Chinas Grüne Mauer

Eine der vielen gewaltigen Unternehmungen des chinesischen Staates zur Überwindung der geographischen Probleme des riesigen Landes ist ein Versuch, die Wüste zurückzudrängen. Mehr als ein Viertel der Landfläche, über 2,5 Millionen Quadratkilometer, sind Wüsten, mit Problemen wie Erosion und Versalzung des Bodens.

Die gewaltige Wüste Gobi, die in China der Gelbe Drachen genannt wird, breitet sich auch heute noch jedes Jahr um etwa 3000 km² aus, Ackerland und ganze Dörfer werden im wahrsten Sinne des Wortes verwüstet. Hunderttausende „Klimaflüchtlinge“ werden von der heranrückenden Wüste verdrängt und vom Staat umgesiedelt. Die Sandstürme der Gobi blasen Richtung Osten und überziehen oft mehrmals im Jahr die Hauptstadt Beijing mit einer Sandglocke.

Aber die Chinesen bremsen diesen Verwüstungsprozeß ab und wollen ihn bis Mitte des Jahrhunderts ganz aufhalten, wenn nicht umkehren. Als 1978 die großen Reformen anfingen, setzte die Regierung auch das Programm Drei-Norden-Schutzwald (für Nord-, Nordwest- und Nordostchina) um, das auch Grüne Mauer genannt wird: Am nördlichen Ende der Wüsten Gobi und Taklamakan wurden Millionen Bäume gepflanzt, um das Vordringen der Wüste aufzuhalten. In den seither vergangenen 40 Jahren wurde auf einem Gebiet von 4800 km mal 1500 km Ausdehnung eine erstaunliche Zahl von Bäumen gepflanzt – alles in allem 66 Milliarden (siehe Karte).

In den Vereinigten Staaten gab es zur Zeit von Präsident F.D. Roosevelt ein ähnliches Programm, den Schutzwald der Großen Ebenen, wo von 1934-42 auf einem Gebiet von knapp 30.000 km² von Kanada bis zum Brazos River in Texas etwa 220 Millionen Bäume gepflanzt wurden.

Der Saihanba-Wald

In China hat man aus einem früheren Aufforstungsprojekt viele wertvolle Lehren gezogen. Dieses berühmte, bahnbrechende Projekt ist der Saihanba-Wald, etwa 400 km nördlich von Beijing. Mitte des 20. Jahrhunderts war dieses Land baumlos und öde, nachdem man Anfang des 20. Jahrhunderts die vorhandenen Bäume rücksichtslos gerodet hatte. Schließlich fanden Forscher im Jahr 1961 dort einen einzelnen Baum, eine Lärche, der bewies, daß Bäume dort wieder überleben konnten.

Chinas „Große Grüne Mauer“

Die erste systematische Pflanzung auf 427 ha war weitgehend erfolglos, nur 8% der Samen, die man aus anderen Provinzen geholt hatte, gingen auf. Aber als man Samen vor Ort züchtete, nahm das Programm einen großen Aufschwung: Heute stehen dort 75.000 ha Wald. Der Saihanba-Wald dient jetzt als Schutz gegen Sandstürme und reinigt jedes Jahr mehr als 130 Mio. m³ Wasser für den Raum Beijing-Tianjin.

Die Grüne Mauer

Im Weltwaldbericht der Vereinten Nationen 2015 wird konstatiert, daß China seine Waldfläche von 1990-2015 insgesamt um mehr als ein Drittel vergrößert hat. Mehr als 500.000 km² kamen hinzu, mehr als die Fläche von Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen.

Das langfristige Ziel des Projekts der Grünen Mauer ist, den Anteil der Waldfläche an Chinas Gesamtfläche bis 2050 von jetzt 5% auf 15% zu erhöhen. In weniger trockenen Gebieten werden die Samen aus der Luft abgeworfen, aber der Großteil wird von staatlich bezahlten Landwirten gepflanzt.

Eine Studie unter Leitung von Minghong Tan vom Institut für Geographiewissenschaften und Rohstoff-Forschung aus Beijing hat ergeben, daß dank des Projekts 20% weniger Sandstürme nach Beijing dringen, weil die Bäume als Schutzwall dienen.

Allerdings gibt es weiterhin Probleme, so daß immer wieder Änderungen an dem Programm vorgenommen werden. So ist durch die Bäume in einigen Gegenden der Grundwasserspiegel gesunken, was die Bemühungen zur Wiederherstellung von Agrarland beeinträchtigt.

China gibt sein Fachwissen auch an Afrika weiter, wo es ebenfalls ein Programm für eine Grüne Mauer zur Eindämmung der Sahara gibt, das die Afrikanische Union 2007 beschlossen hat. Im April 2018 gab die Chinesische Akademie der Wissenschaften bekannt, daß das Xinjiang-Institut für Ökologie und Geographie (XIEG) unter Leitung der Akademie technische Unterstützung für die Große Grüne Mauer der Sahara und Sahel-Initiative (GGWSSI) geben wird. XIEG-Direktor Lei Jiaqiang sagte, sein Institut werde in Zusammenarbeit mit Nigeria, Mauretanien und Äthiopien die Wüstenbildung und die technischen Erfordernisse systematisch untersuchen. China wird Fachpersonal in Afrika ausbilden und sich direkt an Projekten beteiligen. Lei sagte: „Wir hoffen, Chinas Weisheit bei der Wüstenbekämpfung nach Afrika zu bringen und zu helfen, die Fähigkeiten zur Verhinderung von Wüstenbildung in afrikanischen Ländern entlang der Großen Grünen Mauer zu verstärken.“

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