gegebenen Definition. Zudem steht diese Aussage in Einklang mit historischen und verwandten Belegen in der historischen Erfahrung eines absoluten Unterschieds zwischen den Eigenschaften der Menschheit und allen anderen Lebensformen. Der Faktor, der individuelles menschliches Verhalten von dem der Tiere unterscheidet, ist die Qualität individueller Kreativität im Zusammenhang mit der Entdeckung universeller physikalischer Prinzipien oder vergleichbarer Prinzipien klassischer Kunstformen.

Im vorliegenden Fall war es der Jugendfaktor in entscheidenden Schauplätzen der jüngsten Zwischenwahl, der als organisierter sozialer Prozeß in typischer Weise die individuelle Kreativität verstärkte und somit letztlich für den Gesamtausgang der Wahl von strategisch entscheidender Bedeutung war. Das ist die Lehre, die aus dem Wahlergebnis als Ganzem gezogen werden muß.

Die beste Reflexion der Frage von Kreativität in der modernen Wissenschaft findet sich bei dem russischen Akademiemitglied W. I. Wernadskij, der die strenge Unterscheidung zwischen lebenden und nichtlebenden Prozessen entdeckte: die Biosphäre; sowie die Unterscheidung zwischen Mensch und Tier: die Noosphäre. Die schöpferischen Fähigkeiten des Menschen, wie sie sich in der Entdeckung universeller physikalischer Prinzipien ausdrücken, erscheinen ausschließlich im Verhalten des menschlichen Individuums, treten aber nicht als Bestimmungsfaktor der potentiellen relativen Bevölkerungsdichte innerhalb der Grenzen des Verhaltenspotentials anderer lebender Gattungen auf.

Was sich als Potential des individuellen Geistes in Form kohärenter Masseneffekte ausdrückt, ist eine strategisch entscheidende Überlegung, um historisch wichtige Auftriebstendenzen im Kampf für menschlichen Fortschritt und Würde während der letzten dreitausend Jahre europäischer Geschichte zu verstehen. Diese kritischen Auftriebe erscheinen insbesondere in Form revolutionären Aufbegehrens der Art, wie ich sie mit der angedeuteten Form von Masseneffekten verbinde; sie definieren jene entscheidenden Wendepunkte in der Geschichte, auf die wir uns heute wieder konzentrieren müssen, wenn wir uns mit der tödlichen globalen Krise befassen, die über die Welt hereinbricht.

Während sich bei einzelnen normalen Jugendlichen und jungen Erwachsenen in unserer Gesellschaft immer ein gewisser Ausdruck dieses kreativen Potentials zeigt, stumpfen die kreativen Geistespotentiale der meisten in unserer Gesellschaft infolge der vorherrschenden Bildung mit ihren mechanistischen Denkmethoden immer mehr ab. Dies ist während des größten Teils der jüngsten Vergangenheit der Fall gewesen. Zum Beispiel hinterließ die Konditionierung, die den oberen zwanzig Prozent der 68er Generation in den Jahren 1945–56 und später aufgezwungen wurde, umfangreiche, tiefgreifende Schäden in ihren kognitiven geistigen Fähigkeiten. Infolgedessen zeigt nur noch ein immer kleiner werdender Teil jener vom Sophismus geprägten Generation einen Entwicklungsgrad kreativer Fähigkeiten, der noch bei den zwei vorhergehenden Generationen zu finden war.

Nichtsdestoweniger kann ein solches kreatives Potential in jungen Menschen wachgerufen werden, wie meine eigenen Erfahrungen sowie mein Studium dieses Faktors in der Geschichte beweisen. Glücklicherweise treten, wie Percy Shelley dies in den abschließenden Seiten seiner Verteidigung der Poesie betonte, in bestimmten kulturellen Geschichtsperioden – wie zum Beispiel der italienischen Renaissance des 15. Jh. oder dem Aufbegehren der Klassik in Deutschland und anderswo zwischen 1750 und 1789 – regelrechte schöpferische Explosionen im breiteren Umfeld klassischer Kunst und Wissenschaft auf.2 Shelleys Verteidigung der Poesie ist Ausdruck seiner Erfahrung mit dem Kulturoptimismus vor 1789, der von der Zusammenarbeit zwischen Moses Mendelssohn und Gotthold Lessing ausstrahlte. Aus dem geschichtlichen Rückblick folgt, daß es gelungen ist, Perioden hoher, leidenschaftlicher Vorstellungen über Mensch und Natur zu fördern, die wir als Renaissance erkennen sollten. Die außergewöhnlichen Aspekte des jüngsten Wahlsiegs der Demokratischen Partei, auf die ich hier hinweise, verdeutlichen dies. Die LaRouche-Jugendbewegung katalysierte den Zustrom von Jungwählern, indem sie die dynamische Organisierungsmethode um Ideen in einer Weise einsetzte, daß eine relative Handvoll der Bevölkerung in der Lage war, in größeren regionalen Gruppen von 18- bis 35jährigen einen Masseneffekt in Übereinstimmung mit Shelleys Prinzip – dem Renaissanceprinzip – hervorzurufen. Die auf diese Weise dynamisch in Umlauf gebrachten Ideen veranlaßten viele, einfach wählen zu gehen und nach eigenem Gewissen ihre Stimme abzugeben. Was in dieser Hinsicht während der letzten Wochen vor der Wahl geschah, war eine vollkommen gesetzmäßige, wenn auch zugegebenermaßen ungewöhnliche Entwicklung in den letzten Jahrzehnten. Nicht nur könnte das gleiche auch in unmittelbarer Zukunft wieder erreicht werden; solche Entwicklungen sind notwendig, um drastische Verbesserungen in der Regierungspolitik zu ermöglichen, die notwendig sind, um der heranstürmenden globalen Finanz- und Kulturkrise zu begegnen.

Zwei Quellen von Dynamik

Die moderne europäische Wissenschaft verdankt ihre beachtlichen Einsichten in diese Frage hauptsächlich zwei bekannten antiken bzw. modernen Denkströmungen. Die erste verbindet man maßgeblich mit den Pythagoräern und Platon. Die zweite, moderne Strömung verbindet man beispielhaft mit dem Einfluß von Kardinal Nikolaus von Kues aus dem 15. Jahrhundert, der die systematische experimentelle Wissenschaft begründete. Die Ergebnisse hiervon sieht man in seinen Anhängern Leonardo da Vinci, Johannes Kepler, Pierre de Fermat, Gottfried Leibniz und den Kreisen von Carl F. Gauß und Bernhard Riemann. Auf letzteren gründete Wernadskij seine eigene dynamische Methode, die im Gegensatz zu den gescheiterten kartesischen mechanistisch-statistischen Methoden steht.

Der gegenteilige, irrationale, jedoch jüngst wieder verbreitete Trend in der modernen europäischen Geschichte geht vorrangig auf den Einfluß der „neuen venezianischen“ Lehre Paolo Sarpis zurück, der als Herr seines Lakaien Galileo Galilei bekannt ist. Sarpi ist Urheber des reduktionistischen Dogmas, das als Empirismus bekannt ist, wovon die groben Formen des modernen Materialismus sowie Positivismus und Existentialismus abgeleitet sind. Die empiristische Doktrin, von der die heute gängigsten Lehren der Soziologie abstammen, lehnte die antiken und modernen Wissenschaftsrichtungen ab, wie sie sich im Werk von Cusanus, Leonardo, Kepler u. a. ausdrücken, aber sie war ironischerweise eine Abkehr von den schlimmsten Aspekten mittelalterlicher europäischer Kultur insofern, als sie begrenzten technologischen Fortschritt zuließ, wobei aber die Untersuchung der tatsächlichen Erkenntnisprozesse verboten war, durch die z. B. mit den Methoden von Brunelleschi, Cusanus, Leonardo, Kepler, Fermat, Leibniz, Gauß und Riemann experimentell beweisbare universelle physikalische Prinzipien erzeugt werden.

Leider gründen sich die meisten herrschenden Lehren der modernen Soziologie, der politischen Theorie und Wirtschaftsvorhersage auf jene reduktionistischen Ideologien, die sich vom empiristischen Einfluß Paolo Sarpis ableiten.

Um den Punkt zu verdeutlichen, der für die Soziologie des jüngsten Wahlsiegs der Demokraten maßgeblich ist, nehme man Wernadskijs dynamische Definition lebender Prozesse aus den 30er Jahren als Beispiel. Wernadskij betonte, daß zwar in lebenden wie nichtlebenden Prozessen die gleiche Auswahl atomarer Materie auftritt, doch die Organisationsweise lebender Prozesse unterscheide sich vollkommen von der nichtlebender Prozesse. Dadurch definiert sich der Bereich lebender Prozesse und ihrer Produkte als Biosphäre, ein Bereich, der sich von dem Bereich nichtlebender Prozesse als solcher unterscheidet.3

Ähnlich drücken sich in den Eigenschaften, wie nichtlebende und lebende Prozesse in der spezifisch menschlichen Geschichte organisiert sind, Prozesse aus, die weder im nichtlebenden Bereich oder der Biospäre als solcher auftreten. Das sind die Eigenschaften von Wernadskijs Noosphäre. Überdies besitzt der Bereich menschlicher Geschichte einen höheren Grad antientropischer Entwicklung als der nichtlebende Bereich oder die Biosphäre.4

Die „alte Politik“ zielte darauf ab, Menschen auf das rein Sinnlich-Tierische zu reduzieren. Ein Beispiel dieses kulturellen Ausflusses: Die Rocky Horror Show (im Bild) | Quelle: Feature Photo Service

Die Welt ist jüngst in eine neue Phase der Geschichte, insbesondere der modernen europäischen Geschichte eingetreten, in der die Entwicklung von Wissenschaft und Technologie und deren Anwendung zur Förderung von Wachstum und einer höheren Lebenserwartung der Bevölkerung eine Situation erzeugt hat, in der das Führen langwieriger Kriege als Mittel der Politik für vernünftige Regierungen keine verfügbare Option mehr ist. Sie hat vielmehr die Menschheit vor die dringende Aufgabe gestellt, weltweit die Herrschaft der Kernspaltung zu ermöglichen, die zum Beispiel ein unverzichtbares Mittel zur wirtschaftlichen Energieerzeugung und zur dringend benötigten umfangreichen Meerwasserentsalzung ist. Wir stehen darüber hinaus am Rande der Möglichkeit, die Kernfusion umfassend zu nutzen, nicht nur als Energiequelle, sondern auch als Mittel zur Bewirtschaftung der Rohstoffe des ganzen Planeten im weiteren Sinne.5

Jetzt, wo die alten Angewohnheiten, die sich die Regierungen während der letzten Jahrzehnte zugelegt haben, versagen und sich neue Herausforderungen stellen, muß die Politik von den Gewohnheiten abrücken, die den kulturellen und wirtschaftlichen Absturz der transatlantischen Gesellschaft in den vergangenen vierzig Jahren verursacht haben. Es ist Zeit für eine neue Politik, die eine neue Qualität wissenschaftlicher und klassischer künstlerischer Kreativität betont – eine Veränderung, die in der Entwicklung des schöpferischen Potentials der jungen erwachsenen Bevölkerung wurzeln muß.

2. Die alte Politik

Die „alte Politik“, wie sie selbst in den USA noch immer wie eine Art Glaubensritual betrieben wird, ging im Prinzip auf die olympischen Feinde des Prometheus zurück, über den der antike Dramatiker Aischylos in seinem Der gefesselte Prometheus berichtet. Prometheus wurde von dem eigentlichen Satan des Stückes, dem olympischen Zeus, zu ewiger Folter verdammt, weil er die sterblichen Menschen über den Gebrauch des Feuers – oder, wie wir heute vielleicht sagen würden, der Kernspaltung als Energiequelle – aufklärte.

Diese Tradition, die menschliche Bevölkerung in einem relativ bestialischen Zustand der Verdummung, fast wie Vieh auf der Weide oder im Stall, zu halten, war das schicksalhafte Los des größten Teils der Menschheit in der bekannten antiken, mittelalterlichen und sogar modernen Geschichte. Die spanischen, portugiesischen, holländischen, britischen und französischen Befürworter des Sklavenhandels waren bis zum Sieg von US-Präsident Lincoln über die britische Unterstützung des Sklavenhandels der spanischen Monarchie im 19. Jh. das relativ extreme Beispiel dieser Politik des zutiefst satanischen Zeus, wie dieser von Aischylos dargestellt wird. Bemerkenswert sind dabei die Todesstrafen, die in den von London gestützten Südstaaten gegen diejenigen verhängt wurden, die Sklaven das Lesen oder Schreiben lehrten.

Selbst der Bruch mit Europas Politik der Sklaverei in Afrika und auf dem amerikanischen Kontinent – ein von Präsident Lincolns Sieg über Lord Palmerstons Südstaaten und den Nazivorläufer Kaiser Maximilian in Mexiko definierter Wendepunkt – befreite die Menschheit nicht notwendigerweise von der damit verbundenen Sklaverei kultureller Dekadenz. Diese fortdauernde Dekadenz drückte sich dadurch aus, daß tierische Triebe und Begierden die Rolle kreativer Vernunft bei der Verbesserung der menschlichen Lebensumstände ersetzten.

Die nötigen Veränderungen der menschlichen Verhältnisse entstehen dadurch, daß das menschliche Denken durch die Entwicklung kreativer Fähigkeiten, die auf dem höchsten Ausdruck wissenschaftlicher und künstlerischer Revolutionen in der Geschichte gründen, verändert wird. Der alte Satan, der olympische Zeus aus Aischylos’ Der gefesselte Prometheus, herrschte noch immer im Rahmen der verbreiteten Volksmeinung. Die Menschen ließen sich von Tyrannen beherrschen, weil sie sich nicht selbst regiert haben; das wäre nur möglich gewesen, wenn sie den in der Knechtschaft wurzelnden Populismus aufgegeben und sich zu Repräsentanten dessen gemacht hätten, was ich hier die Neue Politik nenne.

Sarpis Empirismus und der seiner Anhänger Galileo, Sir Francis Bacon, Thomas Hobbes, John Locke, Descartes, de Moivre, D’Alembert, Leonhard Euler, Lagrange, Laplace, Cauchy u. a. untersagte jedes Wissen wirklicher universeller physikalischer Prinzipien, ganz ähnlich wie ihr Vorkämpfer Voltaire versuchte, die Naturwissenschaften wie auch die Künste dazu zu mißbrauchen, nur noch Ramsch wie die seelenlose Musik von Rameau und Fuchs zu erzeugen. Die Maßregeln der Empiristen erlaubten damals wie heute nur mit großer Mißgunst ein gewisses Maß an intellektueller Schwangerschaft, unter der Bedingung, daß die fruchtbaren Methoden geistiger Fortpflanzung nicht nur verheimlicht, sondern regelrecht geleugnet würden.

Europäische Republikaner waren in der Lage, mit den Vereinigten Staaten von Amerika in relativ sicherer Entfernung vom “alten Europa” eine wahre Republik zu begründen. Im Bild: Helga Zepp-LaRouche präsentiert die “Erklärung der unantastbaren Menschenrechte” des Schiller-Instituts; ein Dokument von 1985, das auf der Unabhängigkeitserklärung der USA basiert. Quelle: EIRNS/Philip Ulanowsky

In der modernen europäischen Gesellschaft führte der „aufgeklärte“ empiristische Bann gegen das allgemeine Wissen von der Entdeckungsmethode universeller physikalischer und klassischer Kunstprinzipien zum Aufkommen „populistischer“ Lobgesänge auf die angeblichen Tugenden allgemeiner Unwissenheit über die gesetzmäßigen Entdeckungsprinzipien in Naturwissenschaften und klassischer Kunst. Die Ideologie der heutigen „Populärwissenschaft“ und „Unterhaltung“ sind oft ein Ausdruck davon, wie moderne Liberale und andere aus der allgemeinen Ignoranz einen Kult gemacht haben: Ignoranz jener Prinzipien, die den grundlegenden Unterschied zwischen dem Menschen und niederen Lebensformen ausdrücken. Die Rolle, die der satanistische „Kongreß für kulturelle Freiheit“ im Europa nach Franklin Roosevelts Tod spielte, sowie die prosatanische US-Unterstützung für die existentialistischen Kreise von Heidegger, Adorno, Horkheimer, Arendt u. a. und die damit verwandte Förderung Bertolt Brechts sind typisch dafür, wie die USA die Tradition der anglo-holländischen Liberalen übernahmen und damit eine Politik menschlicher kultureller Neotenie (bzw. Neotonie)6 betrieben, so wie ich die Absicht hinter einer solchen induzierten Neotenie in einem kürzlich erschienenen Aufsatz beschrieben habe.

Diese Entwicklung, für die der satanische Kongreß für Kulturelle Freiheit in Europa und ein paralleles Programm, welches sich gegen die Bevölkerung der USA richtete, stehen, war von den maßgeblichen anglophilen Strömungen innerhalb der USA zusammen mit ihren anglo-holländischen liberalen Partnern entworfen worden, um die Wurzeln der oligarchischen Traditionen im „alten Europa“ aufzufrischen. Der so erneuerte Ausdruck des Sophismus basierte wie derjenige, der das Athen von Perikles dem Untergang weihte, auf der vermeintlichen Unveränderlichkeit der Traditionen, hinter denen sich die oligarchischen Einflüsse wie Drachenzähne verbergen, bereit, sich zu erheben und die Nation im Namen der Tradition erneut zu erfassen. Zu diesem Zweck mußte man nur die kulturellen „Kinderkrankheiten“ der Menschheit wiedererwecken, besonders jene, die sich heimlich im infizierten Boden des „alten Europa“ verbergen.

Der Begriff des „alten Europa“

Das, was die USA mit ihrer antiempiristischen Unabhängigkeitserklärung und Verfassung wurden, war eine Schöpfung von Europäern, denen die Umsicht gebot, in relativ sicherer Entfernung vom „alten Europa“ und seiner tiefsitzenden Fäulnis oligarchischer Traditionen eine wahre Republik mit den besten Traditionen und Ideen Europas zu errichten.

Der ursprüngliche Impuls für die Besiedelung des amerikanischen Kontinents kam bereits aus der „Goldenen Renaissance“, als im Rahmen des großen ökumenischen Konzils von Florenz die moderne Zivilisation geboren wurde. Die Rückschläge, die die Umsetzung der Konzilbeschlüsse durch den Fall Konstantinopels und die von Spanien entfesselten Religionskriege erlitten, veranlaßte maßgebliche Europäer dazu, nach Örtlichkeiten jenseits des problembehafteten Mittelmeerraumes zu suchen, wo man die Prinzipien des Konzils verwirklichen könnte.

Der erste spezifische Ansatz in dieser Richtung kam von Nikolaus von Kues, der mit seiner Lehre die moderne europäische Wissenschaft begründete.

Nikolaus von Kues reagierte auf den Fall Konstantinopels mit dem Vorschlag, die Ozeane zu erkunden und Verbindungen zu entwickeln, auf denen eine zukünftige Weltordnung zwischen den Völkern aufgebaut werden könnte. Dieser Vorschlag des Kardinals Nikolaus von Kues, der 1464 starb, erlangte die Aufmerksamkeit eines genuesischen Kapitäns, der im Dienste der Portugiesen stand: Christopher Kolumbus. Kolumbus’ Briefwechsel mit einem Freund des Cusaners, dem italienischen Wissenschaftler Paolo dal Pozzo Toscanelli, in der Zeit um 1480 erweiterte Kolumbus’ Kenntnis über die Werke des Nikolaus von Kues und lieferte entscheidende wissenschaftliche Hilfen für die Wiederentdeckung des Kontinents jenseits des Atlantik durch den erfahrenen Seefahrer Kolumbus.

Während dieser Zeit verbreiteten sich die Ideen des Kardinals Nikolaus von Kues in Breite und Tiefe als die wesentlichen Konzepte bei der Entstehung der modernen europäischen Zivilisation aus dem selbstverschuldeten Ruin der bis dahin herrschenden ultramontanen Allianz aus normannischen Kreuzfahrern und der venezianischen Finanzoligarchie. Vor allem definierte der Kusaner das Konzept des modernen souveränen Nationalstaates (Concordantia Catholica), der modernen experimentellen Wissenschaft (De Docta Ignorantia) und des ökumenischen Prinzips eines Religionsfriedens (De Pace Fidei) (letzteres spielte später für Kardinal Mazarin beim Zustandekommen des Westfälischen Friedens 1648 eine entscheidende Rolle). Gestärkt durch die neue Form von Gemeinwesen, die Ludwig XI. in Frankreich und Heinrich VII. in England errichteten, ebneten diese Entwicklungen den Weg für die Bestrebungen im Massachusetts Bay Commonwealth der Winthrops und Mathers – wie sie bereits in Thomas Morus’ Utopia anklangen –, auf dem amerikanischen Kontinent neue Republiken zu errichten und die besten Ideen und Traditionen Europas als neue Formen von Commonwealth-Gesellschaften in kluger geographischer Entfernung weiterzutragen.

Diese Entwicklungen des 15. Jh. definieren den Begriff des „alten Europa“ im Unterschied zu dem ganz verschiedenen Gesellschaftssystem, welches das moderne Europa darstellte. Die Wiederbelebung von Altlasten wie dem mittelalterlichen ultramontanen System durch das Anknüpfen an feudale Systeme und die venezianische Finanzoligarchie pflanzte den Fluch des „alten Europa“ erneut in den innerlich zerrissenen Körper des neuen ein.

Die Krise der modernen europäischen Kultur

Die Werke des großen François Rabelais, die sich in Cervantes’ Spott über die moralische und intellektuelle Dekadenz der spanischen Habsburger wiederfinden, sind beispielhaft, uns zu helfen, den inneren Konflikt des Kulturkrieges zwischen der italienischen Renaissance und der dem neuen finsteren Zeitalter verhafteten Mentalität des bösen Großinquisitors Tomás de Torquemada darzustellen, jener kriminellen Hitler-Tradition, die in denselben Jahren von Spanien ausging, als Kolumbus 1492 seine erste Amerika-Überfahrt antrat.

Der London nahestehende savoyische Graf Joseph de Maistre definierte die Antirenaissance-Politik, die seit 1492 bis heute den Maßstab für die unerbittliche Opposition gegen das Erbe der „Goldenen Renaissance“ des 15. Jh. in Europa abgibt. Dieser Maßstab wurzelt in einer radikalen Rückkehr zu jener mittelalterlichen, ultramontanen Allianz der venezianischen Finanzoligarchie und der normannischen Ritterschaft, die von 1492 an eine wütende Judenverfolgung betrieb und an die mittelalterlichen Kreuzzüge gegen den Islam anknüpfte. Diese Kombination ist bis zum heutigen Tag das zentrale Merkmal der traditionellen Kraft für das größte Übel innerhalb Europas. Der gesamte Zeitraum von der Vertreibung der Juden aus Spanien 1492 bis zum Westfälischen Frieden 1648 ist die Wasserscheide, die europäische Zivilisation, die jetzt implizit weltweiten Einfluß hat, bis zum heutigen Tag zwischen den Kräften der modernen Zivilisation und dem barbarischen normannisch-venezianischen Erbe spaltet.

Napoleon Bonaparte versinnbildlichte die moderne Variante des Faschismus, die sich gegen die Tradition der Ameikanischen Revolution richtete.

Um die Bedeutung der Rolle Torquemadas zu verstehen, muß man die Schriften des martinistischen Freimaurers de Maistre studieren, der darin die prosatanische Politik Torquemadas als juristischen Präzedenzfall für die Massenhinrichtungen während des Jakobinerterrors bezeichnet. De Maistre war es auch, der eigenhändig die neue Persönlichkeit Napoleon Bonapartes maßschneiderte und so Napoleon zum Vorläufer und Vorbild für die Erschaffung der öffentlichen Person eines Adolf Hitlers machte, dessen Antisemitismus und verwandten Praktiken sich über den Jakobinerterror und Napoleon Bonaparte direkt auf den Großinquisitor Tomás de Torquemada zurückführen lassen. Diese Tradition findet noch heute Ausdruck in der aktiven faschistischen Internationale, und das nicht nur bei den synarchistischen Faschistenbanden Pinochets in Mittelund Südamerika, sondern auch bei den verwandten rechtsradikalen Kreisen der Familie William F. Buckley in den USA.

Das ist die Haupttrennlinie politischer Trends, die noch heute von Mittel- und Westeuropa bis nach Amerika und darüber hinaus verläuft. Genauso ist auch Europa seit der Zeit des Großinquisitors Torquemada bis zum heutigen Tag gespalten. Dieses Übel verfolgte die europäischen Siedler über den Atlantik, und es ist noch heute die Hauptkraft des Übels, das in der ganzen Welt zusammen mit venezianischen finanzoligarchischen Interessen wirksam ist.

Somit hat Kolumbus 1492 solches Übel nicht mit nach Amerika gebracht. Vielmehr repräsentieren Kolumbus und Torquemada den Konflikt zwischen den sich gegenüberstehenden Kräften von Gut und Böse im Spanien der damaligen Zeit. Der Umstand, daß das moderne Europa im Blut des langen Konfliktes von 1492–1648 ertränkt wurde, ist entscheidend zum Verständnis jenes Konflikts, der der einzige wirkliche Ozean ist, der die Gründung der konstitutionellen Republik der USA von der Pest der oligarchischen Traditionen trennt, die in Mittel- und Westeuropa noch heute auf ihre Ausrottung wartet.

Natürlich hielten auch in dem, woraus dann die USA wurden, entsprechende Komplikationen Einzug.

Der Frieden von Paris im Februar 1763 begründete den offenen Konflikt, den wir heute als den Kampf um politische Freiheit von der imperialistischen Tyrannei der anglo-holländischen liberalen Ostindiengesellschaft Lord Shelbournes kennen. Wie die Kernfragen dieser Geschichtsepoche von meinen Mitarbeitern Allen Salisbury, Anton Chaitkin und H. Graham Lowry7 ausgearbeitet wurden, unterteilten die Entwicklungen in London seit Februar 1763 die einflußreichen Kreise in den englischsprachigen Kolonien Amerikas in zwei Fraktionen. Für die erste stand der international angesehene Wissenschaftler und Patriot Benjamin Franklin, die zweite bestand aus Franklins Widersachern, die im Gebiet Neuenglands von derselben Fraktion verkörpert wurden, die schon gegen die Winthrops und Mathers als notorische britische Agenten Front machten, die sogenannte Essex-Junto. Der Verräter Aaron Burr zum Beispiel, ein Agent von Shelbournes außenpolitischem Drahtzieher Jeremy Bentham, steht für all die faktischen Verräter, die mit ihren Nachfahren und einigen Ergänzungen aus der Familie Bonaparte bis heute meine eigenen erbittertesten politischen Feinde innerhalb der USA sind.

Die siegreiche Mobilisierung von US-Präsident Abraham Lincoln gegen die von London geschaffene Confederacy (die Konföderation der Südstaaten) machte die USA zum führenden Nationalstaat der Welt und zum aufsteigenden Rivalen um die Seevormacht des britischen Weltreichs der anglo-holländischen liberalen Finanziers. In der Zeit um die Jahrhundertausstellung 1876 in Philadelphia bis etwa 1879 hatte sich das amerikanische Wirtschaftsmodell als führender Einfluß nach Deutschland, Rußland, Japan und anderswohin ausgebreitet. Für London war diese Ausdehnung des amerikanischen Systems der politischen Ökonomie eine tödliche Bedrohung seiner imperialen Überlegenheit zur See.

Entsprechend wurde 1890 mit der Entlassung von Reichskanzler Bismarck, die durch des Kaisers britischen Onkel, Prinz Edward Albert („Der Herr der Inseln“), veranlaßt wurde, und durch Prinz Edwards anderen unglückseligen Neffen, Rußlands Zar Nikolaus II., ein Prozeß in Gang gesetzt, der über den Zeitraum von der Entlassung Bismarcks bis zur Ermordung des patriotischen US-Präsident McKinley am 14. September 1901 dazu führte, daß letztlich die Kreise zweier Kinder der Confederacy in die Präsidentschaft kamen: Theodore Roosevelt, ein Neffe des Chefs des konföderierten Geheimdienstes in London, und der fanatische Ku-Klux-Klan- Anhänger Woodrow Wilson.

Es gibt jeden Grund optimistisch zu sein, daß die neu aufgestellte Demokratische Kongreß-Führung dazu gebracht werden wird, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Wirtschaft zu retten. Im Bild: Sprecherin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi und Mehrheitsführer im Senat Harry Reid bei der Siegesfeier in der Wahlnacht. Quelle: EIRNS/Bill Jones

Abgesehen von den Präsidentschaften unter Taft und Harding wandelte sich die US-amerikanische Politik seit der Ermordung McKinleys 1901 bis zur Amtseinführung Franklin D. Roosevelts am 4. März 1933 radikal um. London galt nicht mehr als Sitz des Hauptfeindes unserer Nation, sondern es entstand eine Allianz der USA mit dem britischen König Edward VII. zur Unterstützung von dessen imperialen geopolitischen Kriegen gegen jene Nationen Europas, die das amerikanische System der politischen Ökonomie als ihr Entwicklungsmodell angenommen hatten!

Mit dem Tod Franklin Roosevelts am 12. April 1945 und der Amtseinführung seines Nachfolgers setzte wieder ein Trend zurück zum Erbe Theodore Roosevelts, Wilsons und Coolidges ein. Die Präsidenten Eisenhower und Kennedy waren Ausnahmen, und auch Präsident Lyndon Johnson zeigte ähnliche Absichten, aber mit der Amtseinführung von Präsident Nixon saß London wieder im amerikanischen Wirtschaftssattel, wie schon zuvor unter Theodore Roosevelt, Wilson und Coolidge.

Diese Teilung in der europäischen Kultur ist der Schlüssel zum Verständnis der existentiellen Bedrohung, vor der die USA heute stehen.

Die gegenwärtige Bedrohung durch das „alte Europa“

Wie der Vergleich zwischen Franklin Roosevelt und seinen erwähnten Vorgängern zeigt, ist das institutionelle Erbe der Amerikanischen Revolution und ihrer Verfassung ein starker, tief verwurzelter Teil der amerikanischen politischen Tradition. Ein Tier ist kulturell sozusagen gerade erst geboren; ein Mensch, eine Gesellschaft jedoch ist überwiegend ein Erzeugnis der Geistesgeschichte seines Volkes, und folglich erbt der einzelne Mensch tief in der Gesellschaft eingebettetes „Keimmaterial“, welches – wie neugeborenes Leben – erneut aufgehen kann, selbst wenn es in der Gesellschaft über Generationen hinweg geruht zu haben scheint.

Das ist es, was unsere Gegner, insbesondere jene in Europa, heute an den USA fürchten. Die britische Oligarchie ist sich der Kränkungen, die es in den letzten Jahrhunderten von amerikanischer Hand erlitten hat, empfindlich bewußt, und da wir und jene Oligarchie durch eine vermeintlich gemeinsame Sprache voneinander getrennt sind, sind sich die britischen Meisterspione und ähnliche Ideologen überaus bewußt darüber, welche Gefahr unsere Tradition für ihr System bedeutet, sollten wir uns wie die Präsidenten Washington, Lincoln und Roosevelt sowie auch Präsident Eisenhower dafür entscheiden, uns aus dem Griff der korrumpierenden intellektuellen Ketten des anglo-holländischen Liberalismus zu befreien.

Auf ähnliche Schwierigkeiten trifft man in anderen Gegenden des alten Europas: In Frankreich auf das napoleonische Erbe, in Deutschland auf die oligarchische Tradition sozialer Klassen. Italien ist in ganz West- und Mitteleuropa den USA in mancherlei Weise am nächsten, und dafür gibt es Gründe.

Diese Frage kann und muß näher untersucht werden. Der Schlüssel für die tiefgreifende moralisch-politische und andere kulturelle Korruption Europas ist die Tatsache, daß die Regierungen dort ihr Geburtsrecht auf Freiheit wie in der Legende für einen Teller Suppe verkauft haben. Sie haben parlamentarische Systeme, unter denen Regierungen, so wie heute, im wesentlichen Lakaien privater Finanzinteressen sind, die das Zentralbankenwesen kontrollieren. Dementsprechend haben sie in allen Bereichen, die von der liberalen Vormachtstellung privater Zentralbankensysteme aus venezianischer Tradition in Fesseln gelegt sind, keinerlei wirkliche Souveränität.

Dieser potentiell tödliche oligarchische Schwachpunkt im europäischen Souveränitätsverständnis ist die wesentlichste Korruption, sozusagen das Wesen des alten Europas im modernen Europa unserer Tage.

Unter Bedingungen, wo fehlgeleitete Europäer und andere den anglo-holländischen Liberalismus der üblichen Verfassungskultur der USA vorziehen, sind die Europäer viel leichter potentielle Sklaven für anglo-holländische diktatorische Systeme wirtschaftlicher und ähnlicher Vergewaltigung. Sie wollen aus diesem Grund lieber von den Briten vergewaltigt werden, anstatt das zukünftige Eheglück mit Amerikanern zu suchen. Es ist jedoch für unseren unmittelbaren Zweck hier entscheidend, daß ihnen das tiefsitzende Gefühl moralischer Autorität fehlt, wie es Franklin Roosevelt vom 4. März 1933 an zeigte – eine Qualität nationaler Souveränität, die typisch amerikanisch ist.

3. Die neue Währungspolitik

Meine derzeitige Einschätzung ist: Sollte sich der von der Hypothekenblase und Hedgefonds getriebene Zusammenbruch des US-Dollars in naher Zukunft bis zu einer relativen Entwertung um wahrscheinlich 20–30 % beschleunigen, so würde dies unter den jetzt herrschenden weltweiten Bedingungen wahrscheinlich einen kettenreaktionsartigen Zerfall des bestehenden weltweiten Finanzsystems und daraufhin wahrscheinlich eine Zusammenbruchskrise des weltweiten realwirtschaftlichen Systems auslösen.

Das ist bloß eines von mehreren Szenarien, mit denen man vernünftigerweise rechnen sollte, aber alle diese Szenarien laufen auf ein ähnliches Ergebnis hinaus, und das ungefähr im gleichen Zeitrahmen.

Kein Teil der Welt hätte im Fall eines solchen Zusammenbruchs des US-Dollars wirklich einen Vorteil. Alle Dollar-Eigentümer auf der Welt würden in den Strudel hineingerissen, und die Märkte, auf welche die sog. „Billiglohnländer“ angewiesen sind, erlebten einen schnellen und tiefen Absturz, aus dem, wenn überhaupt, nur ganz wenige mit unversehrter Souveränität hervorgingen.

Sogenannte Wirtschaftswissenschaftler und verwandte „Experten“, die die Umstände, für die dieser Fall nur ein Beispiel ist, und die so gut wie sicheren baldigen Folgen dieser Umstände nicht erkennen, verhalten sich schlimmer als inkompetent, wie Narren voller Illusionen.

Das Hauptproblem im Umgang mit Kongreßabgeordneten und ihren Stäben ist derzeit eine verbreitete ängstliche Tendenz, dringend notwendige Reformen auf Maßnahmen zu beschränken, die zum gleichen Ergebnis führen müssen wie ein von vornherein verlorener Krieg. Diese Art von Krieg würde verloren, weil Leute in den politischen Machtpositionen nicht bereit waren, das Nötige schnell genug zu tun, um die USA und die Welt vor einem raschen Absturz in eine weltweite Zusammenbruchskrise zu bewahren, die man in der Geschichte „neues finsteres Zeitalter“ nennt. Tatsächlich drohen uns gegenwärtig recht unmittelbar der Absturz in ein weltweites neues finsteres Zeitalter und ein daraus folgender katastrophaler Zerfall der Zivilisation.

Nichtsdestotrotz ließe sich eine solche Katastrophe objektiv abwenden, wenn die entsprechenden politischen Kräfte bereit wären, rechtzeitig Maßnahmen zu ergreifen.

Ich teile die pessimistische Sicht, mit der ich gerade diesen Teil meiner Schrift eröffnet habe, selbst nicht. Ich berichte lediglich, was meine Mitarbeiter und ich, jedenfalls bis vor kurzem, in maßgeblichen politischen und anderen Kreisen der USA als vorherrschende Einstellung vorgefunden haben. Ich hoffe mit gutem Grund, diese Situation bald verbessern zu können, wenn man mir die entsprechenden Möglichkeiten dazu bietet.

Es besteht aber derzeit keinerlei Hoffnung auf eine wirksame Initiative der Regierungen West- und Mitteleuropas. Es gibt aber trotz des beklemmenden Mangels an Realitätsgefühl in den meisten führenden Kreisen West- und Mitteleuropas Grund zu hoffen, daß die USA sich sammeln und die notwendigen Initiativen ergreifen, von denen die Zusammenarbeit für das Überleben der Weltzivilisation abhängt.8 Eine entsprechende amerikanische Initiative muß das Grundgerüst liefern, mit Hilfe dessen ein entscheidender Teil der nationalen Systeme der Welt in die nötige Form von Zusammenarbeit, die wir alle brauchen, eintreten können.

Trotz der vielen hochrangigen Zweifler und Pessimisten in unserer heutigen Welt steht also ein Ausweg aus dem uns drohenden weltweiten Desaster offen. Dennoch bleibt es eine beunruhigende Tatsache, daß man angesichts der Gemütslage führender Kreise in der transatlantischen Gemeinschaft und darüber hinaus bislang den Eindruck erhalten kann, daß die verfügbaren Lösungsmöglichkeiten nicht rechtzeitig ergriffen werden, um einen allgemeinen, weltweiten Zusammenbruch der Zivilisation noch abzuwenden. Dies ist im wesentlichen die irrige, pessimistische Meinung außerhalb der USA, die wir in der unmittelbar bevorstehenden Zeit ändern müssen.

Unsere Anstrengungen, die amerikanische Regierung zu bewegen, nützliche Maßnahmen zur Abwendung der heranstürmenden Katastrophe zu ergreifen, wurden bis heute blockiert; schon gegen den Gedanken an sich, Maßnahmen in Betracht zu ziehen, von denen der Fortbestand unserer Zivilisation abhängt, gab es bestimmte Einwände. Diese Lage wird veranschaulicht durch Sätze wie „Nicht, solange Bush Präsident ist“ oder „Unser politisches System ist nicht dafür geschaffen.“

In Wirklichkeit ist die politische Verfassungsordnung der USA entgegen dieser und ähnlicher Einwände von ihrer Anlage her heute auf der ganzen Welt für solche Maßnahmen die am besten geeignete; die Regierung von Präsident Franklin Roosevelt beweist das. Zugegeben, die gegenwärtige Krise ist viel schwerwiegender, als es die wirtschaftlichen Probleme zu Roosevelts Zeiten waren. Doch die Prinzipien, die nötig sind, um die heutige Bedrohung zu überwinden, entsprechen den verfassungsmäßigen Präzedenzfällen, wie sie vor allem die Präambel der US-Verfassung übergreifend verkörpert und die Präsident Roosevelt so erfolgreich einsetzte.

Auf meiner Internetkonferenz in Washington am 31. Oktober 2006 habe ich in meiner Rede und später in einer Antwort auf eine entsprechende Frage zusammengefaßt, welches Vorgehen ich hier vorschlage. Anschließende Reaktionen offizieller und anderer Kreise auf diese Teile des Internetforums zeigen einen wachsenden Wunsch, meine Vorschläge näher zu besprechen, während sich der Kongreß auf seine Arbeit, wahrscheinlich eine Marathonsitzung, vorbereitet. Ich komme diesem Wunsch nach und werde das auch in der nächsten Zeit weiterhin tun.

Franklin Delano Roosevelts Notmaßnahmen, um die US-Wirtschaft aus einem Disaster zu führen, bezogen auch die ein, die am meisten litten. Im Bild: Roosevelt in Warm Springs, Georgia, wo er ein Polio-Zentrum stiftete. Quelle: FDR Library

Bevor wir eine detailliertere Übersicht über die Lösung der drohenden Krise geben, sollte man betonen: Die Methoden der LaRouche-Jugendbewegung während der Schlußphase der jüngsten Kongreßwahl liefern einen Vorgeschmack, welchen Ansatz man verfolgen muß, um die nötigen politischen Kräfte für die dringend notwendigen Reformen zu organisieren.

Nachdem das gesagt ist, müssen wir unseren Überblick über die unmittelbare Lage beginnen, indem wir die Frage des Geldes an sich definieren und dazu die Vorstellung eines inhärenten asymptotischen Wertes monetärer Abläufe als solcher über Bord werfen. Mythen zu entlarven, die sich auf der Straße und an den Universitäten hartnäckig halten, ist eine unverzichtbare Voraussetzung dafür, deutlich zu machen, welche Art von Maßnahmen geeignet sind, die Zivilisation vor der herannahenden Gefahr der Zusammenbruchskrise nicht nur des US-Dollars, sondern der ganzen Weltzivilisation zu bewahren.

Überwinden läßt sich der verderbliche Glaube an solche Mythen nur mit den dynamischen Methoden, wie sie die LaRouche-Jugendbewegung vor der jüngsten Wahl an entscheidenden Orten und Zeitpunkten mit bemerkenswertem Erfolg eingesetzt hat.

Damit kommen wir zu der nötigen Diskussion über das Geld.

3.1 Was ist eigentlich Geld?

Geld war bis heute für jede moderne Wirtschaft eine Notwendigkeit, und das wird auch bis in die absehbare weitere Zukunft gesellschaftlicher Organisation so bleiben. Dementsprechend hat Geld per Definition einen gewissen Nutzen; aber entgegen verbreiteter akademischer und anderer Märchen hat Geld in der modernen zivilisierten Wirtschaft niemals einen Wert an sich gehabt und wird ihn nie haben. Das ist der entscheidende Punkt, der uns jetzt beschäftigen soll.

Die Hauptquelle der Verwirrung in dieser Frage ist, daß viele Menschen an einen Mythos vom Geld glauben statt an die Wirklichkeit des Geldes. Geld und Bankenwesen werden bei jeder erfolgreichen Organisation der gefährdeten Weltwirtschaft eine entscheidende Rolle spielen – aber es eine sein, die sich auf die hier von mir vertretene Auffassung vom Geld gründen muß.

So geht zum Beispiel eine verbreitete Illusion von der Annahme aus, Geld habe irgendeinen Eigenwert, der sich „auf natürliche Weise“ feststellen ließe, sobald die Eingriffe des Staates in die Wirtschaft wegfielen. Diese Illusion ist in populistischen Kreisen weit verbreitet, aber sie wäre unter den Umständen der herannahenden Krise für Amerika und für die ganze Zivilisation tödlich. Geld hat keinen zurechenbaren Eigenwert. Der einer Währung beizumessende Wert ist ein gesellschaftlich bestimmter Wert, ein physischer, kein „natürlicher“ Wert. Karl Marx und die anglo-holländischen Liberalen, die Karl Marx den Glauben an das britische System politischer Ökonomie lehrten, waren leichtgläubige Narren, so wie es ihre Lehrer wollten. Die anglo-holländische Lehre vom Geld ist ein ihren Anhängern induziertes Hirngespinst, und diese Täuschung soll nur dem räuberischen System nutzen, das sie zu seinem Vorteil nährt und erhält.

Die tatsächliche, notwendige Rolle von Geld bei einer vernünftigen Lösung der weltweiten Krise dürfte, zumindest in den Augen vieler, eher der Rolle ähneln, die ihm die Institutionen der USA vor den radikalen Veränderungen im Wirtschafts- und Finanzsystem zwischen 1971 und 1981 gaben. Deswegen muß man, bevor man irgendwelche Rezepte zur Veränderung des bestehenden Systems im Einzelnen darstellt, die axiomatischen Unterschiede zwischen Mythos und Realität heutiger Geldsysteme klären. Da man Lösungswege so gestalten muß, daß das Funktionieren von Geldsystemen in und zwischen Nationen sichergestellt ist, müssen wir zuerst die Begriffe klären, nach denen wir verfahren sollten.

Da wir es im Prinzip mit einer gewissen Kontinuität innerhalb der Evolution europäischer Geldsysteme von der Antike bis heute zu tun haben, ist es für eine kompetente, systematische Behandlung dieses Themas erforderlich, die Entwicklung solcher Systeme – wenn auch nur schematisch – auf die Antike zurückzuführen: auf die imperiale Rolle des internationalen Geldverleihs durch ein Kartell von Finanzinteressen beim Apollo-Tempel von Delphi und auf die Seehandelsgeschäfte im gesamten Mittelmeerraum, die dieses Zentrum koordinierte.

Der schlechte Gebrauch des Geldes in der Antike

Seit den frühen Tagen maritimer Finanzsysteme dieser Art waren solche Finanzsysteme in Strukturen eingebunden, die man damals als das „oligarchische Gesellschaftsmodell“ bezeichnete. Dieses Modell gründet darauf, daß die Mehrheit der unterworfenen Bevölkerung wie Vieh gehalten wurde, so wie in Lykurgus’ Sparta eine Minderheit die Mehrheit wie Vieh behandelte. Die Masse wurde behandelt wie Tiere auf dem Bauernhof, so wie der bösartige Physiokrat Dr. François Quesnay die Bauern auf dem feudalen Gut des Grundbesitzers als bloßes Vieh definierte. Sie galten solchen Physiokraten nur als Vieh, das die Menge der hergestellten im Verhältnis zu den verbrauchten Produkten nicht steigern konnte. Die wirtschaftlich wirksame schöpferische Funktion des menschlichen Geistes haben Heiden wie Quesnay, Turgot, Adam Smith, Bentham und ihre Anhänger nie anerkannt.

Ähnlich zitierte Graham Lowry den prosatanischen Bernard Mandeville, dessen Bienenfabel die eigentliche Satansbibel der Mont-Pelerin-Gesellschaft ist: „Die Interessen des Staates waren nicht mehr als die angesammelte Befriedigung der hedonistischen Vergnügen seiner Individuen.“9 Oder wie ich mein eigenes Verständnis von Mandeville einmal zusammengefaßt habe: Er tat so, als würde der Wohlstand von kleinen grünen Männlein verteilt, die unter den Dielen des Universums würfeln, satanische Kreaturen, die jedesmal teuflisch kicherten, wenn der Würfel das Böse belohnte und das Gute ruinierte – ganz ähnlich wie sich die Empfehlungen der Mont-Pelerin-Gesellschaft und des American Enterprise Institute in den USA heute tatsächlich auswirken.

Jedesmal, wenn ein Finanzkrach stattfindet, ist das nur der Beweis dafür, daß der tatsächliche, physische Wert des gesellschaftlichen Ertrages insgesamt viel, viel geringer ist als der Wert, der dem System als Geldwert zugerechnet wurde (siehe Grafik). Diese Diskrepanzen treten auf vielfältige Weise auf, haben aber alle die gleiche Wirkung. Ein typisches Beispiel hierfür sind Gewinne auf Spielschulden, die augenscheinlich die offenen Geldforderungen in der Gesellschaft vermehren, aber gleichzeitig durch damit verbundene Effekte „primitiver Akkumulation“ die Nettoerzeugung realen Wohlstands pro Kopf und pro Quadratkilometer des betreffenden Gebietes verringern.10

Der Sitz der amerikanischen Zentralbank in Washington, D.C., die im Rahmen einer Konkursreorganisation des Weltfinanzsystems unter staatliche Aufsicht gestellt und in eine Nationalbank umgewandelt werden müßte. Quelle: Creative Commons/Dan Smith

Die verrückteste Form von Glücksspiel, die es heute gibt, ist die Spekulation mit Finanzderivaten, die unter dem US-Zentralbankvorsitzenden Alan Greenspan legalisiert wurde – nichts anderes als eine hyperinflationäre Form „primitiver Akkumulation“. Eine solche „primitive Akkumulation“ vermehrt die Menge nomineller Finanzwerte, indem der Bestand nützlicher physischer Werte abgebaut wird. Hedgefonds zum Beispiel vermehren mit dem Kredithebel des süchtigen Glücksspielers vorübergehend den nominellen Marktwert größtenteils wertloser Finanztitel; dadurch steigen die Verbindlichkeiten des Finanzsystems einer Gesellschaft gewaltig an, während der physische Nettowert des gesellschaftlichen Gesamtprodukts drastisch sinkt. Die offiziellen USA heute, u. a. Finanzminister Paulson und Zentralbankchef Bernanke, versinken weiter im Treibsand monetaristischer Torheiten, die unter dem Regime des Ayn-Rand-Anhängers Alan Greenspan ausgeheckt wurden.

Das weltweite Finanz- und Währungssystem kann also ohne eine umfassende Streichung wirtschaftlich wertloser Ansprüche auf rein nominelle Werte, wie Finanzderivate im allgemeinen und Hedgefonds im besonderen, nicht überleben. Von hier rührt die unmittelbarste Gefahr eines Absturzes in ein weltweites neues finsteres Zeitalter.

Ein Beispiel für dieses Prinzip ist der Zusammenbruch der russischen GKO-Spekulation im Jahre 1998, den die von den Spekulanten damals (wie den Hedgefonds heute) verwendete mathematische Formel zur Erzeugung hyperinflationärer primitiver Akkumulation verursachte. Die gewaltige hyperinflationäre Ausweitung einer Blase ähnlicher Art hat in den vergangenen acht Jahren aus dem schon August-Oktober 1998 lauernden Unheil bis heute eine fast sichere finanzielle Kernschmelze gemacht. Nur wenn man die meisten Nominalwerte aus dem inhärent betrügerischen Glücksspiel der Finanzderivate einfach aus den Büchern streicht, läßt sich das Finanzsystem als Ganzes erfolgreich umstrukturieren, so daß es wieder zu realem physischen Wachstum pro Kopf und pro Quadratkilometer kommen kann.

Daran geht kein Weg vorbei. Anderenfalls ist der weltweite Absturz in ein neues finsteres Zeitalter unsere unmittelbare Zukunft. Aber es darf nicht willkürlich sein, sondern muß naturrechtlichen Prinzipien folgen. Und man muß es so anstellen, daß die Grundfunktion des rechtstaatlichen amerikanischen Systems der politischen Ökonomie unversehrt bleibt.

Wenn wir auf die ursprünglichen Seehandelsgeschäfte des Delphischen Kultes zurückblicken, sollten wir rasch erkennen, daß das System des Römischen und Byzantinischen Reiches und das mittelalterliche System Venedigs und der Kreuzritter Paradebeispiele für eine ganz bestimmte Auffassung vom Geld in imperialen Geldund Finanzsystemen sind; ebenso ist es im neuzeitlichen angloholländischen System mit seinem traditionellen Sitz bei der Bank von England unter dem Hitler-Förderer Montagu Norman aus dem Umkreis des Bankhauses Brown Brothers. Diese Tatsache sollte uns darauf stoßen, daß an den Finanzsystemen, die in typischen Universitätsvorlesungen und Lehrbüchern beschrieben werden, überhaupt nichts „natürlich“ ist.

Ein heutiger Jonathan Swift würde wahrscheinlich empfehlen, einem gängigen Universitätsabschluß in Wirtschaftswissenschaft einen „Marktwert weit unter Null“ beizumessen. Und um dem abzuhelfen, hätte er wohl vorgeschlagen, derartige Absolventen mit einem Bußgeld zu belegen, wenn sie an dem verliehenen Titel festhielten.

Es ist jedoch nützlicher, hier festzustellen, daß einmal ein ganz anderer, wissenschaftlich einwandfreier Geldbegriff Grundlage des Wissens gewesen ist. Dies war und bleibt die Wissenschaft der physischen Ökonomie, wie sie Gottfried W. Leibniz im Zeitraum von 1671–1714 entwickelte, die auch als Grundlage für die Entwicklung des amerikanischen Systems der politischen Ökonomie diente, wie man es mit der Arbeit des ersten Finanzministers der USA Alexander Hamilton verbindet. Auf dieses Leibniz-Hamiltonische System bezog sich Präsident Franklin Roosevelt, als er die amerikanische Wirtschaft rechtzeitig wieder in Schwung brachte, um zu verhindern, daß Hitlers Streitkräfte ein Weltreich errichten konnten.

In der Tradition der Vereinigten Staaten ist das amerikanische System, das man mit Männern wie Alexander Hamilton, Henry C. Carey, Abraham Lincoln und Franklin D. Roosevelt verbindet, der natürliche Feind des „Freihandels“ des anglo-holländischen liberalen Imperialismus. Es gibt keine Übereinstimmungen zwischen der anglo-holländischen liberalen Ideologie und diesem Amerikanischen System der Volkswirtschaft, das aus den in der Präambel der amerikanischen Verfassung ausgedrückten Absichten erwächst. Nur deswegen können die USA, und sie allein, der Menschheit eine realistische Hoffnung auf Rettung des bedrohten Weltwirtschaftssystems geben. In diesem historischen Licht betrachtet ist die Lösung offensichtlich: auf die Hilfsmittel zurückzugreifen, die man aus der Geschichte der amerikanischen Verfassung ableiten kann, so wie es Franklin Roosevelt tat.

3.2 Franklin Roosevelts Lösung

Man sehe sich an, was die Regierungen der USA unter Nixon, Ford und Carter im Zeitraum von 1970–81 – von Nixons schamloser Umarmung des Scharlatans Milton Friedman bis zu den grausamen Pilotprojekten der „kontrollierten Desintegration“ der US-Wirtschaft unter Aufsicht und Anleitung der Trilateralen Kommission – alles kaputtgemacht haben. Innerhalb eines einzigen Jahrzehntes wurden das ganze System zur Stabilisierung von Währung, Handel und Investitionen und die protektionistischen Maßnahmen eines „fairen Handels“, die für Franklin Roosevelts kriegsentscheidenden Wirtschaftsaufschwung typisch waren, über Bord geworfen.

Bevor die verheerenden Wirkungen des langwierigen Krieges der USA in Indochina sichtbar wurden, erlebten die USA nach dem Zweiten Weltkrieg eine Phase wirklichen technischen Fortschritts und realwirtschaftlichen Wachstums pro Kopf und pro Quadratkilometer. Ab 1967-68 begann die Talfahrt der US-Wirtschaft, die durch die international verheerende katalytische Wirkung der britischen Regierung unter dem erbärmlichen Premier Harold Wilson noch beschleunigt wurde.

In dem Zusammenhang muß man erkennen, was es bedeutete, als Präsident Dwight Eisenhower in seiner Abschiedsrede vor einem, wie er es nannte, „militärisch-industriellen Komplex“ warnte. Entgegen vieler populistischer Mißdeutungen war die tatsächliche Gefahr, auf die sich diese Warnung bezog, nicht etwa die, daß jemand aus militärischen Abenteuern Gewinn zog, sondern daß die angloholländischen imperialen Interessen mit Hilfe ihrer amerikanischen Helfershelfer die US-Wirtschaft durch ruinöse Kriege und Vorstöße zur Errichtung einer Diktatur zerstören wollten. Das wurde nicht nur an der Kubakrise 1962 und später am Krieg in Indochina deutlich, sondern auch an sämtlichen „Reformen“ der amerikanischen Binnenwirtschaft und des internationalen Währungssystems seit dem Aufkommen der sog. „68er“ und der willentlichen Zerstörung des Bretton-Woods-Systems und des amerikanischen Systems des „fairen Handels“ zwischen 1970 und 1981.

Auch hinter den blutigen Wüstenkriegen, die sich seit April 1975 in ganz Südwestasien ausbreiten, steckt dieselbe Absicht: daß die USA sich selbst zerstören sollen, um so den Weg für die Weltherrschaft einer post-nationalstaatlichen Form des anglo-holländischen liberalen Utopismus, genannt „Globalisierung“, frei zu machen. Das war die Absicht, und so ist es auch geschehen: Unter der von George Shultz zusammengeschusterten Regierung Bush-Cheney regiert der „militärisch-industrielle Komplex“, vor dem Präsident Eisenhower warnte.

Unter einem geistig gesunden Präsidenten und einem moralisch gesunden Vizepräsidenten wäre der Wahnsinn der immer neuen Kriege in Südwestasien niemals begonnen worden. Dazu war eine intellektuell und moralisch korrupte Regierung unabdingbar.

Vor den Entwicklungen auf den Weltmärkten und in der US-Wirtschaft zwischen 1967 und 1981 hatten die USA unter Franklin Roosevelt eine ausbaufähige Struktur protektionistischer Regelungen errichtet. Böswillige Hohlköpfe haben behauptet, diese Regelungen seien eine Art Subvention der Faulen auf Kosten der Fleißigen. Diese Kritiker waren entweder dumm oder sie haben schlicht gelogen – so wie es Liberale des oligarchischen Raubtierkapitalismus und ihre demagogischen Lakaien gerne tun. In Wirklichkeit liefen diese „protektionistischen Reformen“ auf ein System hinaus, das unauslöschlich mit den Absichten der amerikanischen Verfassung verbunden ist. Es ist das System, das manchmal als „fairer Handel“ bezeichnet wird.

Tatsächlich wird das protektionistische System in der Präambel der amerikanischen Verfassung unausgesprochen vorgeschrieben. Die Präambel selbst ist keineswegs zufällig, sondern bewußt Ausdruck eines grundlegenden naturrechtlichen Prinzips, welches im Altgriechischen agápē heißt und außerdem berühmt ist als der Grundsatz, den der Apostel Paulus in seinem 1. Brief an die Korinther, Vers 13 bekräftigt. Man kennt es auch als das Grundprinzip des Westfälischen Friedens von 1648: das Wohl des Anderen, auf dem die ganze neuzeitliche europäische Zivilisation einschließlich des Prinzips des souveränen Nationalstaates gründet.

Deshalb wird beispielsweise derjenige, der ein wirklicher Christ sein will, keine Neokonservativen unterstützen!

Dieses naturrechtliche Prinzip dient nicht bloß dem Schutz der Rechte des Individuums, sondern verpflichtet die Gesellschaft, solchen Tätigkeiten Vorrang einzuräumen, die zur Förderung des Gemeinwohls und zur wirksamen Durchsetzung der Menschenrechte als göttliche Aufgabe – wie in Genesis 1:26–30 nahegelegt – unabdingbar oder besonders dienlich sind. Auf diese Weise hat das Prinzip der Unsterblichkeit in die amerikanische Verfassung Eingang gefunden. In der Unsterblichkeit, der Hinterlassenschaft dessen, was die Lebenden tun, um ihr sterbliches Leben in der Zukunft wirken zu lassen, liegt das Fundament allen Naturrechts.

Wir Menschen sind lebender Teil eines Schöpfungsprozesses, einer Schöpfung, die nichts Feststehendes ist, keine feste und auch keine erodierende Ordnung, sondern ein wachsendes und sich ständig weiterentwickelndes Universum. Wir sind insofern einzigartig, als unser individueller Wille, ausgestattet mit der nur dem menschlichen Individuum eigenen Schöpferkraft im Sinne wissenschaftlicher und künstlerischer Kreativität, den Maßstab für das Ergebnis und damit die Übereinstimmung mit der Leitlinie des Naturrechts ausmacht.

Dies bedeutet zum Beispiel, daß die Arbeit ihren Lohn wert ist, und daß man Investitionen, die der Gesellschaft zugute kommen, fördern muß, während man solche, die das nicht tun, nicht fördert. Das bedeutet in der physischen Ökonomie, daß Investitionen in die Infrastruktur, die für die Steigerung der Produktivität einer Region und der Arbeit notwendig sind, gefördert werden müssen – häufig auf Kosten von Investitionen und Tätigkeiten, die dies nicht sind, wie zum Beispiel spekulative Aktivitäten zur Erlangung von Finanzprofiten.

Lyndon LaRouche, hier mit Mitgliedern seiner Jugendbewegung, gelang es mit einem speziellen politischen Flankenmanöver, Jungwähler in großem Stil zu aktivieren, was die Kongreßwahlen entschied. Quelle: EIRNS/George Hollis

Und wie uns die Geschichte zeigt, gibt es kein echtes Naturprinzip, das vorausbestimmt, daß Markttrends unter Bedingungen des „freien Handels“ auf ein erstrebenswertes Gleichgewicht relativer Preise zustreben. Die Geschichte belegt, daß das Gegenteil der Fall gewesen ist.

Das System fester Wechselkurse unter dem Bretton-Woods-System und die Anwendung von Zöllen und ähnlichen Mechanismen zur Herstellung der Bedingungen eines „fairen Handels“ waren die Merkmale der erfolgreichsten Organisation einer Volkswirtschaft, die die Welt jemals gesehen hat. Die in der Hinsicht ergriffenen protektionistischen Maßnahmen bildeten die Grundlage dieses Erfolges, so wie umgekehrt deren Abschaffung spätestens ab 1977 eine deutliche Abnahme an realer Produktivität und Lebensstandard pro Kopf und pro Quadratkilometer Landfläche in den USA verursachte. Zahlen, die das Gegenteil beweisen sollen, sind nur mutwillige Fälschungen und Erfindungen der Regierung und entsprechender privater Stellen.

Wenn sich beispielsweise die US-Wirtschaft von der ansonsten unvermeidbaren allgemeinen Zusammenbruchskrise erholen soll, müssen die produktiven Investitionen pro Kopf und Quadratkilometer bedeutend gesteigert werden. Dies kann nicht ohne entscheidende Hilfe öffentlicher Kreditquellen geschehen. Gerade angesichts der gegenwärtigen finanziellen und ähnlichen Katastrophen kann man solche Kredite aber nur bereitstellen, wenn es genügend Sicherheit gibt, daß sie innerhalb der nächsten 25–50 Jahre (d. h. innerhalb der nächsten zwei Generationen) zurückgezahlt wird. Das bedeutet, daß man die Investitions- und Produktionsverläufe regulieren muß, um verhältnismäßig stabile Währungen, Preisstabilität und Rückzahlungsfähigkeit über solche langen Zeiträume sicherzustellen. Das erfordert ein System fester Wechselkurse.

Das Ergebnis solcher vorbeugender Maßnahmen ist ein regulierter fester Wert des US-Dollars als Instrument langfristig vertraglich vereinbarten Kredits auf den Weltmärkten. Langfristig heißt hier die Erwartung, Rechnungen und Verträge über Zeiträume von einem Viertel bis einem halben Jahrhundert zu begleichen. Dies kann nur mit Hilfe von Regulierungen der amerikanischen Bundesregierung und verwandter Stellen geschehen.

Diese notwendigen Maßnahmen laufen darauf hinaus, daß der US-Dollar einen verläßlichen absoluten und relativen Wert erhält.

4. Wie man ein neues föderales System schafft

Die notwendigen Maßnahmen, um die USA vor einer fatalen wirtschaftlichen und monetär-finanziellen Katastrophe zu bewahren, gehören zwei allgemeinen Kategorien an. Als erstes betrachten wir die dazu erforderlichen Maßnahmen der US-Regierung im unmittelbaren Interesse des Landes. Als zweites werden wir die wichtigsten internationalen Maßnahmen berücksichtigen.

Der Abbau der physischen Produktivität der US-Wirtschaft pro Kopf und km2 seit 1971–72 und 1977–81 war das Ergebnis zweier grundlegender Veränderungen in der Wirtschaftspolitik und damit verbundener Politikbereiche:

  1. Die Beseitigung des als Bretton-Woods-System etablierten internationalen Währungssystems fester Wechselkurse. Dadurch sank das Realeinkommen aus der Beschäftigung in der physischen Güterproduktion und ähnlichen Arbeitsbereichen, während gleichzeitig Verschleiß und Investitionsabbau bei Infrastruktur und Kapitalgütern voranschritten.
  2. Die Wirkung der ersten Maßnahme wurde dadurch drastisch verschärft, daß das System der sogenannten „protektionistischen“ Steuerung im Sinne eines „fairen Handels“ bewußt zerstört und durch eine Politik der Lohnsenkungen und eines sich beschleunigenden Abbaus der Investitionen in den Lebensstandard, die produktionsorientierte Kapitalintensität und die grundlegende Wirtschaftsinfrastruktur ersetzt wurde.

Infolgedessen sank während des gesamten 35jährigen Zeitraumes seit 1971 die physische Produktivität pro Kopf und km2 in Produktion, Infrastruktur und hochwertigen Dienstleitungen.

Die Staaten Nordamerikas, West- und Zentraleuropas beispielsweise bieten den unteren achtzig Prozent der Familieneinkommensgruppen nicht mehr den durchschnittlichen Lebensstandard pro Kopf und km2, wie er in den 60er Jahren erreicht worden war. Die USA sind von einem Staat mit den deutlichen Eigenschaften einer Republik zu einem Staat ständiger Armut in den unteren achtzig Prozent der Bevölkerung zurückgefallen, wie man dies sonst nur in einem oligarchischen Gesellschaftsmodell kennt, in dem die oberen 3–20 Prozent das Sagen haben.

Aufgrund der sinkenden Beschäftigungsquote in der Güterproduktion und essentiellen Dienstleistungen seit 1971–1981 haben sich die Arbeitsplätze weltweit in Länder mit immer ärmeren Lebensbedingungen pro Kopf und km2 verschoben. Der Wandel von entwickelten Volkswirtschaften zu einer Wirtschaft, in der arme Völker das herstellen, was Länder verbrauchen, die einst für sich selbst produzierten, ließ die durchschnittliche Produktivität pro Kopf und km2 weltweit absinken.

Das Ergebnis dieser Verschiebungen in der Zeit von 1971–2006 ist in der hier abgebildeten „Kollapskurve“ veranschaulicht. Während sich in Amerika und Europa der Rückgang der physischen Produktion pro Kopf fortsetzt, ist jetzt eine kritische Schwelle erreicht, bei der ein unaufhaltsamer, kettenreaktionsartiger Wirtschaftskollaps in den USA, West- und Zentraleuropa nicht nur diese Regionen selbst, sondern auch die exportierenden Länder Asiens und vergleichbarer ärmerer Regionen, von denen die Stabilität der letzteren abhängt, zum Zusammenbruch bringen würde.

Die Gegenmaßnahme heißt, in einfachen Worten, den Trend der letzten 35 Jahre rückgängig machen, unter dem Vorbehalt, daß der in den asiatischen und afrikanischen Staaten erreichte Grad an technologischer Entwicklung nicht verringert werden darf.

Die 35jährige Verschiebung vom Bretton-Woods-System zu einem sogenannten „nachindustriellen“, „globalisierten“ System hat die reale Arbeitskraft pro Kopf und km2 weltweit abgesenkt. Es ist nun der Punkt erreicht, an dem sich die Charakteristik dieses bis heute andauernden Trends als allgemeine, weltweite Zusammenbruchskrise des Planeten insgesamt offenbart.

Nicht nur müssen wir die Richtung politischer Entscheidungen der letzten 35 Jahre in Amerika und Europa aufgeben und ins Gegenteil umkehren. Wir müssen auch erkennen, daß sich die Welt in diesen drei und mehr Jahrzehnten in einer Weise technologisch verändert hat, daß die Erde aufgrund der relativen Erschöpfung einiger ihrer Naturressourcen ohne eine völlige Aufhebung der während der 70er Jahre und darüber hinaus eingeführten Antikernkraft- und ähnlicher Nullwachstumsdogmen und ohne eine Festlegung auf beschleunigten Fortschritt zur Anwendung der kontrollierten Kernfusion weder die Nachfrage, noch die steigenden Erwartungen einer wachsenden Weltbevölkerung befriedigen könnte. Wir haben insbesondere einen Punkt erreicht, an dem die kombinierte Entwicklung der souveränen Nationalstaaten Eurasiens eine qualitativ neue Weltwirtschaft darstellt, welche eine Herausforderung für die Welt als Ganzes definiert.

In den USA wie in Europa müssen wir deshalb die seit etwa 1968 verbreiteten politischen Trends in der Politik umkehren, während wir uns gleichzeitig anstrengen müssen, die begründeten Entwicklungserwartungen der Völker Asiens und Afrikas sowie Zentralund Südamerikas zu erfüllen. Jetzt muß die lange verschobene Dritte Entwicklungsdekade der Vereinten Nationen eingeläutet werden, begleitet von wissenschaftlichen und technologischen Revolutionen, die sich darin ausdrücken, daß sämtliche Staaten notwendigerweise immer mehr auf Kernspaltungs- und Kernfusionstechnologien setzen.11

4.1 Die Rolle der USA

Die Verantwortung für die Initiative, den genannten wahnwitzigen Trend umzukehren, liegt zwangsläufig bei den USA. Dafür gibt es zweierlei Gründe. Erstens sind, trotz der Entwicklungen von 1971-1972 und der Folgezeit, noch heute Überreste des Bretton- Woods-Systems in Form der nach wie vor unabweislichen Bedeutung des US-Dollars als nomineller Reservewährung im System des Internationalen Währungsfonds vorhanden. Zweitens ist die Überlegenheit des US-Verfassungssystems als Instrument zur Wiederbelebung einer siechenden Weltmarktwirtschaft so groß, daß heute ohne geeignete Initiativen seitens der US-Regierung keine Erholung der Welt von der heranstürmenden weltweiten Zusammenbruchskrise in der Zeitspanne einer Generation möglich wäre.

Die erforderlichen unmittelbaren Initiativen, die für die Rettung der Welt als Ganzer vor der derzeitigen Bedrohung durch eine allgemeine, kettenreaktionsartige Zusammenbruchskrise notwendig sind, lassen sich zum Zweck der politischen Beurteilung in zwei Bereiche unterteilen: die Rolle der US-Regierung bei notwendigen Initiativen zur Reorganisation des globalen Dollar-Finanzsystems, und die erforderliche internationale Arbeitsteilung zwischen den Nationen, um diese Initiative in einen programmatischen Ansatz für eine allgemeine Erholung überzuleiten.

Der erste Schritt, den die Vereinigten Staaten unternehmen müssen, hat somit zwei Aspekte: zuerst muß die US-Regierung das Gemeinwohl der Nation für gefährdet erklären, da dies infolge der nationalen und weltweiten Auswirkungen des drohenden Kollapses des Federal-Reserve-Systems tatsächlich der Fall ist. Als zweites muß die US-Regierung das für eindeutig bankrott befundene Federal-Reserve-System unter den Schutz eines laufenden Konkursverfahrens stellen, wodurch praktisch ein mit der US-Verfassung konformes, „Hamiltonisches“ Nationalbanksystem wiedererrichtet wird.

Die bloße Möglichkeit, einen kettenreaktionsartigen Finanzkollaps zu verhindern, der vermutlich die USA zerstören würde, macht es erforderlich, Banken und ähnliche Finanzinstitutionen der USA unter den vollen Schutz eines Konkursverfahrens zu stellen. Die US-Regierung muß dann mit den so unter Schutz gestellten Banken und ähnlichen Institutionen in einer Art und Weise verfahren, daß der derzeitige Stand der nützlichen Beschäftigung und die essentiellen Funktionen öffentlicher und privater Dienstleistungen in jedem einzelnen Landkreis der USA gewährleistet bleiben. Schutzregelungen für Einlagen und ähnliche Bankfragen sind sicher erforderlich, doch ganz im Mittelpunkt der Überlegungen muß die Aufrechterhaltung der gewöhnlichen Wirtschaftsfunktionen in den einzelnen Landkreisen bzw. einer Wirtschaftszone von funktional eng zusammengehörigen Landkreisen sein.

Jeder, der in der Sicherung solcher Bankenfunktionen nicht das vitale Interesse der Nation und seiner Kommunen sieht, sollte als geistesgestört oder vielleicht als besessener Ideologe angesehen werden, dem seine abartigen Fantasien mehr bedeuten als das Gemeinwohl der Menschen und des Landes. Wir brauchen ein funktionierendes Bankensystem, das sich unter den staatlichen Schutzregeln nahezu so verhält, als hätte es nie einen Bankrott gegeben.

Um im Interesse der Nation die Funktionen der Finanzinstitutionen zu sichern, müssen umfangreiche finanzielle Ansprüche unter Aufsicht gestellt werden, als seien sie eingefroren. Ihre Wertansprüche erlöschen dadurch nicht automatisch; unter geeigneten rechtlichen Vorschriften für die unterschiedlichsten Fälle könnten sie als Vermögenswert weiterexistieren; ihr Nutzwert wäre jedoch bis zum Abschluß des Konkursreorganisierungs-Verfahrens reguliert.

Hierbei werden Ansprüche, die den Charakter von Spielschulden haben oder Anlageerlösen im Glücksspiel entsprechen, mit niedrigster Priorität behandelt. Es wäre unmöglich, das Bankensystem funktionsfähig zu halten, wenn nicht der freie Verkehr großer Geldbeträge aus Glücksspiel und vergleichbaren Transaktionen unterbunden würde. Die Regelung solcher Ansprüche muß durch entsprechende Anpassungen in der Steuerpolitik unterstützt werden.

Der zweite notwendige Schritt ist die staatliche Ausgabe von Geldkrediten, als Finanzkapital sowohl für direkte Investitionen als auch für Investitionen von Bundesstaaten oder beteiligten Privatbanken und vergleichbaren Institutionen. Die Vergabe von Staatskrediten verfolgt drei vorrangige Ziele:

  1. Die Arbeitsmöglichkeiten müssen sich von ungelernten und angelernten Jobs in beliebigen Dienstleistungssparten auf produktive Arbeitsplätze mit spezieller Ausrichtung auf qualitative Produktivitätssprünge in den Stellenangeboten einzelner Landkreise verlagern. Dies muß ohne einen Abbau der Beschäftigtenzahlen erreicht werden, sondern dadurch, daß die Beschäftigungsmöglichkeiten von relativ unproduktiver zu physisch produktiver Arbeit aufgewertet werden. Ziel ist es, den nützlichen realen Produktionsausstoß pro Kopf und km2 in der Personenanzahl, im Ausbildungsstand und pro Kopf der Bevölkerung zu erhöhen, und diese Reformen so durchzuführen, daß sich das Verhältnis von produktiver zu nichtproduktiver Arbeit verbessert und sich der nutzbare physische Produktionsausstoß pro Kopf und km2 Landfläche erhöht.
  2. Der reale Produktionsstand pro Kopf und km2 muß auf ein Niveau gebracht werden, welches das Land über die physische Gewinnschwelle beim gesamten Produktionsausstoß, aber auch bei der Produktivität pro Kopf und km2 eines Landkreises oder Landkreisverbunds hinausführt.
  3. Technologisch fortschrittlicherer Produktion muß höhere Priorität eingeräumt werden als weniger fortschrittlicher, es sei denn, ein spezifischer Produktionszweig ist an sich notwendig. Vorrang erhalten gewöhnlich lokale mittelständische Unternehmen, auf die sich die örtliche Wirtschaftsentwicklung und wichtige öffentliche Funktionen im Landkreis oder einem Landkreisverbund stützt. Nationales Ziel sollte es sein, die Produktion und den Ertrag der Landbewirtschaftung von Landkreisen und Landkreisverbünden im gesamten Land zu erhöhen. Es müssen auch Steuerungsmaßnahmen ergriffen werden, um eine exzessive Flucht von Kapitalinvestitionen von einer Firma zur anderen zu verhindern und unter Strafe zu stellen.

Um die Wirtschaftserholung in Gang zu bringen, wird es anfangs hauptsächlich darum gehen, die grundlegende Infrastruktur unter der Aufsicht der Bundes- und Bundesstaatsregierungen langfristig auszubauen. Das bedeutet langfristige Investitionen, die durch die Fähigkeit der Bundesregierung zur Kapitalschöpfung aufgebracht werden, wobei auch die Bundesstaaten bei vergleichbaren Vorhaben unterstützt werden müssen.

Das Ziel muß es sein, die wirtschaftliche Gesundheit und Produktivität jedes einzelnen Landkreises der USA zu befördern und solche lokalen Entwicklungen als Grundsockel anzusehen, auf dem das Gebäude der spezifisch nationalen Leistung ruht. Die USA müssen aus der Welt der supranationalen Kartelle herausgeholt und wieder der Nation und seinen Menschen zurückgegeben werden.

In diesem Zusammenhang muß der Unterhalt für die Wirtschaftsinfrastruktur eher der nationalen Verantwortlichkeit entzogen und wieder verbesserten Möglichkeiten der Bundesstaaten und Landkreise übertragen werden. Hierfür müssen wir überall, wo dies möglich ist, eine hochtechnologische, regionale und lokale Unternehmensstruktur aufbauen. Damit einhergehend muß die Rolle lokaler kreativer und ähnlicher Führungsqualitäten in mittelständischen Unternehmen gefördert werden, die in ausreichender Anzahl und unterschiedlichen regionalen Ausprägungen vertreten sind, um das Ziel örtlicher Wirtschaftsstabilität sicherzustellen. Technologischer Wettbewerb, wo Kreativität zuhause ist, ist dem Preiswettbewerb vorzuziehen, bei dem rücksichtslose Finanzabenteuer im Vordergrund stehen. Großunternehmen sollten als Instrumente zur Produktherstellung im nationalen Interesse angesehen werden, denn sie sind nur Ausdruck der kreativen produktiven Fähigkeiten lokaler mittelständischer Unternehmen.

Wir müssen den vorherrschenden Trends entgegenwirken, die die Volkswirtschaft intern durch die blitzschnellen Finanzoperationen der Globalisierung zerstören. Der Versuch, die mittelalterlichen Beutezüge der normannischen Kreuzfahrer und venezianischen Finanzoligarchen wiederzubeleben, muß unterbunden werden.

Der zweite Schritt verläuft parallel und in Wechselwirkung mit einem dritten Schritt, nämlich, der Entwicklung der grundlegenden Wirtschaftsinfrastruktur entweder durch Einrichtungen des Bundes oder durch die Zusammenarbeit von Bund und Einzelstaaten wieder eine führende Rolle zuzuweisen.

4.2 Wissenschaft als Profit

Damit kommen wir auf das Thema im Anfangskapitel dieses Berichts zurück: Was ist wirklicher gesellschaftlicher Profit, und wie muß er als praktische Institution erzeugt und geschützt werden?

In den Wochen vor den jüngsten US-Kongreßwahlen wurde die LYM im Rahmen des bundesweiten Wahlkampfs der Demokratischen Partei in ausgewählten Regionen national koordiniert eingesetzt. In Leesburg, Virginia, wurde eine mit jungen Veteranen aus früheren politischen Kampagnen besetzte Einsatzzentrale („war room“) eingerichtet, die im Rahmen der Mission der LYM innerhalb des gesamten Demokratischen Wahlkampfs für bestimmte Wahlkreise von Einzelkandidaten oder zusammengehöriger Kandidatengruppen zuständig war.

Wahlanalysen bekannter Spezialisten der Demokratischen Partei zeigten, daß die „erdrutschartigen” Stimmengewinne bei der Wahl des Repräsentantenhauses und bei bestimmten Senatskandidaten einen unerwartet hohen Zuwachs der Unterstützung für die Demokratische Partei unter jungen Erwachsenen in der Altersklasse 18–25, und einen noch höheren Zuwachs bei jungen Erwachsenen in der Altersklasse 25–35 auswiesen. Noch wichtiger als dieser Aspekt der Wahlanalyse waren für uns Berichte über Gespräche mit Jungwählern, die von dieser sehr plötzlichen Flutwelle im Wählerverhalten erfaßt wurden.

Das bedeutsamste Ergebnis der Analysen war nicht nur, daß die Aktivitäten der LYM herausragenden Einfluß auf die Wahlbeteiligung hatten, sondern daß die besondere Massenwirkung im Auftreten der LYM einen Stimmenzuwachs katalysierte, der alles überstieg, was die Wahlkampfteams der offiziellen Parteiführung unter Howard Dean auf die Beine stellten.

Dies stimmt überein mit jüngsten Umfragen unter den neu gewählten demokratischen Kongreßabgeordneten, die sich zu einem Treffen an der Harvard-Universität in Boston versammelt hatten. Diese Kandidaten waren im allgemeinen nicht von Howard Deans Wahlkampforganisation unterstützt worden, hatten in ihren Wahlkreisen aber trotzdem gewonnen. Der Erfolg der Kandidaten beruhte auf ihrer gemeinsamen Eigenschaft, daß sie sich am nationalen Interesse und nicht an ihren politischen Karrieren orientierten.

Womit wir uns hier beschäftigen müssen, ist die Art und Weise, wie es der LYM gelang, zu den genannten Erfolgen beizutragen – das Besondere an der LYM-Methode, um das zu erzeugen, was ich weiter oben in diesem Bericht den „Masseneffekt“ nannte. Entscheidend war, daß die LYM, die sich im Zuge meiner Zusammenarbeit mit Hochschul-Studenten entwickelte, als ich im Jahre 2000 meinen Präsidentschaftswahlkampf führte und dann im Sommer und Herbst 2004 dem Präsidentschaftskandidaten John Kerry meine Unterstützung gab, die Förderung wissenschaftlich-künstlerischer Kreativität betonte, wie ich sie am Anfang meines Berichtes hervorgehoben habe. Die Methode, durch eigene gezielte Einsätze einen „Masseneffekt“ zu erzielen, gründet sich stets darauf, das kreative Potential in den genannten Altersgruppen junger Wähler zu stimulieren.

Diese Entwicklungen spiegeln die Grundüberzeugung meiner nationalen und internationalen philosophischen Vereinigung wider – vor allem die Entwicklung und Anwendung meiner Originalentdeckungen in der Leibnizschen Wissenschaft der physischen Ökonomie während fast eines halben Jahrhunderts sowie die Erfolge meiner langfristigen Wirtschaftsvorhersagen in über vierzig Jahren.

Der zentrale Faktor bei der Mission, die die LYM erfolgreich ausführte, verweist auf die Tatsache, daß wahrer Profit und schöpferische wissenschaftliche Kreativität nicht voneinander zu trennen sind.

Nach dieser Einführung in die folgende Darstellung – den Versuch, eine physikalisch fundierte wissenschaftliche Definition einer wirklichen Profitspanne in der Wirtschaft zu liefern –, konzentriere ich mich nun darauf, deren Bedeutung für die erfolgreiche Planung und Durchführung eines Aufschwungs der physischen Weltwirtschaft im Verlauf des nächsten halben Jahrhunderts oder länger darzustellen.

Von diesem Standpunkt hängt der Plan eines Wirtschaftswiederaufbaus ab, wenn in diesem kritischen Augenblick unser Versuch für die nächsten zwei kommenden Generationen erfolgreich sein soll.

Was ist Kreativität?

Der wesentliche natürliche Unterschied zwischen Mensch und Tier ist das eigenständige Vermögen, mit dem der individuelle menschliche Verstand Entdeckungen grundlegender Prinzipien in der Physik und der klassischen Kunst erzeugt und repliziert – und ebenso Ideen benutzt, die als Entdeckungen eingeordnet werden können. Hierfür stehen insbesondere die Entdeckungen Johann Sebastian Bachs und derjenigen, die seine Entdeckungen weiterführten. Am besten läßt sich diese Erfahrung bei jungen, begabten Studenten rekonstruieren, die Schritt für Schritt Johannes Keplers Originalentdeckung der allgemeinen Gravitation nacherleben, so wie diese in seiner Neuen Astronomie im Einzelnen beschrieben ist. Wenn man die Arbeiten erklärter Anhänger Keplers, wie Gottfried Leibniz und Carl F. Gauß, untersucht, so hat Albert Einstein recht, wenn er betont, daß das Wesentliche aller kompetenten modernen Physik in dem dynamischen Entwicklungsprozeß ausgedrückt ist, der die Entdeckungen Johannes Keplers und Bernhard Riemanns miteinander verknüpft.

Im Rahmen des durch Keplers Entdeckung der Gravitation definierten Infinitesimals, wie es sich in den Bahnbeziehungen von Sonne, Erde und Mars äußert, stößt der aufmerksame Student auf das Problem, die praktische physikalische Bedeutung eines Prinzips wie das der Gravitation zu begreifen, welches so groß wie das Universum selbst ist, sich aber deshalb in jedem noch so winzigen Augenblick als deutliches „Infinitesimal” ausdrückt. Es ist selbst keine mathematische Größe an sich, sondern die ausgedrückte ontologische Aktualität eines universellen Prinzips in jedem noch so kleinen Aktionsintervall.

Dem gleichen Infinitesimalbegriff als Schatten einer ontologischen Aktualität begegnet man in Bachs wohltemperiertem Kontrapunkt, wo bei der Aufführung das „Komma“ genauso erscheint, wie sich bei Kepler die Gravitation ontologisch als im sehr Kleinen wirksam ausdrückt.

Am Schnittpunkt von Bachs Kontrapunkt – beispielsweise bei einer guten Aufführung der Motette Jesu, meine Freude – wird die gleiche Qualität menschlichen Denkens sichtbar, wie man sie bei der Wiederentdeckung von Keplers Entdeckung der Gravitation erlebt. Die Eigenschaften kreativer intellektueller Erfahrung sind die ontologische Aktualität eines Ereignisses, das man zutreffend individuelle menschliche Kreativität nennt. Darin drückt sich die Qualität menschlichen Denkens aus, das den Menschen vom Tier unterscheidet und ihn über das Tier erhebt. Dies ist der infinite/infinitesimale Ausdruck des menschlichen Geistes, welcher die Gegenwart einer unsterblichen Seele erkennen läßt, die weiterlebt, wenn der sterbliche Leib vergangen ist. Solche Handlungen – seien es wissenschaftliche Akte, klassische Formen von Schönheit oder Handlungen der Liebe für die vergangene und die zukünftige Menschheit – erheben die menschliche Persönlichkeit über die Tiere.

Diese Qualität spezifisch menschlichen Handelns ist gleichzeitig die Kraft, durch die in realwirtschaftlichen Prozessen wirklicher Profit erzeugt wird. Und dieser Geisteszustand, der Zustand persönlicher Zufriedenheit, läßt das Individuum in der Gesellschaft wirkliches Glück empfinden.

Universalität in diesem Sinne unterscheidet kreatives menschliches Handeln in der Gesellschaft vom Kartesianismus niedrigerer individueller Verhaltensformen. Die Betrachtung solcher Ideen, wie sie beim guten Vortrag einer Bach-Motette zum Ausdruck kommen, verleiht den persönlichen und gesellschaftlichen Handlungen des Menschen einen Sinn für das Göttliche, für Universalität. Der gleiche Vorgang überraschte – und bestürzte gelegentlich – sogar einige derjenigen Demokraten, die über die Rolle der LYM und deren „Masseneffekt“-Einsatz bei dem Demokratischen Sieg nachdachten, bei dem junge Mitbürger in der Altersklasse von 18–35 zu einem einzigartigen Resultat beitrugen.

In der Förderung von Kreativität, besonders wissenschaftlicher Kreativität, wie sie sich in gemeinschaftlichen Handlungen von Menschen in Gesellschaft und Wirtschaft ausgedrückt, liegt die Zukunftshoffnung Amerikas und das Potential unseres Beitrags zum wahrhaften Wohlbefinden der gesamten Menschheit. Es ist das stille Siegeslied, das den Sänger wissen läßt, daß er kein bloßes Tier ist.

Fußnote(n)
  1. Kompetente langfristige Wirtschaftsvorhersagen gründen sich auf das Modell der Astronomie Johannes Keplers, wie es dann durch die Leibnizsche Dynamik weiterentwickelt und durch Bernhard Riemanns Methode der physikalischen Hypergeometrien (d. h. physikalische Tensoren) ausgedrückt wurde.[]
  2. Dazu beachte man die wiederholten Hinweise meiner Ehefrau Helga auf das epochemachende Urteil Friedrich Schillers über die schrecklichen Implikationen des Terrors der Französischen Revolution für die Geschichte: Ein großer Moment hat ein kleines Geschlecht gefunden. Die Hauptrichtung des Kulturoptimismus und wissenschaftlicher und künstlerischer Fruchtbarkeit, die aus der kombinierten Wirkung der klassischen Renaissance Moses Mendelssohns, Gotthold Lessings und der Amerikanischen Revolution von 1776-1789 entstand und der europäischen Zivilisation jener Zeit neuen Auftrieb gab, wurde durch die dekadente Romantik des frühen 19. Jh. verdrängt. Das geschah insbesondere infolge der kombinierten Wirkung des Hitler-Vorgängers Napoleon Bonaparte, einer Schöpfung des martinistischen Freimaurers Graf Joseph de Maistre, und des Wiener Kongresses von 1814–15.[]
  3. Lyndon H. LaRouche jr. “Wernadskij und das Dirichlet-Prinzip”, 3. Juni 2005, deutsch in FUSION 02/2005.[]
  4. Ebenda[]
  5. D. h. die Vorstellung einer „eurasischen Wirtschaft“, die Idee einer Gruppe souveräner Nationalstaaten, die gemeinsam ihre eigenen und kombinierten Volkswirtschaften durch langfristige Vertragsabkommen im Geiste von Präsident Franklin Roosevelts Bretton-Woods-System relativ fester Wechselkurse und niedriger Zinsen langfristig entwickeln. Hierzu siehe die Mitschrift des ersten LPAC-Internetforums in Berlin am 6.9.2006 (in EIR, 15. September 2006). []
  6. Eine Wortschöpfung (abgel. von Neotonie), die sich an einen von Julian Huxley u. a. eingeführten Begriff anlehnt. Die Alternative ist Neotenie, beide vom Altgriechischen abgeleitet. Andere Nebenbedeutungen sind die Erzeugung der Veränderung oder der Zustand, der der Veränderung folgt. Ich betone beide Möglichkeiten, um den Vorgang der Veränderung zu unterstreichen.[]
  7. Allen Salisbury, The Civil War and the American System: America’s Battle with Britain, 1860-1876, New York, Campaigner Publications, 1978; Anton Chaitkin, Treason in America: From Aaron Burr to Averell Harriman, New York, New Benjamin Franklin House, 1985; H. Graham Lowry, How The Nation Was Won: America’s Untold Story,Washington, D.C., Executive Intelligence Review, 1987. []
  8. Ein einzelner US-Präsident mag geisteskrank sein, aber daß die Mehrheit der gewählten Mitglieder des US-Kongresses völlig blödsinnig wären, ist unwahrscheinlich. Stur, vorsichtig, ein wenig opportunistisch und so weiter – das schon. Aber dumm? Nein. Die eben eingebrachte neue Ernte von Abgeordneten gibt uns Grund zur Hoffnung. []
  9. a. a. O., S. 303.[]
  10. Siehe z. B. den Aspekt, den Karl Marx im 3. Band seines Kapitals erörtert, aber nie richtig verstanden hat. Das ist die typische Folge, wenn jemand meint, mit bloßen Zahlenspielereien an der Wandtafel oder am Computer irgend etwas über die physische Realität von Werten aussagen zu können, die von physikalischen Prozessen bestimmt sind.  []
  11. Ein Versuch, die sogenannte Dritte Entwicklungsdekade einzuleiten, wurde auf der Konferenz der blockfreien Staaten im August 1976 in Colombo, Sri Lanka, unternommen. Obwohl die Mehrheit der versammelten Nationen für die Resolution stimmte, unterstützte kurze Zeit danach, auf der Herbsttagung der UNO in New York City, nur noch ein Repräsentant der in Colombo versammelten Länder, nämlich der ehrenwerte Fred Wills aus Guyana, die nur knapp einen Monat zuvor verabschiedete Resolution. Frau Gandhi und Frau Bandaranaike waren in der Zwischenzeit gestürzt worden, und Bhutto aus Pakistan berichtete uns, daß Henry A. Kissinger angekündigt hätte, ihn zu beseitigen, wie es bald danach auch geschah.[]

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