Den folgenden Vortrag hat FUSION-Chefredakteur Dr. Wolfgang Lillge am 30. Juni 2026 bei einem Gesprächskreis der Nachdenkseiten in Berlin gehalten. Wegen der lebhaften Auseinandersetzung auf der Veranstaltung mit diesem Thema wollen wir unseren Lesern den Text ebenfalls zugänglich machen.
Eine wichtige Aussage gleich am Anfang: Wir brauchen die Kernenergie und auch die Kernfusion, weil sie die dichtesten uns zur Verfügung stehenden Energieformen sind, d. h. mit geringstem Ressourcenaufwand erhalten wir die größte Energieausbeute. Diese Relation war schon immer die Grundlage für jeden gesellschaftlichen Fortschritt. Alle anderen Energieformen – Wind, Sonne, aber auch Kohle und Öl – sind im Vergleich dazu sehr viel ineffektiver und bedeuten bei höherem Ressourcenaufwand eine geringere Leistungsfähigkeit. Überdies wird vor allem bei der Kernfusion nicht nur Strom produziert, sondern Energie für vielerlei andere Anwendungen zur Verfügung gestellt. Darauf kommen wir noch zu sprechen.
Vor allem müssen wir bei der Diskussion um die Kernenergie über den deutschen Tellerrand hinausblicken, denn überall auf der Welt setzt man auf die Kernenergie, nur Deutschland meint, ganz auf sie verzichten zu können. Vor allem der globale Süden, der dabei ist, 500 Jahre Kolonialunterdrückung zu überwinden, setzt zunehmend auf den Einsatz der Kernkraft.

Bevor wir näher darauf eingehen, erst eine ganz andere Frage, deren Bezug zu unserem Thema aber schnell deutlich werden wird: Was unterscheidet eigentlich den Menschen vom Tier?
Denn wenn man sich die Menschheitsgeschichte und insbesondere die Geschichte der Wissenschaft anschaut, ist es wichtig, zu wissen, ob der Mensch ein kreatives Wesen ist und seinen Fortschritt seinen schöpferischen Ideen verdankt, oder ob der Mensch lediglich ein höheres Tier ist, das nur durch Sinneswahrnehmungen auf seine Umwelt reagiert.
Lyndon LaRouche hat es einmal so ausgedrückt: „Die Menschheit unterscheidet sich von allen Tieren durch ihr einzigartiges Potential, willentlich die eigene potentielle relative Bevölkerungsdichte zu erhöhen, so wie diese Fähigkeit in keinem anderen uns bekannten Lebewesen in Erscheinung tritt.“
Wenn man den Menschen als kreatives Wesen sieht, wird klar, dass der Mensch unendlichen Fortschritt erreichen kann, was sich vor allem in einer ständigen Zunahme der relativen potentiellen Bevölkerungsdichte ausdrückt. Aus der gegensätzlichen Sicht erscheint die Welt hoffnungslos überbevölkert, und die Menschheit braucht ihre Ressourcen immer schneller auf und müsste sich in der Folge immer weiter einschränken.

Diese Frage beschäftigt die Menschheit praktisch seit Anbeginn. Am besten lässt sich das an der alten Mythologie des olympischen Gottes Zeus (Abbildung 1) aufzeigen, der praktisch der Inbegriff der oligarchischen menschenfeindlichen Herrschaft des Olymps über die Erde ist. Die Parallele zu der heutigen oligarchischen Herrschaft über große Teile der Welt sollte offensichtlich sein. Zeus hasste die Menschen und bestrafte sie bei jeder Gelegenheit.
Aber es gab jemanden, der sich der Herrschaft des Zeus widersetzte: Prometheus (der „Vorausdenkende“) – jener Halbgott, der von Zeus an einen Felsen gekettet wurde, weil er der Sage nach den Menschen das Feuer brachte (Abbildung 2).

Denn Prometheus war ein Menschenfreund, und gab dem Menschen noch viel mehr als nur das Feuer: Prometheus brachte den Menschen bei, Häuser zu bauen und Heilkräuter zu mischen, er lehrte sie Schreiben, Rechnen und die Kunst. Und mit der Beherrschung des Feuers beginnt die Geschichte des Umgangs des Menschen mit Energie.
Die wissenschaftliche Kreativität, mit der der Mensch die Voraussetzungen seiner weiteren Entwicklung schafft, ist quasi der prometheische Charakter des Menschen. Mit den Gaben, die uns von Prometheus geschenkt wurden, entdecken wir Menschen immer wieder neue universelle Prinzipien. Diese schöpferischen Erkenntnisakte sind nur dem Menschen eigen und sind Teil unserer nicht-animalischen Natur. Ohne diese Gabe wäre der Mensch aufgrund seiner relativen physischen Schwäche gar nicht überlebensfähig gegenüber ihm körperlich weit überlegenen wilden Tieren, Krankheiten und gewaltigen Naturkatastrophen.
Kein Tier verfügt über die Fähigkeit, mit Hilfe selbst entwickelter Technologien seine potentielle relative Bevölkerungsdichte zu vergrössern.
Betrachten wir uns einmal die Künste, die Prometheus dem Menschen beigebracht hat und in welchen Zeitaltern sie wirksam wurden. Der Mensch nutzte das Feuer zunächst nur als Wärmequelle und zum Kochen, wodurch das Leben bereits etwas angenehmer wurde und sich grössere Familienverbände bilden konnten.
Das Holzfeuer als Energiequelle entsprach in etwa der Steinzeit, die sich aber bekanntermassen zur Bronze- und Eisenzeit weiter entwickelte. Einige Menschen entdeckten nämlich, dass Holz deutlich höhere Temperaturen entwickeln konnte, wenn man es in Holzkohle umwandelt (Abbildung 3).

Die Temperatur von Holzkohle war hoch genug, um erste Metalle zu schmelzen, die man in Erzen fand, die zuvor bestenfalls als Faustkeile dienten. Dann entdeckte man, dass die Steinkohle, die zuvor nur ein schwarzer Dreckklumpen war, eine noch bessere Alternative zur Holzkohle war, um noch höhere Temperaturen zu erreichen, um z. B. Eisen zu produzieren.
Dieser Übergang war auch dringend nötig, denn die ausschließliche Nutzung von Holz und Holzkohle führte relativ schnell dazu, dass sämtliche Wälder abgeholzt wurden – ein typisches Beispiel dafür, dass man mit einer bestimmten Technologie irgendwann eine Grenze der verfügbaren Ressourcen erreicht. Tatsächlich wurde deshalb vor etwa 700 Jahren bereits eines der ersten Umweltschutzgesetze erlassen, als nämlich untersagt wurde, die Wälder zur Produktion von Holzkohle immer weiter abzuholzen.
Der Übergang von der Holzverbrennung zur Kohle (die fast viermal energiedichter ist als Holz) vollzog sich im 18. Jahrhundert. Die höheren Temperaturen und Regulierungsmöglichkeiten, die mit der Kohlefeuerung erreicht werden konnten, ermöglichten die Einführung neuer Technologien etwa bei der Erzschmelze, der Stahlerzeugung und in anderen Bereichen, wie etwa dem Schiffsantrieb. Bis in die 1950er Jahre war Kohle die Hauptenergiequelle für Industrie und Transport und ist vielerorts nach wie vor der Hauptbrennstoff für die Stromerzeugung.
Öl hat eine 50 Prozent noch höhere Energiedichte als Kohle. Die leichteren Derivate des Erdöls wie Benzin, Benzol oder Kerosin gehören zu den energiedichtesten Flüssigkeiten, die sie als Brennstoffe sehr gut geeignet machen – zumindest solange sie verfügbar sind.
Doch alle diese Fortschritte bei der Erzeugung energiedichter Treibstoffe wurden von der Entdeckung der Kernspaltung noch bei weitem in den Schatten gestellt. So entspricht ein kaum sichtbares Körnchen Uranbrennstoff bei vollständiger Spaltung fast 4,5 t Heizöl, 6,5 t Kohle oder 23,5 t Brennholz (Abbildung 4).

Man kann die Effektivität der Energieerzeugung auch mit dem Kriterium der Energieflussdichte darstellen. Dabei zeigt sich eine Steigerung der Energieflussdichte in Watt pro Quadratmeter von der Wasserkraft über die Dampfmaschine, den Verbrennungsmotor und die Kernspaltung bis hin zur Kernfusion von bis zu 6 Grössenordnungen.
Ein weiteres wichtiges Kriterium für die Wirksamkeit der Energienutzung ist deren Auswirkung auf die Entwicklung der Weltbevölkerung.

Wie man sieht (Abbildung 5), war die Bevölkerungszahl bis in die Jungsteinzeit (Neolithikum) noch ziemlich gering, doch dann begannen die Menschen sesshaft zu werden, betrieben Ackerbau und Viehzucht, so dass bis etwa 400 v. Chr. fast 1 Million Menschen auf der Erde lebten. Das relativ langsame Bevölkerungswachstum setzte sich weiter fort bis etwa 1500 n. Chr., dem Beginn der Renaissance in Europa. Nach den verheerenden Verlusten der Pestepidemien des späten Mittelalters (deutlicher Einbruch) erholte sich die Bevölkerungszahl wieder und stieg auf bis knapp 1 Milliarde Menschen weltweit.
Die Renaissance ist die Zeit des Übergangs vom Mittelalter zur Neuzeit, als Gelehrte und Künstler an die kulturellen Leistungen der griechischen Antike anknüpften und das unterwürfige Menschenbild des Mittelalters überwunden wurde. Es entstanden die ersten Nationalstaaten, es entwickelte sich ein bisher nicht bekanntes wissenschaftliches Denken und ein wachsendes Verständnis der Gesetze des Universums. Es seien nur Leonardo da Vinci, Nikolaus von Kues und Johannes Kepler genannt.
In der Folge begann ein praktisch exponentielles Bevölkerungswachstum, einhergehend mit einer Verbesserung des realen Lebensstandards und der Lebenserwartung.
Heute haben wir eine Weltbevölkerung von fast 8 Milliarden Menschen, doch mit dem Einsatz der Kernfusion liegt die potentielle relative Bevölkerungsdichte – oder die potentielle Tragfähigkeit der Erde, wie man heute so schön sagt – sicherlich bei mindestens 20 Mrd. Menschen. Der Zusammenhang zwischen technologischem Fortschritt und der Möglichkeit, so viele Menschen auf einem hohen Lebensstandard zu erhalten, wird daran sehr deutlich.
Die industrielle Revolution des 19. Jahrhunderts brachte bereits eine Vielzahl von Technologien hervor, deren energetische Grundlage noch die Kohle und das Öl waren – Ressourcen, die aber nicht unerschöpflich sind.
Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckte man, dass durch die Spaltung schwerer Atome ein Feuer entfesselt werden kann, das dem Menschen Zugang zu einer Kraft eröffnet, die es ihm potentiell ermöglicht, erneut die Grenzen des Wachstums zu erweitern. Durch die Fusion leichter Atomkerne ergibt sich potentiell eine noch höhere Grössenordnung der Energieausbeute. Vor allem mit der Kernfusion hätten wir eine Energiequelle, die der Menschheit auf praktisch unbegrenzte Zeit Energie im Überfluss bereitstellen würde und Technologien ermöglichte, von denen wir heute noch gar nichts ahnen.
Warum sollten wir uns also rückwärts entwickeln und uns mit sogenannten erneuerbaren Energien zufrieden geben, die ja in der Tat nicht durchgehend zur Verfügung stehen – Stichwort Dunkelflaute – und obendrein extrem ineffizient sind gemessen an der Energieflussdichte. Warum sollen wir unsere Landschaften verspargeln und mit hässlichen Sonnenkollektoren zupflastern, die auch ein ganz anderes Stromverteilungsnetz brauchen, das mit extrem hohen Kosten erst gebaut werden muss. Unser bisheriges Stromnetz basierte darauf, dass der Strom von mehreren großen Kraftwerken zu den Verbrauchern verteilt wird, und das soll jetzt plötzlich durch eine Vielzahl von Minikraftwerken (Windmühlen und Solarpaneelen) ersetzt werden, die nur durch einen extrem hohen Aufwand über neue Stromtrassen (etwa von der Nordsee nach Bayern) überhaupt genutzt werden können.
Das Geld, das in diesen gewaltigen, absurden Umbau gesteckt werden muss, wäre besser angelegt, um eine moderne Transport- und Energieinfrastruktur zu entwickeln, wie es China vorgemacht hat – ein Mix aus Kohle, Gas, Erneuerbaren und Kernkraft.

Doch erst einmal zur Kernenergie: Bei der Spaltung schwerer Atome wie Uran werden große Mengen Energie freigesetzt (Abbildung 6), die man in einem Reaktor zur Erwärmung von Wasser einsetzen kann, dessen Wasserdampf dann eine Turbine zur Stromerzeugung antreibt.
Ich erspare Ihnen die Details der Kernphysik – ich bin ja selbst kein Physiker – denn man kann neben Uran auch verschiedene andere spaltbare Elemente verwenden, um einen Reaktor zu betreiben, einschließlich Thorium. Entsprechend gibt es auch verschiedene Reaktortypen, und auch der sog. Atommüll kann inzwischen entweder mit Transmutationsverfahren in kurzlebigere Isotope verwandelt, oder in neuesten Reaktortypen sogar als Brennstoff eingesetzt werden. Das vieldiskutierte Problem der Endlagerung ist somit technisch absolut lösbar.
Der Bau der ersten deutschen Kernkraftwerke wie Biblis Anfang der 1970er Jahre wurde von einem großen Teil der Bevölkerung, einschließlich Gewerkschaften und SPD, unterstützt. Und es entstanden insgesamt 37 Kernkraftwerke in Deutschland.
Die Vorbehalte, die später gegen die Kernenergie vorgebracht wurden, basieren im wesentlichen auf dem Problem des Restrisikos, d. h. im Extremfall könnte es in einem Reaktor zu einer Kernschmelze und der Freisetzung von Radioaktivität kommen, wie es ja tatsächlich bei den bekannten Reaktorunfällen teilweise geschehen ist. Dieses Restrisiko ist bei der ersten und zweiten Generation von Kernkraftwerken tatsächlich nicht ganz auszuschließen, und man versuchte, diesem sehr geringen Risiko mit doppelten und dreifachen Redundanzen der Sicherheitssysteme vorzubeugen. Die Reaktorunfälle, die sich tatsächlich ereignet haben, hatten ihre Ursache immer in eklatantem Missmanagement.
Die gewisse Unzulänglichkeit der ersten Reaktorgeneration war vielen Atomwissenschaftlern von Anfang an bewusst. Prof. Schulten aus Jülich entwickelte deshalb schon in den 1970er Jahren einen Kernkraftwerkstyp, der inhärent sicher war, der sich also bei Erreichen einer kritischen Temperatur selbsttätig abschaltet.

Das war der sogenannte Kugelhaufenreaktor (Abbildung 7) – ein Hochtemperaturreaktor, der nicht mit Brennstäben funktioniert, sondern mit Brennkugeln, die kontinuierlich ausgetauscht werden. Eine Kernschmelze ist aufgrund der Dynamik des Reaktors physikalisch ausgeschlossen.
Doch durch die Anti-Kernkraftbewegung wurde in Deutschland die Entwicklung selbst dieser inhärent sicheren Reaktortypen, aber auch Anlagen zur Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennstäbe und andere kerntechnische Anlangen abgewürgt. Prof. Schulten beispielsweise überließ daraufhin die HTR-Technologie China, wo heute ein Kugelhaufenreaktor in Betrieb ist.
Es gibt inzwischen weitere inhärent sichere Reaktortypen der 4. und 5. Generation, u.a. den Salzschmelzereaktor und den Dual Fluid Reaktor. Aber anstatt sich diesem technologischen Fortschritt anzuschließen, haben wir in Deutschland den kompletten Ausstieg aus der Kernkraft vollzogen.
Viele im Ausland haben uns gefragt, warum Deutschland so verrückt sein kann, sich mit dem Ausstieg aus der Kernenergie in den wirtschaftlichen Selbstmord zu treiben. Deutschland müsse doch im Geheimen bereits die Kernfusion entwickelt haben, um seinen Energiebedarf zu decken. Überall sonst in der Welt würde die Kernkraft genutzt, nur in Deutschland nicht. Was ist bloß mit Deutschland los?
Doch damit nicht genug, wir haben auch noch zugelassen, dass uns unsere vermeintlichen Freunde aus den USA die „Nord Stream“-Pipeline vor unserer Nase in die Luft gesprengt haben, wodurch wir auch noch vom günstigen Erdgas aus Russland abgeschnitten wurden. Der Weg in den wirtschaftlichen Niedergang ist damit in vollem Gange.

Kommen wir jetzt zur Kernfusion. Das Prinzip ist relativ einfach: Im Bild (Abbildung 8) ein Beispiel der Fusion eines Deuterium- und eines Tritiumkernes (schwerer und überschwerer Wasserstoff) zu einem Heliumkern unter Freisetzung eines Neutrons. Dabei wird eine große Energiemenge freigesetzt. Genau dieser Prozess spielt sich auf unserer Sonne ab, und mit der Kernfusion würden wir das Sonnenfeuer kontrolliert zu uns auf die Erde bringen.

Der erste konzipierte Fusionsreaktor war ein sogenannter Tokamak (Abbildung 9), in dessen Röhren ein heißes Plasma erzeugt wird, in dem die Fusionsprozesse stattfinden. Das Problem besteht darin, das hocherhitzte Plasma so zu kontrollieren, dass es die Wände des Reaktors nicht berührt. Dazu sind extrem starke Magnete erforderlich.
Es gibt noch mehrere weitere Methoden, um Fusionsreaktionen zu erzeugen. Die bekannteste ist die Laserfusion, bei der ultrakurze, hochintensive Laserpulse auf ein winziges Brennstoffkügelchen gerichtet werden, wodurch Atomkerne darin verschmelzen und Fusionsenergie freigesetzt wird.
Welches Verfahren tatsächlich das beste sein wird, muss sich noch erweisen, fest steht aber, dass die Energie, die durch die Verschmelzung zweier Atomkerne entsteht, noch einmal um eine ganze Grössenordnung höher ist als bei der Kernspaltung.
Zum Hintergrund: Die Kernfusionsforschung begann in den 1950er Jahren als Geheimprojekte in den USA und der Sowjetunion, wurde dann aber auf Betreiben Moskaus zu einer offenen Kooperation zwischen den Wissenschaftlern.
Ich kann berichten, dass die Fusion Energy Foundation (FEF) in den USA – also die Schwesterorganisation des Fusion-Energie-Forums – schon sehr früh das Potential dieser Forschung erkannte und mit führenden Fusionswissenschaftlern der ersten Stunde eng zusammengearbeitet hat.
1980 hatte die FEF einen großen Anteil daran, dass ein Fusionsenergiegesetz in den US-Kongress eingebracht und mit großer Mehrheit verabschiedet wurde. Es wurde von Jimmy Carter, der eigentlich ein Kernkraftgegner war, unterzeichnet. Das Gesetz sah die Entwicklung eines Reaktorprototyps bis 1990 vor, also innerhalb von zehn Jahren, und bis zum Jahr 2000 den Bau eines kommerziellen Reaktors. Leider wurde das Gesetz von Präsident Reagan damals nicht weiterverfolgt und erfuhr nie die notwendige Finanzierung. Die US-Energiebehörde hatte damals verschiedene Finanzierungs-Szenarien entwickelt, mit denen ein Fusionsreaktor erreicht werden könnte.

Ausgehend von 1978 wäre mit „Bemühungen maximaler Wirkung“ (blaue Kurve) schon 1990 die Kernfusion erreichbar gewesen, mit „beschleunigten Bemühungen“ (grüne Kurve) 1993, mit „aggressiven Bemühungen“ (orange Kurve) 1998 und mit „moderaten Bemühungen“ (rote Kurve) 2005 (Abbildung 10). Bei gleichbleibendem Forschungsaufwand von 1978 (braune Linie) war absehbar, dass die Fusion nie realisiert werden würde – und tatsächlich lag die Finanzierung in den nächsten Jahrzehnten sogar noch deutlich darunter (schwarz).
Es hieß immer wieder: Die Fusion kommt in 20 Jahren, und dann erneut: Die Fusion kommt in 20 Jahren… und so weiter, aber die Finanzmittel für die Fusionsforschung haben dafür nie ausgereicht und wurden sogar noch immer weiter zusammengestrichen.
2007 wurde dann mit dem Bau der Forschungsanlage ITER (International Thermonuclear Experimental Reactor) in Südfrankreich begonnen, ein großes, internationales Projekt unter Beteiligung von Russland, China, Europa, Japan und Indien, das die technische Machbarkeit der Fusion mit einem Tokamak demonstrieren sollte. Der ITER ist zwar bis heute nicht fertig, allerdings wurden bei seinem Bau wichtige technische und wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen. Deswegen war das kein rausgeworfenes Geld, nicht zuletzt wegen der internationalen wissenschaftlichen Kooperation über alle politischen Spannungen hinweg.
In den letzten Jahren wurden wesentlich stärkere Magnete zur Kontrolle des Plasmas entwickelt, so dass der Bau wesentlich kleinerer Reaktoren möglich wird, was viele kleinere private Start-ups hat entstehen lassen. Auch die Lasertechnologie hat sich deutlich weiterentwickelt, so dass auch die Laserfusion sehr viel mehr in den Blickpunkt rückt. Viele Start-ups auf der ganzen Welt haben inzwischen zum Teil umfangreiche private Gelder eingenommen, um verschiedene Reaktortypen zu entwickeln. Einige sprechen davon, schon bis 2030 eine „Fusionszündung“ zu erreichen. Tatsächlich steht wohl China mit seiner umfangreichen staatlichen Förderung an der Spitze der Fusionsforschung.
Sobald die Kernfusion funktioniert, eröffnet sich die Möglichkeit, überall auf der Welt billige Energie im Überfluss zu erzeugen – eine wichtige Voraussetzung, um Armut und Unterentwicklung auf der Welt zu überwinden.
In der Wirtschaft eröffnen sich mit der Kernfusion Produktionsprozesse mit einer viel höheren Durchflussleistung pro Flächeneinheit, die bei einer Vielzahl von Technologien und Produktionsmethoden Anwendung finden. Eine Möglichkeit wäre die sogenannte Plasmafackel, mit der sich viele Stoffe in ihre Ausgangselemente und Isotope zerlegen ließen, wodurch sich theoretisch aus einem beliebigen Kubikkilometer Erdboden das Vielfache des jährlichen Bedarfs an Eisen, Kupfer, Aluminium und anderen Rohstoffen gewinnen ließe – das wäre Bergbau auf ganz andere Weise.
Mit der reichlichen und kostengünstigen Energie aus der Kernfusion werden sich grundlegend neue Beziehungen in vielen Bereichen entwickeln: unsere Beziehung zum Wasser, wenn wir Wasser kostengünstig entsalzen können, um es für die Landwirtschaft zu nutzen; unsere Beziehung zur Raumfahrt – die Möglichkeit, den Mars in einer Woche zu erreichen oder gefährliche Asteroiden abzulenken. Und es wird sogar möglich sein – ich spekuliere hier ein wenig –, aber mit der Entwicklung der Kernfusion wäre genug Energie verfügbar, um sogar Deutschland mit Klimaanlagen auszurüsten – ein höchst aktuelles Thema dieser Tage!
Die Geschichte der Energienutzung vom einfachen Holzfeuer bis zur Zähmung des Sonnenfeuers in einem Fusionsreaktor zeigt die enorme Steigerung der Energieflussdichte, die der Mensch zu beherrschen gelernt hat. Was wir brauchen, ist wieder ein gesellschaftlicher Zukunftsoptimismus, ohne den wir aus dem gegenwärtigen wirtschaftlichen und sozialen Zerfall nicht herauskommen werden. Und dafür ist günstige Energie im Überfluss unabdingbar.
Für weitere Informationen möchte ich auf unser FUSION-Magazin verweisen, wo vieles zu dem Thema veröffentlicht ist. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
